Ohnmacht überwinden

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Zeige Deine Pace-Flagge für den Frieden und eine Welt ohne Atomwaffen.

Jeder Konflikt, wo Atomwaffenstaaten zu den Konfliktparteien gehören, birgt die Gefahr zu einem Atomkrieg zu eskalieren! Die Krise in der Ukraine ist mittlerweile zu einem bedrohlichen Szenario geworden und Medien sprechen immer häufiger von der atomaren Gefahr dieser Krise. Der Kampf um die Ukraine wurde erst letzte Woche in der TAZ mit der Kuba-Krise 1962 verglichen.

Atomwaffen wirklich einzusetzen ist eigentlich zum Tabu geworden. Doch was ist, wenn beispielsweise ein Manöver einen Fehlalarm auslöst oder durch eine Fehlinterpretation eines Konfliktpartners doch Atomwaffen detonieren. Atomwaffen dürfen nie wieder eingesetzt werden, sie müssen so schnell wie möglich geächtet werden!

Atomwaffeneinsätze – und schon die Drohung mit ihnen – sind laut dem Internationalen Gerichtshof völkerrechtswidrig und alle offiziellen Atomwaffenstaaten sind vertraglich verpflichtet ihre Atomwaffen zeitnah abzurüsten. Hierzu gehören auch Russland und die drei Atomwaffenstaaten, die Mitglied der NATO sind.

Statt sie abzuschaffen, modernisieren diese Staaten ihre Atomwaffenarsenale. Unterstützung für diese Modernisierung kommt auch durch unser Geld!  Mit Hilfe deutscher Finanzinstitute, sogar solchen, die sich eigentlich ethische Grundlagen auf die Fahnen schreiben, werden die Geschäfte mit Atomwaffen und ihre Modernisierung bezahlt.
INFORMIERE Dich über die Hintergründe Deiner Bank oder der Banken in Deiner Stadt: http://atombombengeschaeft.de/

Ihr könnt die Ohnmacht gegen Krieg überwinden.
Hilf mit, zeige Flagge für den Frieden, hole wieder Deine Pace Fahne oder bestelle Dir eine Neue (oder per mail: 10€ +1,50€ Porto) und hänge Sie ins Fenster.

So zeigst Du durch eine winzige Aktion Deine Solidarität mit den Menschen die heute und jetzt in Kriegsgebieten auf der Flucht sind, an ihren Verletzungen leiden oder Familie, Freunde, Land und Besitz verloren haben.

Ein Tropfen auf den heißen Stein?
Oder der Neubeginn für:
Das weiche Wasser bricht den Stein!

Was kannst Du noch tun? Schaue dir das Video zur Finanzierung von Atomwaffen durch deutsche Bankinstitute an und teile es auch bei Facebook und twitter.
http://atombombengeschaeft.de/aktionswoche/
Aktionswoche :   27. September – 04. Oktober 2014

Und bitte beteilige Dich an der Aktionswoche. Dort können die Pace-Fahnen auch Ausdruck sein von einer Bewegung, die nicht duldet, dass 100 Jahre nach dem ersten Weltkrieg und 25 Jahre nach dem Mauerfall Deutschlands, wieder die Kriegspropaganda salonfähig wird und unseren kritischen Geist zum Mitläufertum auffordert.  Wir bezahlen nicht mehr Euren Krieg!
Wir sind aktiv für den Frieden.  Zeige Flagge für ein Verbot von Atomwaffen!

Silvia BoppSilvia Bopp von der Pressehütte Mutlangen ist Koordinatorin der Kampagne atomwaffenfrei.jetzt

Vielfältige Veranstaltungen und Aktionen zum Hiroshimatag 2014

Foto: Xanthe Hall / IPPNW

Am Mittwoch, den 6. August, fand, 69 Jahre nach den verheerenden Atombombenangriffen auf Hiroshima und Nagasaki, der Hiroshimatag 2014 mit bundesweit mehr als 60 Veranstaltungen statt. Dabei gab es Veranstaltungen unterschiedlichster Art; so wurde den Opfern von Hiroshima und Nagasaki in Neustadt mit der andächtigen „Nacht der 100.000 Kerzen“ gedacht. Am Fliegerhorst Büchel (Eifel) fand hingegen ein mehrtägiges Protestcamp zur Blockade des dortigen Atomwaffenlagers, wo immer noch 20 US-Atomwaffen stationiert sind, statt.

