Folgt auf Büchel65 Berlin65?

Eindrücke der bisher größten Blockadeaktion in diesem Frühjahr

Gemeinschaftsaktion am 18. April 2015, mit den Gruppen DFG-VK, Friedensinitiative Nottuln, Internationale Arche und Armes nucléaires STOP. Foto: buechel-atomwaffenfrei.de

Als ich mich am vergangenen Samstag, 19. April, morgens um 7 Uhr mit dem Märchenerzähler Hansjörg Ostermayer auf den Weg von Marbach am Neckar nach Büchel aufmachte, wusste ich noch nicht was mich erwarten würde. Voller Elan berichteten wir uns schon im Auto gegenseitig von unseren langjährigen Erfahrungen in unserem Engagement für atomare Abrüstung. Hansjörg hatte in den 70er Jahren eine DFG-VK Gruppe gegründet und sich 1982 an der ersten Blockade in Großengstingen beteiligt. Wir lernten uns 1995 bei einem Camp der Atomteststopp-Kampagne bei der UNO in Genf kennen. Dies war der Auftakt meiner mittlerweile 20-jährigen Friedensarbeit. Während des Gesprächs wurde mir klar, dass wir in Büchel noch Martin Otto treffen würden und wir damit 19 Jahre nach der ersten Aktion am dortigen Atomwaffenlager als Trio wieder gemeinsam an einer Blockadaktion teilnehmen würden. Bereits 1996 hatte Hansjörg die damals etwa 60 Teilnehmenden vor dem Haupttor mit seinen Märchen von Atomtests bedrohten Völkern begeistert.

Sehr früh im Jahr hatten wir innerhalb der Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) diesen Samstag als Aktionstag auserkoren, um unsere Mitgliedschaft in die seit dem 26.März laufende Blockadekampagne büchel65 einzubinden. Etliche kleine Gruppen vor uns waren bereits in die Eifel gereist, um die Zugänge zum Atomwaffenstützpunkt nahe Cochem zu blockieren und damit für einen sofortigen Abzug der letzten US-Atomwaffen aus Deutschland und eine weltweite Ächtung zu protestieren.

Im Laufe der Vorbereitungs- und Mobilisierungszeit wurde dann klar, dass an diesem Tag insgesamt vier Gruppen den Fliegerhorst blockieren würden. Neben unserer, der ältesten deutschen Friedensorganisation, waren dies die Friedensinitiative Nottuln, „Armes nucleaires STOP“ ein Zusammenschluss von 15 gewaltfreien Gruppen, die 1990 gegründet wurde mit dem Ziel, Atomwaffenversuche in Polynesien zu verhindern, und ein Teil der Internationalen Archebewegung.

Die erste Archegemeinschaft wurde 1963 in Südfrankreich mit dem Namen „La Borie Noble“ gegründet. Zeitweise lebten dort 80 Menschen in weitgehender Selbstversorgung. Jeder Tag beginnt mit einem gemeinsamen Gebet und endete mit dem Gebet um das Feuer. Dazwischen gibt es Zeiten für Meditation und kurzes Innehalten (Rappell). Die Spiritualität ist christlich geprägt, auch wenn die Arche für Angehörige aller Religionen offen ist. Von Zeit zu Zeit verließen die Gemeinschaftsmitglieder in der ersten Archegemeinschaft ihren Platz, um gewaltfreie Aktionen gegen den Algerienkrieg oder Atomwaffentests zu organisieren. In Deutschland gibt es eine Archegemeinschaft, die Friedenshof Kommunität, die in Niedernstöcken bei Hannover angesiedelt ist.

„Wir sind eine Gruppe aus deutschen und französischen Menschen, die in der Vergangenheit mehrfach Aktionen für eine Welt ohne Atomwaffen durchgeführt haben. Wir möchten mit unserer Teilnahme in Büchel insbesondere die Verbindungen zwischen dem Widerstand in Deutschland und Frankreich stärken und deutlich machen, dass es im Atomkrieg keine Grenzen gäbe,“ so eine der Aktiven der Arche-Gruppe.

Der Sprecher der Friedensinitiative Nottuln Roger Reinhard unterstrich in Bezug auf die geplante Modernisierung der Atomwaffen in Büchel: „Eine Antwort von uns Friedensbewegten ist eine Intensivierung unserer Proteste. Unser Widerstand soll dort zum Ausdruck kommen, wo diese hoch gefährlichen Waffen lagern und deren Anwendung täglich geübt werden. Büchel ist ein symbolischer Ort für den militärischen Wahnsinn. Jetzt soll er zum symbolischen Ort unseres Widerstandes in Form zivilen Ungehorsams gegen Atomwaffen werden.“

Als die DFG-VK mit einer etwa 10 köpfigen Gruppe ankam war die Blockade der anderen Gruppen seit 8 Uhr bereits in vollem Gang. Wir schlossen uns mit unseren Freunden des Heilbronner Friedensrates, die sich seit Anfang der 1980er Jahre für atomare Abrüstung einsetzen und gerade auch angekommen waren, der Aktion an.