Auch in Bonn fand, wie jedes Jahr seit 1984, eine Gedenkveranstaltung am Beueler Rheinufer statt, an der mehr als 70 BonnerInnen teilnahmen. Robert Nicoll von der Friedensinitiative Beuel hob hervor, dass im Krieg immer die Zivilbevölkerung leidet. So waren die Opfer von Hiroshima und Nagasaki größtenteils Zivilisten. Mit Reinhard Limbach (CDU) nahm auch der erste Bürgermeister der Stadt Bonn teil. Er wies darauf hin, dass Bonn seit 2005 Mitglied des Bündnisses „Mayors for Peace“ ist. Die 1982 vom damaligen Bürgermeister von Hiroshima, Takeshi Araki, gegründete Initiative setzt sich für die Abschaffung aller Nuklearwaffen bis zum Jahr 2020 ein.

Doch dieses Ziel scheint zur Zeit in weiter Ferne. Weltweit existieren immer noch mehr als 20.000 atomare Sprengköpfe. Trotz gegenteiliger Absichtsbekundungen der Bundesregierung sollen die in Büchel stationierten Atomwaffen weiterhin dort verbleiben und 2017 sogar modernisiert werden. Umso wichtiger sind Veranstaltungen wie der Hiroshimatag, die die Aufmerksamkeit auf die Zerstörungsgewalt von Nuklearwaffen lenken. „Atomwaffen sind kein alter Hut. Sie sind eine Bedrohung für die Menschheit wie eh und je. Der Konflikt in der Ukraine, bei dem sich Russland und NATO scheinbar wie zu Zeiten des Kalten Krieges gegenüberstehen, gibt Anlass zu großer Sorge. Gleichzeitig werden Modernisierungspläne für Atomwaffen und Trägersysteme, sowie der Raketenabwehrschirm weiter vorangetrieben. All dies erhöht das Risiko eines Einsatzes oder eines Unfalls“, so Philipp Ingenleuf vom Netzwerk Friedenskooperative und der Kampagne atomwaffenfrei.jetzt.

Der Friedensbeauftragte der EKD, Renke Brahms, fordert ebenfalls die Ächtung der Atomwaffen. „Die Opfer der beiden Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki müssen uns immer eine Mahnung sein, damit solch schreckliche Waffen geächtet werden“, so Brahms. Die noch heute spürbaren Folgen der Angriffe zeigen, wie wichtig ein Eintreten für die Ziele von atomwaffenfrei.jetzt ist. Es darf keine Modernisierung der existierenden Atomwaffen geben, die in Büchel stationierten Atomsprengköpfe müssen abgezogen werden und schlussendlich müssen alle Atomwaffen weltweit verboten und zerstört werden.

Eine Übersicht über alle Veranstaltungen zum Hiroshimatag findet sich hier

 

 

Fotos vom Hiroshimatag in Bonn:

Created with flickr slideshow.

Nils Biermann ist derzeit Praktikant beim Netzwerk Friedenskooperative in Bonn und hat u.a. die Termindatenbank des Netzwerks zum Hiroshimatag betreut und gepflegt. Er studiert English Studies sowie Politik und Gesellschaft an der Universität Bonn.

Der Mann, der die Welt rettete

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Millionen sind tot. Die gesellschaftliche Ordnung bricht zusammen, die Menschen leiden unter Verbrennungen, Verletzungen und akuter Strahlenkrankheit. Medizinische Versorgung fehlt. Es gibt Hunger und Gewalt. Es kommt zu Plünderungen und blutigen Auseinandersetzungen unter der Zivilbevölkerung. Ein fiktives Szenario, aber eines das während des Kalten Krieges 1983 hätte Wirklichkeit werden können.

Am 26. September 1983 wurde in der Kommandozentrale der sowjetischen Satellitenüberwachung ein Angriff der USA mit nuklearen Interkontinentalraketen gemeldet. Oberstleutnant Stanislaw Petrow geht als Mann in die Geschichte ein, der den roten Knopf hätte drücken können, es aber nie tat und dadurch den Dritten Weltkrieg verhinderte. Er war diensthabender Offizier im Serpuchow-15- Bunker und sollte im Falle eines nuklearen Angriffes auf die UdSSR einen sofortigen nuklearen Gegenschlag anordnen.

Die USA und die UdSSR befanden sich im Kalten Krieg. Der Konflikt zwischen den Atommächten des Westens unter der Führung der USA und dem Ostblock unter der Führung der Sowjetunion gipfelte in einem permanenten Wettrüsten, die Situation war angespannt, jedoch kam es nie zu einer direkten militärischen Konfrontation.