Auf diese Weise entwickelte sich dieser Tag zur größten bisherigen Blockadeaktion im Rahmen von Büchel65 mit über 50 Aktivisten – begleitet von Musik, Gesang, Tänzen, Märchen und vielen vielen hochinteressanten Gesprächen mit Austausch vielfältiger Erfahrungen. Sehr bunt, sehr kreativ und immer sonnig.
Eine bemerkenswerte Situation ergab sich am Nachmittag, als die Polizei das Haupttor am Nachmittag wieder öffnete, um dem Verkehr- die Ein- und Ausfahrt zu ermöglichen. Einige wenige Aktivisten saßen sich unmittelbar danach auf die Straße – es kam zu einen kleinen Gerangel. Begleitet und unterstützt vom sanften und rhythmischen Trommeln von Hansjörg entwickelten sich auf einmal intensive Gespräche mit einigen Polizisten. Der hochrangigste von ihnen betonte dabei wie nervig unsere Aktionen für die Bundeswehr, die Anwohner und sie selbst als Polizisten seien. Wir sollen doch bitte dort demonstrieren, wo die Entscheidungsträger sitzen – in Berlin. Er selbst schlug vor, die Idee von Büchel65 in der Bundeshauptstadt durchzuführen. Er wäre auch bereit daran einige Tage teilzunehmen, alle anwesenden Polizisten wären auch gegen Atomwaffen. Die Zusage kam per Handschlag mit mir zustande – von Zeugen beobachtet. Mal sehen, was sich daraus entwickelt.

Zur selben Zeit fand eine nicht minder bemerkenswerte Aktion der FI Nottuln im Ort Büchel selbst statt: die persönliche Übergabe eines Mahnbrief des Nottulner Bürgermeisters an den Bürgermeister von Büchel.

Der Brief ist so beachtlich und nachahmenswert, dass ich ihn gerne in voller Länge wiedergeben möchte:

„ … In Kürze wird sich eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde Nottuln in Ihre wunderschöne Gemeinde Büchel aufmachen. Zu Recht beschreiben Sie auf der Homepage Ihrer Gemeinde die große Anziehungskraft Ihrer Region – die wunderbare Natur im Herzen der Eifel!
Gern würde dieser Besuch unbeschwert stattfinden. Jedoch – ein großer Schmerz verhindert den ungetrübten Blich auf die Schätze der Landschaft. Sie wissen, wovon ich rede: Noch immer sind Atomwaffen in Büchel gelagert.
Es ist meine tiefe Überzeugung, dass das Konzept der gegenseitigen atomaren Abschreckung zwischen den großen Machtblöcken weder einen Sicherheit schaffenden noch einen Frieden stiftenden Weg darstellt. Gerade die Entwicklungen der letzten Zeit, gerade die neuen Konflikte in unserer unmittelbaren Nachbarschaft bestärken mich in dieser Überzeugung.
Deshalb muss es unser aller Bemühen sein, mit den uns zur Verfügung stehenden friedlichen Mitteln auf einen Abzug der Atomwaffen zu drängen.
Ich möchte mir keinesfalls anmaßen, eine Beurteilung Ihrer Situation vor Ort vorzunehmen, dazu fehlen mir die sachlichen Detailinformationen und auch die Emotionen, die Sie sicher im Lauf der Jahre gesammelt haben.
Bitte sehen Sie es mir dennoch nach, dass ich mir die Frage stelle, ob ein Abzug der Atomwaffen nicht auch im Hinblick auf die Entwicklung der Tourismusregion und die damit verbundenen Möglichkeiten einer erfolgreichen lokalen Wirtschaftsförderung von großem Vorteil wäre.
Als Mitglied der Vereinigung „Mayors for Peace“ möchte ich daher heute von Kollege zu Kollege, aber auch von Mensch zu Mensch an Sie appellieren, ebenfalls für ein Ende der Stationierung von Atomwaffen in Büchel einzutreten.
Vielleicht mögen Sie ja sogar eine Mitgliedschaft Ihrer Ortsgemeinde in der Vereinigung „Mayors for Peace Deutschland“ erwägen. Angesichts der politischen Herausforderungen unserer Tage wäre das sicherlich ein wirkungsvoller Schritt.“

Der Samstag hat eindrücklich und in jeder Hinsicht unter Beweis gestellt: Büchel wird immer mehr zum Symbol des Widerstands gegen die atomare Bedrohung.
Im Übrigen: auch auf der Heimfahrt rekapitulierten wir, Hansjörg und ich, ausführlich den für uns auch persönlich so wichtigen Tag vielfältiger Begegnungen. Hansjörg freut sich, wenn er von vielen Gruppen zu einem Märchenabend eingeladen wird, z.B. im Kontext der 70. Jahrestage von Hiroshima und Nagasaki. Auch die Geschichte der kleinen Sadako aus Japan hätte er dann im Gepäck.

Roland Blach, Koordinator der Kampagne "atomwaffenfrei.jetzt"Roland Blach ist Geschäftsführer der DFG-VK in Baden-Württemberg und Koordinator der Kampagne „atomwaffenfrei.jetzt“

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„70 Jahre sind genug“

Sammlung der Ideen bei der Planungskonferenz am 31.1.2015 in Hannover. Foto: Xanthe Hall / IPPNW

Zur Planungs- und Aktionskonferenz „ 70 Jahre sind genug“ trafen sich am 31. Januar 2015 40 Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet im Rathaus Hannover und wurden dort von Stefan Schostok begrüßt. Der Oberbürgermeister von Hannover, der Partnerstadt von Hiroshima, ist traditionell Vizepräsident von Mayors for Peace (Bürgermeister für den Frieden).

Am 6. und 9. August 2015 jähren sich die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki zum siebzigsten Mal. Der Kampagnenrat „atomwaffenfrei jetzt“ hatte aus diesem Grund ab Oktober zu dieser Konferenz aufgerufen. Da die Kampagne „atomwaffenfrei.jetzt“ im Mai zu Ende geht, bietet sich eine gute Gelegenheit, anlässlich der Gedenktage en bundesweites Projekt zu organisieren.

Schon vor dem Mittagessen gab es eine eindrucksvolle Ideensammlung. In vielen Städten Deutschlands wird es im ganzen Jahr regionale Veranstaltungen zum Gedenken an die Hibakusha (Strahlenopfer) geben.

Auch am Atomwaffenstützpunkt in Büchel wird bereits ab dem 26. März eine Aktion der anderen folgen – so unter anderem im August die Fastenaktion des dortigen Initiativkreises gegen Atomwaffen, die jährlich einen Tag länger wird.

Als ein Ergebnis der Konferenz wurde festgehalten, dass das bundesweite Projekt die vielfältigen, regionalen Aktionen und Veranstaltungen vernetzen und bündeln wird. Dadurch kann das Erinnern, aber auch die Forderung nach einer atomwaffenfreien Welt mit einer kraftvolleren Stimme in die Öffentlichkeit getragen werden.

Die aktuelle Atomwaffensituation wurde in einem Impulsreferat von Xanthe Hall (IPPNW) deutlich gemacht.  Die Konferenz zeigte sich einig in der Frage, dass Gedenken alleine nicht reicht.  „Büchel 65“ rief die KonferenzteilnehmerInnen auf, den Anlass zu nutzen durch gewaltfreie Blockadeaktionen im Frühjahr den Druck auf Entscheidungsträger zu erhöhen.

Die Planungskonferenz war ein Rundum-Erfolg. AktivistInnen aus knapp 30 Gruppen, Organisationen und politischen Bündnissen brachten viele Erfahrungen und Ideen ein und nutzen die Gelegenheit, sich zu vernetzen. Gemeinsam suchten sie einen Namen für das überregionale Projekt. Die Vorschläge werden in den nächsten Wochen auf den Prüfstand gestellt.

Das Netzwerk Friedenskooperative mit seinem Büro in Bonn wird das Projekt koordinieren. Es stellt in den nächsten Wochen eine Webseite zum 70. Jahrestag ins Netz. Dort können alle lokalen Veranstaltungen veröffentlicht werden. Materialangebote und ReferentInnenlisten zum Thema werden ebenfalls auf der Webseite zu finden sein.

Die KonferenzteilnehmerInnen dachten  am Nachmittag noch über gemeinsame überregionale Aktionen nach. Wichtiger methodischer Baustein war hier das Brainstorming in vier Kleingruppen zu folgenden Themen: Großplakate für August,  Aktionen rund um den Flaggentag am 8. Juli 2015 in Kooperation mit den Bürgermeistern für den Frieden, Klärung der Bedarfe, eine Service-Website und  Bildungsarbeit zur Atomwaffensituation. Bei der Bildungsarbeit wurde deutlich, dass Lernmodule zum Thema aktualisiert oder sogar neu erarbeitet werden.

Reiner Braun erläuterte am Nachmittag, dass die Marshallinseln beim internationalen Gerichtshof alle Atomwaffenstaaten angeklagt haben, damit sie ihrer Verpflichtung zu Abrüstung gemäß dem Atomwaffensperrvertrag endlich nachkommen. Er ermutigte die KonferenzteilnehmerInnen bei Ihren Veranstaltungen auch über die Atomtests und die Klage der Marshallinseln aufzuklären.

Machen Sie mit! 70 Jahre sind genug.
Wir brauchen endlich einen internationalen Verbotsvertrag für Atomwaffen.

Silvia Bopp, Büchel, 2013. Foto: Xanthe Hall / IPPNWSilvia Bopp arbeitet in der Pressehütte Mutlangen und ist Mitglied des Kampagnenrats „atomwaffenfrei.jetzt“

Dieser Artikel wird in der März-Ausgabe des IPPNWforum erscheinen.