Bereits um 1980 herum hatten sowohl die USA als auch die UdSSR ein Vielfaches der zur Vernichtung der Gegner erforderlichen nuklearen Zerstörungskraft angehäuft. Im Falle eines gegnerischen Erstschlags war auf beiden Seiten eine absolute Vergeltung, also eine totale Vernichtung des Angreifers, angestrebt. Mit automatischen Frühwarnsystemen sollten aufkommende Gefahren möglichst schnell erkannt werden und bei einer rechtzeitigen und umfassenden Reaktion helfen.

Gegen Mitternacht am 26. September meldete der Computer, dessen Verlässlichkeit bereits mehrfach in Frage gestellt wurde, einen Angriff der USA. Petrow stufte jedoch diesen als unwahrscheinlich ein, da es sich zunächst nur um eine einzelne abgefeuerte Rakete handelte. Deswegen meldete Petrow der Militärführung einen Fehlalarm. Kurz darauf meldete das Computersystem vier weitere abgefeuerte Raketen, Stanislaw Petrow glaubte trotz fehlender Beweise weiterhin an einen Fehlalarm, da eine tatsächlicher Angriff seiner Meinung nach mit deutlich mehr Raketen ausgeführt worden wäre. Mit der Einstufung der Satellitenwarnung als Falschmeldung riskierte er eine massive Einschränkung der eigenen Handlungsoption.

Am Morgen stellte sich heraus, dass das Frühwarnsystem Sonnenreflexionen auf Wolken in der Nähe einer Interkontinentalraketen-Station in Montana als Raketenstart fehlinterpretiert hatte.

Mit Selbstbewusstsein, Ruhe und Vernunft hat Petrow eine Kettenreaktion unterbrochen und somit einen drohenden Nuklearkrieg verhindert, dessen Folgen katastrophal gewesen wären. Des Weiteren muss dieses Ereignis als Signal dafür gesehen werden ,dass die vollständige Abschaffung von Atomwaffen dringlich und unabdingbar ist.

Blogbild HannaHanna Punken ist Praktikantin bei IPPNW

Abolition 2000 in Schottland

Abolition 2000 Edinburgh

In der Woche vor der NPT-Prep-Com in Genf, traf sich Abolition 2000 in Edinburgh. Das Treffen war ein Zeichen der Solidarität für den Einsatz für ein atomwaffenfreies Schottland. Mittwoch und Donnerstag tagten wir in der schottischen Hauptstadt und wurden im schottischen Parlament empfangen. Am Freitag fuhren wir mit dem Bus zum Atomwaffenstandort Faslane, hielten eine Mahnwache am Nordtor, übergaben eine Resolution, umrundeten die U-Bootbasis und besuchten das Friedenscamp.

Seit 10 Jahren bin ich in Abolition 2000 aktiv uns so sind die Treffen so etwas wie ein Familientreffen, aber auch immer wieder eine Gelegenheit neue Aktivisten für eine Welt ohne Atomwaffen kennenzulernen.

Für mich neu und überraschend war die Nachricht, dass die schottischen Bürger darüber abstimmen können, ob sie in einen atomwaffenfreien Staat leben wollen. In Schottland wird es im nächsten Jahr ein Referendum geben, um über die Unabhängigkeit abzustimmen. Die Stationierung der atomar angetriebenen und bewaffneten U-Boote in Faslane wird im schottischen Parlament abgelehnt. Da die einzigen Atomwaffen des Vereinigten Königreiches in Schottland stationiert sind, schafft das Referendum nicht nur die Möglichkeit, dass Schottland atomwaffenfrei wird, sondern auch das Vereinigte Königreich auf Abrüstungskurs zu bringen. Dass die Frage der Unabhängigkeit mit der Frage der Atomwaffenfreiheit zusammenhängt, zeigte das Treffen von Abolition 2000 auf. Noch ist nicht klar, wie das Referendum ausgehen wird, die Umfragen zeigen noch keine Mehrheit für die Unabhängigkeit. Auch ist noch ist nicht klar, wie eine Entscheidung zur Unabhängigkeit umgesetzt würde. Es gibt Stimmen, die den Verbleib eines unabhängigen Schottlands in der NATO befürworten. Für die Aktivisten in Schottland ist es ein wichtiges Jahr. Mit einer Resolution „Über ein atomwaffenfreies Schottland zu einer atomwaffenfreien Welt“, die wir verabschiedeten, stellten wir den lokalen Kampf für eine atomwaffenfreie Welt in den weltweiten Zusammenhang. Wir übergaben diese im schottischen Parlament an die anwesenden Abgeordneten und bei der Mahnwache in Faslane an einen diensthabenden Offizier.

Auf einem Familientreffen werden einerseits alte Geschichten aufgewärmt andererseits auch neue Entwicklungen ausgetauscht. Dazu gehörte der Prozess von Oslo nach Mexiko, der in den vorherigen Blogs beschrieben wurde, die „Open Ended Working Group“, die der UN-Generalversammlung Vorschläge unterbreiten soll, wie die nukleare Abrüstung vorankommen kann. Wichtig ist, dass diese Arbeitsgruppe nach den Regeln der UN-Generalsversammlung arbeitet, nicht also durch ein Veto blockiert werden kann. „Open Ended“ – heißt, dass die Mitgliederzahl nicht begrenzt ist – nicht dass endlose Diskussionen geführt werden sollen.

Ausführliche Diskussionen fanden statt zur Verständigung zwischen dem Ziel von Abolition 2000 – einer Atomwaffenkonvention und der von ICAN verwendeten Formulierung eines „Ban-Treaty“ (Verbotsvertrag). Die Konvention fordert eine Beteiligung der Atomwaffenstaaten, der Verbotsvertrag wird als offener Prozess verstanden, der ohne die Atomwaffenstaaten begonnen werden kann, um die Atomwaffen weiter zu delegitimieren. Diese Diskussion wird sicher in Genf fortgesetzt.

Der Besuch in Faslane-Friedenscamp, das seit 30 Jahren existiert, schloss das Programm in Schottland ab. Für mich wurden Erinnerungen aus den 80er Jahren wach. Und ich stellte mir die Frage, ob neben der Lobbyarbeit, wir nicht auch die direkte Aktion an den Atomwaffenstandorten verstärken sollten. Die Fasten- und Blockade-Aktionen an den Atomwaffenstandorten Büchel und Aldermaston-Burgfield sowie in Berlin und Paris wurden besprochen und gegenseitige Unterstützung zugesagt.

Bei den Verabschiedungen hieß es oft: „Wir sehen uns in Genf“ oder „Wir sehen uns in Büchel“.

Wolfgang Schlupp-HaukWolfgang Schlupp-Hauck ist Sprecher der Kampagne „atomwaffenfrei.jetzt“ und arbeitet in der Pressehütte Mutlangen

Ergebnisse, bitte!

Walk your Talk! Walk your Talk! Lasst euren Worten endliche Taten folgen!

„Diese Waffen sind Relikte des Kalten Krieges, sie haben keinen militärischen Sinn mehr, sie schaffen keine Sicherheit, und sie haben deshalb nach Auffassung der Bundesregierung auch keine Zukunft.“ Außenminister Westerwelle zu den Atomwaffen in Deutschland, 26. März 2010

Man wolle sich „im Bündnis sowie gegenüber den amerikanischen Verbündeten dafür einsetzen, dass die in Deutschland verbliebenen Atomwaffen abgezogen werden“, so steht es im Koalitionsvertrag. Gestern vor drei Jahren hat der Bundestag die Regierung noch einmal daran erinnert, und diesen Satz dabei sogar leicht verschärft: Deutschland solle sich „mit Nachdruck“ für den Abzug einsetzen.

Drei Jahre später, die Regierungszeit geht zu Ende, der Wahlkampf hat begonnen, und wir müssen feststellen: Die Atomwaffen sind immer noch da. Mit wie viel „Nachdruck“ die Regierung sich eingesetzt hat, ist schwer zu beurteilen. Aber „er hat sich bemüht“ ist aus gutem Grund kein strahlendes Arbeitszeugnis. Auch Politik muss sich an Ergebnissen messen lassen.

Warum so wenig greifbare Ergebnisse? Die aktuelle Haltung der Regierungsparteien und der SPD lässt sich grob so zusammenfassen: Ja, wir sind gegen Atomwaffen. Ja, wir wollen eine atomwaffenfreie Welt. Aber uns sind die Hände gebunden. Für Abrüstung sind die Atommächte zuständig. Wenn die nicht wollen, können wir auch nichts machen, höchstens ihnen gut zureden.

So ist dann die Stationierung von Massenvernichtungswaffen auf unserem Territorium anscheinend eine Entscheidung, die in der Hand anderer liegt: der NATO, der Amerikaner oder der kleinen Minderheit an NATO-Mitgliedstaaten, die meinen, amerikanische Atomwaffen in Europa hätten heute noch irgendeine Rolle zu spielen. Manche Politikerinnen und Politiker wollen einem glatt den Eindruck vermitteln, wir wären ein kleiner, unbedeutender Zwergstaat: Der Abzug würde ja sowieso nichts für die Abrüstung bringen, weil sich keiner darum schert, was wir sagen oder tun.