Zu den 70. Jahrestagen gibt es auch eine Ausgabe von „Im Blick”

Präsentation von Silvia Bopp und Roland Blach mit einem Rückblick, Ausblick und Zeitstrahl zu den Jahrestagen

Berliner Hintergrundgespräche – Politischer Dialog mit der Zivilgesellschaft

Abrüstungspolitisches Frühstück im Bundestag mit dem Unterausschuss Abrüstung und Rüstungskontrolle am 6. November 2014. Foto: Xanthe Hall / IPPNW

Die Fahrt nach Berlin lässt sich schon im Vorfeld positiv an: Trotz medial verbreiteten „Horrormeldungen“ zum Streik bei der Deutschen Bahn, startete dieser erst in der Nacht auf Donnerstag. (Fast) pünktlich treffen wir uns daher am Mittwochmittag im Hotel am Hauptbahnhof für ein erstes Kennenlernen und eine inhaltliche Lagebesprechung. Die Gruppe ist ziemlich heterogen: Von den JuristInnen der IALANA und des Roten Kreuzes über den politisch engagierten Pfarrer bis hin zum CSU-Bürgermeister aus Franken und Mitglieder von Friedensorganisationen aus unterschiedlichen Sparten. Ich bin als einzige Studentin noch „Neuling“ in der Runde und entsprechend gespannt. Bisher hat mich noch niemand ins Kanzleramt eingeladen.

Sympathisches Gespräch im Bundeskanzleramt

Nach dem Lunch brechen wir zu unserer ersten Station auf: Einem Gespräch mit Susanne Baumann im Kanzleramt. Baumann ist die Leiterin des Referats für Sicherheits- und Abrüstungspolitik. Wer sie besuchen will, muss etwas mehr Zeit einplanen. Vor dem modernen Gebäudekomplex an der Spree passieren wir Sicherheitscheck Nummer eins, die offizielle Besucherliste. Außerdem dürfen wir unsere Ausweise abgeben und erhalten dafür nummerierte Plasitkschildchen, die uns als Gäste ausweisen. Danach folgt ein etwas ausgiebigeres Sicherheits-Prozedere mit Taschen leeren, Jacken ausziehen, Laptops auspacken und abtasten lassen.

Nach dem flughafenähnlichen Rundumcheck kommt mir die Atmosphäre im Innern des Kanzleramts recht entspannt vor. Sicherheitsleute begegnen uns selten, abgesehen von drei Motorradpolizisten, die eine Limousine nach draußen eskortieren. Das Kernstück unserer Regierung ähnelt eigentlich jeder x-beliebigen Behörde, mal abgesehen von der ansprechenden Architektur und der hohen Dichte an imposanten Autos, die hier zügig ein- und ausfahren.

In einem Konferenzraum führen wir mit Susanne Baumann ein sogenanntes Hintergrundgespräch. Das bedeutet: Die Informationen, die wir im Kanzleramt bekommen, bleiben unter uns und sind nicht für die breite Öffentlichkeit gedacht. Das hat den Vorteil, dass die Chefin von Referat 211 wesentlich offener sprechen kann und nicht über jeden Halbsatz zweimal nachdenken muss. Nachteil ist eben, dass wir das Gesagte nicht nach außen kommunizieren dürfen (was mir aus journalistischer Sicht ein inneres Haareraufen ist).

Im Laufe der Unterhaltung treten gegenläufige Linien klar zutage, manches bleibt unausgesprochen oder unbeantwortet im Raum stehen und oft müssen wir zwischen den berühmten Zeilen lesen. Trotzdem habe ich einen positiven Eindruck von Susanne Baumann, denn zum einen weiß sie offensichtlich, wovon sie spricht (ist also nicht eine der „Büroleichen“, die inhaltliche Fragen anderen Mitarbeitern überlässt).  Sie gibt sich Mühe, sich in unsere Positionen hineinzuversetzen. Weil man sich auch nach über einer Stunde intensiver Diskussion und Austauschs immer noch sympathisch findet, wird vereinbart, den Dialog bei nächster Gelegenheit fortzusetzen.

An der Pforte holen wir uns unsere Ausweise wieder ab und müssen die hübschen Schildchen abgeben (gerne hätte ich meines als Andenken behalten – wie oft ist man schon im Kanzleramt?). Zurück im Hotel lassen wir die Unterhaltung mit Baumann bei einem Kaffee noch mal Revue passieren und feilen an unserem Konzept für Tag zwei. Tag zwei ist noch ein bisschen wichtiger als der Besuch im Kanzleramt, weil wir sowohl Bundestagsabgeordnete zum abrüstungspolitischen Frühstück treffen als auch mit Botschafterin Antje Leendertse im Auswärtigen Amt sprechen.
Ziel des Frühstücks ist es, den Dialog über einen gemeinsamen Bundestagsbeschluss fortzusetzen und über die Konferenz zu den humanitären Auswirkungen von Atomwaffen in Wien zu sprechen. ein. Dazu wollen wir den ParlamentarierInnen unsere Empfehlung an die Hand geben wollen. Im Fokus steht als neuer Punkt die Klage der Marshall Islands.