Nuclear Prockrastinator Lame Excuses Bingo

Wie krass steht dem die Außenwahrnehmung Deutschlands entgegen: In der Eurokrise haben sich die Augen Europas auf die Bundesrepublik gerichtet. Bevölkerungs- und wirtschaftsstärkster Staat der EU, viertgrößte Volkswirtschaft der Welt. Trotz Merkels hartherziger Politik in der Krise genießen wir weltweit immer noch hohes Ansehen.

Ob wir die Lagerung von menschenwidrigen Massenvernichtungswaffen bei uns dulden oder nicht, das macht einen Unterschied. Es macht einen Unterschied vor allem für diejenigen Militärstrategen und Politiker, die noch an der Legitimität von Kernwaffen festhalten. Der Kalte Krieg mag schon lange vorbei sein, aber es gibt sie noch, die „nuclear priesthood“, die nukleare Priesterschaft: Die Planer und Experten, Generäle und Techniker, deren tägliche Arbeit an Kernwaffen und ihrem Einsatz sie in der Überzeugung eint, diese Waffen seien nötig und legitim, um die „nationale Sicherheit“ zu wahren.

Um eine solche Position vertreten zu können, braucht es viel Distanz und Rationalisierung. Distanz, die hergestellt wird über abstrahierende Sprache, einen Anstrich höchster Rationalität, und das systematische Ausblenden alles Störenden: Als „irrational“, „weiblich“ verachtete Elemente wie die Angst vor einem Atomkrieg, das Mitleid mit den historischen und den potenziellen Opfern, und der Gedanke an die konkreten Folgen einer Atomwaffenexplosion werden vermieden.

Weil wir alles unter Kontrolle haben, unsere Modelle perfekt sind, die Abschreckung funktioniert, und die Technik nicht versagen kann – so etwa geht die Argumentation – darum müssen wir uns gar nicht mit den konkreten Folgen auseinandersetzen, mit dem, was Atomwaffen eigentlich sind, und wir können sie behandeln wie Symbole und Variablen in mathematischen Gleichungen von Macht und Stabilität.

Neuerdings ist diese Logik jedoch am Bröckeln: Bei der Konferenz über die humanitären Auswirkungen von Atomwaffen, die Anfang dieses Monats in Oslo stattgefunden hat, haben Regierungsvertreter aus 128 Nationen den Tatsachen ins Auge geblickt. Im Falle einer Kernwaffenexplosion käme jede Hilfe zu spät. Und schon ein regional begrenzter Atomkrieg, mit etwa 50 Sprengköpfen, hätte aufgrund der immensen Rauchwolken, die in die Atmosphäre aufsteigen, weltweit dramatische Konsequenzen für das Klima. Ernteausfälle und Hungersnöte wären die Folge. Das einzige Mittel, das gegen Atomwaffen hilft, ist Prävention.

Dass so viele Regierungen jetzt dieser Realität ins Auge schauen, weist auf ein Umdenken hin, und macht Mut. Es ist bezeichnend, dass die im Atomwaffensperrvertrag „offiziell“ anerkannten Atomwaffenstaaten (USA, Russland, Großbritannien, China, Frankreich) diese wichtige Konferenz boykottiert haben. Auch der deutschen Regierung sollte das klar machen: Nur mit gut zureden ist es nicht getan. Von alleine bewegen sich die Kernwaffenstaaten nicht – die Nichtatomwaffenstaaten müssen ihnen den Weg weisen.

Mit der eigenwilligen Mischung aus Verzagtheit und Naivität, mit der Deutschland beim Thema Atomwaffen bisher vorgegangen ist, wird das nicht gehen. Taten sprechen lauter als Worte. Der einseitige Abzug wäre ein starkes Signal, das zeigen würde: Atomwaffen sind nicht nur, in den Worten Westerwelles, „Relikte des Kalten Krieges“ ohne militärischen Sinn. Sie sind auch für einen Staat, der sich als oberstes Ziel den Schutz und die Achtung der Menschenwürde gegeben hat, nicht tragbar.

Für den Abzug gibt es Präzedenzfälle: Kanada hat 1984 den Abzug amerikanischer Atomwaffen in die Wege geleitet, Griechenland 2001. Und die Mehrheit der 28 NATO-Staaten verzichtet auf Atomwaffen auf ihrem Territorium. Warum sollten wir es ihnen nicht gleichtun?