Das kontroverse Frühstück im Bundestag

Im Paul Löbe-Haus gegenüber dem Kanzleramt am nächsten Morgen passieren wir, wie erwartet, die nächste Sicherheitskontrolle. Auch hier stelle ich fest: Hineinkommen ist abenteuerlich, drinnen geht es dann aber recht locker zu. Das Frühstück wird in einem großzügigen Konferenzraum am politisch bedeutsamen runden Tisch eingenommen. Die Resonanz von Bundestagsseite ist nicht übel, insbesondere von SPD und Linker, auch ein CDU-Vertreter ist da. Einige Abgeordneten, die selbst verhindert waren, haben zumindest ihre wissenschaftlichen MitarbeiterInnen geschickt.

Neben vieler konstruktiver Ansätze ist leider auch unübersehbar, dass der Kalte Krieg im Bundestag (zumindest diskursiv) wieder Einzug gehalten hat. Denn das sensible Thema Ukraine und Russland spaltet nicht nur die öffentliche Meinung, sondern auch die Bundestagsabgeordneten. Deutlich wird das vor allem, als sich ein ausgedehnter Disput zwischen einem unserer Vertreter und dem einzigen anwesenden CDU-Abgeordneten entwickelt. Eine Infragestellung seiner Russlandkritik fasst das CDU-Mitglied als Provokation auf – und lässt sich auch nicht beschwichtigen. Statt den Meinungskonflikt auszudiskutieren, verlässt der Abgeordnete den Raum und kehrt nicht an den runden Tisch zurück.

Offen auf Impulse im Auswärtigen Amt

Nach einer Runde Networking und Small Talk mit den Abgeordneten und ihrer Entourage im Anschluss, geht es vom Paul Löbe-Haus per Sammeltaxi zum nächsten Meeting am Werderschen Markt. Hier hat Botschafterin Antje Leendertse ihr Büro. Leendertse ist seit März 2014 Beauftragte der Bundesregierung für Abrüstung und Rüstungskontrolle im Auswärtigen Amt. Obwohl sie noch ganz frisch im Amt ist, wirkt sie erstaunlich fit auf dem Gebiet. In Wien wird sie ebenfalls mit dabei sein.

Bei der Unterhaltung mit Leendertse und zwei Mitarbeitern ihrer Abteilung handelt es sich wieder um ein Hintergrundgespräch. Wie auch im Gespräch mit Susanne Baumann habe ich das Gefühl, dass uns eine sehr kompetente Person gegenübersitzt, die sich reflektiert mit dem Thema Abrüstung auseinandersetzt und offen auf die Impulse aus der Zivilgesellschaft eingeht.

Später ziehen wir in einem thailändischen Restaurant in der Berliner Innenstadt ein vorläufiges Résumé. Nicht alles ist in den beiden Tagen so gelaufen, wie es geplant war. Vieles hat uns aber auch positiv überrascht, vor allem die Gespräche mit Baumann und Leendertse. Ist vorsichtiger Optimismus in Richtung Wien angebracht oder sollen die Gespräche uns ruhig stellen? Das würde nicht gelingen, denn im kommenden Jahr sind es 70 Jahre seit der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. 70 Jahre sind genug. Nein, eigentlich schon viel zu viele!

Julia Berghofer. Foto: eigeneJulia Berghofer ist freie Journalistin, studiert Politikwissenschaft und ist Mitglied der ICAN-Hochschulgruppe in Hamburg

 

Bild oben: Abrüstungspolitisches Frühstück im Bundestag mit dem Unterausschuss Abrüstung und Rüstungskontrolle am 6. November 2014. Foto: Xanthe Hall / IPPNW

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Vielfältige Veranstaltungen und Aktionen zum Hiroshimatag 2014

Foto: Xanthe Hall / IPPNW

Am Mittwoch, den 6. August, fand, 69 Jahre nach den verheerenden Atombombenangriffen auf Hiroshima und Nagasaki, der Hiroshimatag 2014 mit bundesweit mehr als 60 Veranstaltungen statt. Dabei gab es Veranstaltungen unterschiedlichster Art; so wurde den Opfern von Hiroshima und Nagasaki in Neustadt mit der andächtigen „Nacht der 100.000 Kerzen“ gedacht. Am Fliegerhorst Büchel (Eifel) fand hingegen ein mehrtägiges Protestcamp zur Blockade des dortigen Atomwaffenlagers, wo immer noch 20 US-Atomwaffen stationiert sind, statt.

Auch in Bonn fand, wie jedes Jahr seit 1984, eine Gedenkveranstaltung am Beueler Rheinufer statt, an der mehr als 70 BonnerInnen teilnahmen. Robert Nicoll von der Friedensinitiative Beuel hob hervor, dass im Krieg immer die Zivilbevölkerung leidet. So waren die Opfer von Hiroshima und Nagasaki größtenteils Zivilisten. Mit Reinhard Limbach (CDU) nahm auch der erste Bürgermeister der Stadt Bonn teil. Er wies darauf hin, dass Bonn seit 2005 Mitglied des Bündnisses „Mayors for Peace“ ist. Die 1982 vom damaligen Bürgermeister von Hiroshima, Takeshi Araki, gegründete Initiative setzt sich für die Abschaffung aller Nuklearwaffen bis zum Jahr 2020 ein.