Auch das Verbot von Investitionen in Kernwaffen wäre solch ein wichtiges Zeichen. Eine Studie hat letztes Jahr gezeigt, dass elf deutsche Finanzinstitute mit erheblichen Summen an Unternehmen beteiligt sind, die Atomwaffen und ihre Abschusssysteme entwickeln und produzieren. Darunter sind nicht nur die Deutsche Bank und die Allianz, sondern auch Finanzinstitute in staatlicher Hand, wie die Baden-Württembergische und die Bayerische Landesbank oder die Kreditanstalt für Wiederaufbau. Ist es wirklich zu rechtfertigen, dass deutsche staatliche Banken an der Herstellung von Massenvernichtungswaffen verdienen?

Der Norwegische Pensionsfonds hat im Januar seine Atomwaffeninvestitionen abgezogen. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, bei der Abrüstungspolitik mehr Rückgrat zu zeigen. Nicht nur, weil es das Richtige ist. Sondern auch, weil es mehr konkrete Fortschritte brächte, als das ewige Warten auf den „richtigen“ Augenblick. Mit Yodas Worten: „Try not. Do! There is no try.“

Martin HinrichsMartin Hinrichs ist einer der Koordinatoren von BANG (Ban All Nukes generation) und Mitglied im Kampagnenrat von atomwaffenfrei.jetzt

Generationswechsel einer Bewegung

ICAN Civil Society Forum Oslo 2013

Heute bin ich nach einer Woche intensivster Erlebnisse in Oslo wieder zu Hause in Berlin. Dazu ist Internationaler Frauentag – ein Tag, an dem ich als Frau zurückblicke und dankbar bin, dass andere Frauen vor mir für meine Rechte gekämpft haben. Alles, was ich aufbaue, steht auch auf den Fundamenten von anderen, die vor mir gegangen sind.

Ich bin nicht alt, ich bin sozusagen „mittelalt“: Wenn ich auf mich aufpasse, könnte ich noch gut 40 Jahre weiterleben – Zeit genug, um Atomwaffen abzuschaffen, denke ich. Aber die Jugend, die ich in Oslo erlebt habe, hat es eilig. Sie haben kein Bock auf lange Prozesse und diplomatisches Schneckentempo. Die neue Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) will einen Verbotsvertrag, und zwar binnen kurzer Zeit. Ich bin zu geduldig geworden, ich verstehe die Probleme zu gut und sage „Ja, aber …“, „was ist wenn …?“. Nun ist es an der Zeit, dass die Bewegung ihren Motor austauscht.

Zum zivilgesellschaftlichen Forum am 2. und 3. März in kamen 450 Campaigner nach Oslo: jung, mittelalt, alt. Vor allem waren es die Jüngeren, die auf der Bühne standen und hinter den Kulissen agierten. Vertieftes Wissen haben sie von den Älteren eingeholt: Patricia Lewis von Chatham House, Ira Helfand von der IPPNW, Sir Andy Haines von Medact, um nur drei zu nennen. Von anderen, jüngeren Kampagnen wurde auch Rat eingeholt: beispielsweise von den Landminen- und Streubombenkampagnen. Die Message war klar: Der humanitäre Ansatz macht bestimmte Waffen inakzeptabel und führt zu einem Verbot durch die Staaten, die sie nicht besitzen.

Die Beteiligung der Zivilgesellschaft an der Staatskonferenz war von ICAN hervorragend vorbereitet. Unter der ICAN-Flagge haben 50 VertreterInnenn über zwei Tage mit allen StaatsvertreterInnen geredet und ihre Arbeit so gut mit den vorhandenen humanitären Organisationen koordiniert, dass das Ergebnis eindeutig war: Atomwaffen sind wegen ihrer humanitärer Folgen so schrecklich, dass nur ihre Abschaffung uns als Menschen schützen kann. Es ist schier unmöglich, sich auf die Folgen eines Atomwaffeneinsatzes – egal welchen Ausmaßes – ausreichend vorzubereiten.

Die Auswertung am 6. März zeigte, dass wir zwei von drei Zielen erreicht haben. Die Ziele waren folgende:

  1. Den Diskurs über Atomwaffen ändern. Die humanitären Folgen sollten durch die Präsentationen von Fakten belegt werden und dazu führen, dass Staaten anerkennen, dass sie betroffen sind, weil sie sich nicht adäquat vor den Folgen schützen können.
  2. Unterstützung für einen Verbotsvertrag ausbauen. Durch die Konferenz sollten die Staaten mehr Vertrauen in die Idee eines Verbotsvertrages gewinnen, und begreifen, dass ein Verbot – zunächst auch ohne die Atomwaffenstaaten – erreichbar und notwendig ist.
  3. Öffentlichkeitsaufmerksamkeit gewinnen. ICAN wollte mit dem Thema die Medien und damit auch die Öffentlichkeit in möglichst vielen Ländern erreichen.

Nur das dritte Ziel wurde zum Teil verfehlt – zumindest in Hinblick auf konventionelle Medien. Bei „Social Media“ ist es eine andere Geschichte, und dies reflektiert auch den Generationswechsel. In Twitter explodierte die Zahl der Hashtags (Stichworte) „#goodbyenukes“ und „#HINW13“, die wir für unsere Tweets über die Konferenzen in Oslo verwendeten. Wir erreichten damit die „Trends“-Liste für die am häufigsten gefolgten Hashtags. Auch die ICAN-Seite auf Facebook erreichte über 42.000 „Likes“, davon rund 1400 nur in den letzten sieben Tagen. Das neue Video von ICAN, das bei der Staatskonferenz gezeigt wurde, wurde in drei Tagen von über 1000 Menschen gesehen. Für eine volle Auswertung der gesamten Medienaufmerksamkeit ist es noch zu früh.

Am wichtigsten war jedoch die Ankündigung einer Folgekonferenz in Mexiko – zu diesem Zeitpunkt eigentlich kein explizit genanntes Ziel. Damit wurde, wie Leo in seinem Blogartikel ausführt, ein Prozess in Gang gesetzt. Oslo wird kein Einzelereignis, das morgen vergessen ist, sondern ein Anfang. Rebecca Johnson (ICAN) verglich dies mit einem Zug, der gerade den Bahnhof verlässt: Wir sind an Bord, die Atomwaffenstaaten stehen verlassen auf dem Gleis. Und auch wenn wir nicht ganz sicher sind, welchen Weg der Zug nimmt, wir wissen, wohin er rollt – und dass alle weiteren zusteigen können.

Welche Strategie für ICAN die Beste ist, wurde über die gesamte Zeit vom 1. bis 6. März immer wieder reflektiert. Wollen wir, dass die atomwaffenfreien Staaten – wie bei den Landminen – einfach einen Verbotsvertrag abschließen? Oder soll im Vertrag die Eliminierung der Atomwaffen mitbeschlossen werden, ohne näher zu bestimmen, wie? Wie holen wir die anderen Atomwaffenstaaten (Indien und Pakistan sind schon dabei) ab? Muss es noch einen Zug geben? Fazit: ICAN ruft zu einem Vertrag auf, der verbietet und eliminiert. Die Details können dann im Prozess zwischen den Staaten ausgearbeitet werden. Wichtig ist zunächst überhaupt einen Verhandlungsprozess auf dem Weg zu bringen. Denn wir haben zwar einen Prozess begonnen, aber noch keinen Verhandlungsprozess. Daher ist die nächste Aufgabe für ICAN, die Ziele für Mexiko zu entwickeln.

Als älteres Mitglied dieser neuen Bewegung muss jedoch mahnende Worte hinzufügen. Die Energie der Jugend ist notwendig, um die Bewegung voranzutreiben. Wir brauchen dennoch Nachhaltigkeit, um die ganze Strecke zu schaffen. Ich konnte mich als junger Mensch nicht mehr als sieben Jahre ausschließlich ehrenamtlich engagieren. Wenn die IPPNW mir vor zwanzig Jahren keine Stelle angeboten hätten, wäre ich vermutlich nicht mehr in der Lage gewesen, die Arbeit in diesem Umfang zu leisten. Obwohl es Menschen gibt, die ihr ganzes Leben lang ehrenamtlich geackert haben: Sie sind sehr selten und sie brauchen auch hauptamtliche Unterstützung. Daher ist es wichtig, dass wir mehr junge Menschen finanzieren, die langfristig und nachhaltig in die Koordination der Bewegung einsteigen. ICAN hat das zwar schon erkannt, hat jedoch viel zu wenig Geld, um das rasche Wachstum der Bewegung zu stemmen.