Doch dieses Ziel scheint zur Zeit in weiter Ferne. Weltweit existieren immer noch mehr als 20.000 atomare Sprengköpfe. Trotz gegenteiliger Absichtsbekundungen der Bundesregierung sollen die in Büchel stationierten Atomwaffen weiterhin dort verbleiben und 2017 sogar modernisiert werden. Umso wichtiger sind Veranstaltungen wie der Hiroshimatag, die die Aufmerksamkeit auf die Zerstörungsgewalt von Nuklearwaffen lenken. „Atomwaffen sind kein alter Hut. Sie sind eine Bedrohung für die Menschheit wie eh und je. Der Konflikt in der Ukraine, bei dem sich Russland und NATO scheinbar wie zu Zeiten des Kalten Krieges gegenüberstehen, gibt Anlass zu großer Sorge. Gleichzeitig werden Modernisierungspläne für Atomwaffen und Trägersysteme, sowie der Raketenabwehrschirm weiter vorangetrieben. All dies erhöht das Risiko eines Einsatzes oder eines Unfalls“, so Philipp Ingenleuf vom Netzwerk Friedenskooperative und der Kampagne atomwaffenfrei.jetzt.

Der Friedensbeauftragte der EKD, Renke Brahms, fordert ebenfalls die Ächtung der Atomwaffen. „Die Opfer der beiden Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki müssen uns immer eine Mahnung sein, damit solch schreckliche Waffen geächtet werden“, so Brahms. Die noch heute spürbaren Folgen der Angriffe zeigen, wie wichtig ein Eintreten für die Ziele von atomwaffenfrei.jetzt ist. Es darf keine Modernisierung der existierenden Atomwaffen geben, die in Büchel stationierten Atomsprengköpfe müssen abgezogen werden und schlussendlich müssen alle Atomwaffen weltweit verboten und zerstört werden.

Eine Übersicht über alle Veranstaltungen zum Hiroshimatag findet sich hier

 

 

Fotos vom Hiroshimatag in Bonn:

Created with flickr slideshow.

Nils Biermann ist derzeit Praktikant beim Netzwerk Friedenskooperative in Bonn und hat u.a. die Termindatenbank des Netzwerks zum Hiroshimatag betreut und gepflegt. Er studiert English Studies sowie Politik und Gesellschaft an der Universität Bonn.

Tadatoshi Akiba erhält Friedensmedaille

Foto: Xanthe Hall / IPPNW

Das Kuratorium der DGVN Berlin-Brandenburg hat Dr. Tadatoshi Akiba einstimmig zum dreizehnten Preisträger der Otto-Hahn-Friedensmedaille gewählt. Der ehemalige Bürgermeister Hiroshimas und langjährige Präsident der weltweit aktiven Organisation „Mayors for Peace“ wurde für seine herausragenden Verdienste um Frieden, Humanität und Völkerverständigung am 16. April 2013 im Atrium der Deutschen Bank in Berlin ausgezeichnet. Regina Hagen, Sprecherin der Kampagne „atomwaffenfrei.jetzt“ erhielt die Laudatio.

Hier sind Auszüge aus der Laudatio:
»Tadatoshi Akibas Rede bei der PrepCom 2003 dauerte zehn Minuten – zehn Minuten, die viele NGOs elektrisierten. Dr. Akiba forderte einen umfassenden Verbotsvertrag ein, wie ihn die Zivilgesellschaft schon lange verlangt hatte. Er rief nach einer Nuklearwaffenkonvention – sechs Jahre zuvor hatten drei NGOs bei den Vereinten Nationen einen Modellentwurf dafür vorgelegt. Tadatoshi Akiba sprach uns aus der Seele ‑ und er kam aus dem politischen Establishment, stand einer Millionenstadt vor, war zuvor Parlamentsabgeordneter gewesen, ihn konnte man nicht einfach als »naiven Spinner« abtun.

Er holte mit seinem Team, das er u.a. aus der Zivilgesellschaft rekrutierte, die Mayors for Peace aus einer Art Dornröschenschlaf. Die Bürgermeister für den Frieden sind durch Dr. Akiba und mit Unterstützung zahlreicher Helferinnen und Helfer der Friedensbewegung zu einer global agierenden Organisation geworden. Gehörten bei seinem Amtsantritt als Hiroshimas Bürgermeister weniger als 450 Städte dazu, so zählt die Organisation heute fast 5.600 Mitgliedstädte in 156 Ländern und Regionen; alleine in Deutschland sind es aktuell 406.