Zurück zu meinem Ausgangspunkt: Für einen Generationswechsel ist es auch wichtig, dass die neue Generation auf den Schultern der Vorangegangenen steht. Nur so kommt sie weiter. Sonst wiederholen sich die Fehler der letzten Generation. Als Ältere sollten wir nicht im Weg stehen, aber auch nicht einfach ersetzt werden. Wir sollten helfen, dass die Jüngeren auf unseren Schultern – durch Wissens- und Erfahrungstransfer – hoch klettern können, bis sie Fuß gefasst haben. Danach können wir jubeln, applaudieren und darüber schreiben, in dem Vertrauen, dass unsere Zukunft in guten Händen ist.

Xanthe Hall, Abrüstungsreferentin der IPPNW, Foto: Xanthe HallXanthe Hall ist IPPNW-Atomwaffenexpertin, Sprecherin der Kampagne “atomwaffenfrei.jetzt” und nahm an beiden Konferenzen in Oslo teil.

Wir sind viele und wir schaffen das!

ICAN Civil Society Forum zur Abschaffung der Atomwaffen in Oslo, Tag 2

Sonntagmorgen um zehn Uhr im großen Saal des norwegischen Studentenwerks in Oslo: Draußen scheint in warmen Strahlen die Frühlingssonne, drinnen suchen sich die TeilnehmerInnen aus aller Welt langsam ihre Plätze. Der zweite Tag des Civil Society Forums beginnt. Zwei Mädchen vom Helferteam stimmen ein fröhliches Aufwachlied an. Und die TeilnehmerInnen singen mit, auch wenn die wenigsten den norwegischen Text verstehen dürften. Die Stimmung ist gelöst – auch die Nuclear Party von gestern Abend hat wohl ihren Teil dazu beigetragen. Die Gruppe hat sich gut zusammengefunden, alle tauschen sich fleißig miteinander aus – und das über alle Generationen hinweg. Zuversicht liegt in der Luft. Am heutigen Tag geht es viel um die Dynamik der Bewegung: Was ist das Ziel und welcher Weg führt dorthin? Wie sieht erfolgreiches Campaigning aus? Hierzu berichten unter anderem zwei MitarbeiterInnen der Kampagne „Obama for America“ von ihren Erfahrungen im individualisierten Adressieren ihrer UnterstützerInnen und der Nutzung der neuen Medien. Sich mit anderen Kampagnen zu vernetzen, aus vergangenen Aktionen zu lernen – das ist oftmals Thema in diesen Tagen. So hören wir von den Kampagnen „arms control“ und der Koalition für einen internationalen Strafgerichtshof. Auch ICAN-CampaignerInnen verschiedener Länder tragen ihre persönlichen Erfahrungen und Tipps zusammen. Eine junge Frau erzählt von den Straßenaktionen ihrer schwedischen Gruppe: Ihr Angebot, sich kostenlos den Blutdruck messen zu lassen, lockte viele Passanten an. Die Verbindung zwischen der Prävention von „heart attacks“ und „nuclear attacks“ war schnell hergestellt und bot genügend Gesprächsstoff. Auch Jacob Romer als Vertreter der deutschen ICAN-Kampagne gibt gute Anregungen und hat die Lacher auf seiner Seite. Er empfiehlt, was hier schon stattfindet: Sich gegenseitig auszuhelfen, zu vernetzen und auch Freunde für die Mitarbeit zu begeistern.

Am Abend finden sich alle in der Stadthalle ein, in der auch alljährlich der Nobelpreis verliehen wird. Das Gebäude wirkt von außen fast erschlagend: Ein riesiger Backsteinkasten – innen geschmückt mit bunten Wandmalereien. Wir sitzen in der Mitte des Saales, während sich um uns herum das Spektakel entfaltet: Experimenteller Ausdruckstanz und Musiker aus vier verschiedenen Ecken der Welt, begleitet von einem Chor norwegischer Sänger. Zwei Akkordeonisten, die mit dem Echo spielen und die japanische Sängerin Sizzle Othaka, die mit ihrer Stimme das gesamte Publikum in ihren Bann zieht. Die Erstaufführung der Komposition „Will this moment ever let go“ von Magnus Åm basiert auf dem PicaDon, einem animierten Dokumentarfilm über die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki und ist ein voller Erfolg. Wie auch dieses Wochenende. Bei der Heimfahrt verbindet uns alle ein Gedanke: Wir sind Teil eines weltweiten Netzwerkes und gemeinsam stark! Es wird nicht einfach sein, aber es ist möglich und dringend notwendig. Lasst uns Atomwaffen abschaffen!

Judith Achenbach, IPPNW StudierendensprecherinJudith Achenbach ist Medizinstudentin und Studierendensprecherin der IPPNW Deutschland.

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