Tadatoshi Akiba wurde 1942 geboren und erlebte, wie er mir erzählte, als Zweieinhalbjähriger in einer Kleinstadt unweit Tokio grauenhafte Luftangriffe. 1952, er war damals zehn, wurde die Zensur aufgehoben, die die USA bis dahin über die Berichterstattung zu Hiroshima und Nagasaki verhängt hatten. Zögerlich verbreitete sich in Japan mehr Wissen über die Atombombenabwürfe und ihre entsetzlichen Folgen, wurden erste Augenzeugenberichte von hibakusha bekannt, von Überlebenden der beiden Bomben. Bei einer Filmaufführung an einem Samstagvormittag, zu der die komplette Klasse von Tadatoshi Akiba geführt wurde, sah er den Film »Children of the A-Bomb«, der auf Basis eines zuvor erschienenen Buchs mit Überlebendenberichten das Leben und Leiden von Kindern nach den Atombombenabwürfen schilderte. Der junge Tadatoshi war geschockt und tief bewegt.

Nach seinem Studium der Mathematik an der Tokyo University wechselte Tadatoshi Akiba an das renommierte Massachusetts Institute of Technology unweit Bostons an der Ostküste der USA. Am MIT erlangte er den Doktorgrad und lehrte anschließend 15 Jahre lang an US-Universitäten, u.a. in New York. Dr. Akiba spricht daher nicht nur makelloses Englisch mit einer gut verständlichen Aussprache, sondern er bewegt sich auch sicher zwischen den beiden »Kulturen«, zwischen Japan und »dem Westen«. Er wirkt stets gelassen, geduldig und freundlich, ist ein Mensch »zum »Anfassen«, nicht abgehoben und fern. Kurzum, er ist ein perfekter Kristallisationspunkt für die Kooperation unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen aus aller Welt.

1986 kehrte Dr. Akiba nach Japan zurück, zunächst zu einem Sabbatical-Jahr. Er nahm seine Universitätstätigkeit wieder auf, nun an der Shudo University in Hiroshima. Er lehrte Mathematik und andere Fächer für Studierende der »Humanities« ‑ bei uns würde man »Geisteswissenschaften« sagen. Das Stipendienprogramm für Journalisten betrieb er noch einige Jahre weiter, bis er sich im Vorfeld der Parlamentswahl 1990 ‑ Japan befand sich damals in einer tiefen politischen Krise ‑ zunehmend in die politische Arbeit der Sozialistischen Partei einbinden ließ. Er wurde ins Unterhaus gewählt und blieb Abgeordneter bis 1999.

Als Parteiloser kandidierte er in diesem Jahr als Bürgermeister von Hiroshima. Dieses Amt hatte er drei Wahlperioden inne und entschied sich 2011, nicht erneut zu kandidieren. Dr. Akiba lehrt über ein »special assignment« nun wieder an einer Hochschule, diesmal an der Hiroshima University. Und er tourt weiter um den Globus, um für die atomwaffenfreie Welt zu werben, nun als Vorsitzender der Middle Powers Initiative, die auf Einladung des Auswärtigen Amtes jüngst hier in Berlin tagte.

In seinen zwölf Jahren als Bürgermeister von Hiroshima hat Dr. Akiba ungeheuer viel bewegt und wurde als »Gesicht« der Mayors for Peace international bekannt.

Die Mayors for Peace versahen das Ziel der atomwaffenfreien Welt durch ihr Motto zusätzlich mit einem Zeitpunkt: dem Jahr 2020. Bis dahin sollen nicht nur Verhandlungen über eine Nuklearwaffenkonvention abgeschlossen, sondern diese auch bereits umgesetzt sein. 2020 ist der 75. Jahrestag der Atombombenabwürfe, dann sind selbst die jüngsten hibakusha alte Menschen. Wenigstens sie sollen die atomwaffenfreie Welt erleben und wenn sie dann selbst sterben, den bereits zuvor dahingegangenen hibakusha vermitteln können: Ihr könnt jetzt wirklich ruhen, die Atomwaffen sind alle weg.«

Hier sind Fotos von der Veranstaltung (auf Facebook)

Flagge zeigen: Die ersten Fahnen wehten schon

Flaggentag der Mayors for Peace 2012 in StuttgartAm 8. Juli 2012 fand der erste Flaggentag der „Mayors for Peace“ statt. Noch war es kein Fahnenmeer. Aber die Idee, dass die Bürgermeister für den Frieden Flagge zeigen für eine atomwaffenfreie Welt kommt gut an. Sie wurde in Belgien auf einem Treffen der Mayors for Peace geboren. Aufgegriffen und umgesetzt wurde sie im Rahmen der Kampagne atomwaffenfrei.jetzt.

Die Bürgermeister für den Frieden erinnern damit an das Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs vom 8. Juli 1996 – zustande gekommen im Auftrag der Generalversammlung der Vereinten Nationen –, wonach der Einsatz von Atomwaffen, ja bereits die Androhung des Einsatzes gegen internationales Recht und gegen Vorschriften und Prinzipien des humanitären Völkerrechts verstößt.

Von Kiel im Norden, Jena im Osten bis Freiburg im wilden Süden, von der Landeshauptstadt Hannover bis in die Gemeinde Mögglingen wurden die Mayors for Peace-Flaggen gehisst oder ausgerollt.

Beim diesjährigen, kurzfristig angekündigten Flaggen-Tag beteiligten sich über 30 Städte an der Aktion. Das sind knapp 10 Prozent der deutschen Mitgliedsstädte. Jetzt gilt es die Idee im Rahmen der Aktionsphase der Kampagne, die unter dem Motto „Flagge zeigen“ steht, voranzutreiben, sodass es beim nächsten Mal nur 10 % sind, die nicht mit dabei sind.

Das wäre super, denn im nächsten Jahr sollten die Parteien in ihren Wahlprogrammen Flagge zeigen, für den Abzug der Atomwaffen, und die weltweite Abrüstung aller Atomwaffen statt ihrer Modernisierung.

Flagge zeigen heißt es nach der Wahl in den Koalitionsverhandlungen.Die Kampagnenziele sollen in der nächsten Koalitionsvereinbarung verankert werden.
Die wehenden Fahnen vor den Rathäusern mit Bürgermeistern aus allen Parteien waren dafür ein erster Schritt.

Wolfgang Schlupp-HaukWolfgang Schlupp-Hauck von der Pressehütte Mutlangen ist Sprecher der Kampagne atomwaffenfrei.jetzt, 2020 Campaigner der Bürgermeister für den Frieden

Sind Atomwaffen einfach out?

Flagge zeigen: Mayors for Peace„Vielleicht verdrängen die Leute das Thema Atomwaffen lieber?! Weil es ihnen zu große Angst macht, sich tatsächlich damit auseinanderzusetzen … “ „Oder es liegt daran, dass die Adressaten und Entscheider so wenig greifbar und so vielfältig sind. Nicht wie z.B. beim Thema Rüstungsexporte, wo die Verantwortlichkeit eindeutig bei der Bundesregierung liegt, gegen die man vorgehen kann. Gegen Atomwaffen zu kämpfen ist ein bisschen wie der berüchtigte Kampf gegen Windmühlen …“ „Ich könnte mir auch vorstellen, dass viele Leute einfach denken: Wird schon nichts passieren. Ist ja seit 1945 ‚gut gegangen‘. So blöd, tatsächlich noch mal eine Atombombe abzuwerfen, wird doch keine Regierung sein!“ „Ich glaube, es ist auch eine Frage des Zeitgeistes. Atomwaffen sind ein Relikt des Kalten Krieges. Und aus vielen Köpfen seit seinem Ende einfach verschwunden.“

Wir sitzen im Rathaus von Hannover bei unserem zweiten Kampagnenratstreffen dieses Jahr und diskutieren, woran es liegen könnte, dass das Thema Atomwaffen – obwohl die Bedrohung noch genauso real ist, wie zu Zeiten des Kalten Krieges – so wenig öffentliche Beachtung findet und z.B. die Pläne der US-Regierung die in Europa stationierten Waffen zu modernisieren kaum spürbaren Protest und Empörung hervorrufen.

Trotz vieler kleiner Erfolge und Aktionen seit Start der Kampagne – die erfolgreiche Tagung Friedenskultur, die Global Zero Radtour, die gute Medienresonanz zum Thema Banken und Investitionen in Atomwaffenproduzenten, einer wachsenden „Fangemeinde“ der Kampagne auf Facebook usf. –, macht sich doch das Gefühl breit, dass es ein sehr großer schwerer Stein ist, den wir mit unserer Kampagne ins Rollen bringen wollen.

Um auf neue Ideen zu kommen, schauen wir uns andere erfolgreiche Kampagnen an, listen verschiedene Punkte auf, und überlegen, ob und wie diese auf unsere Kampagnenarbeit übertragbar sind.

Nach diesen eher allgemeinen Überlegungen geht es dann daran, unsere nächste Aktion zu besprechen. Am 8. Juli 2012 heißt es in Kooperation mit den „Bürgermeistern für den Frieden“: „Flagge zeigen“. Vor vielen Rathäusern Deutschlands wird an diesem Tag die Fahne der „Mayors for Peace“ gehisst. Unter dem Motto „Städte sind keine Zielscheiben“ (Cities Are Not a Target) treten die Bürgermeister für den Frieden unter der Führung des Bürgermeisters von Hiroshima, Kazumi Matsui, für die Abschaffung der Atomwaffen und für den Abschluss eines internationalen Verbotsvertrages ein. Für die gemeinsame Aktion der Mitgliedsstädte und -gemeinden in Deutschland hat die 2020 Vision Campaign der Mayors for Peace eigens eine Flagge erstellt, die von den Mitgliedsstädten gegen einen Beitrag von 100,- Euro erworben werden kann. Als Kampagne „atomwaffenfrei.jetzt“ wollen wir den Flaggentag unterstützen und lokale Friedensgruppen und Aktivisten/innen mobilisieren, den Bürgermeistern an diesem Tag durch gemeinsame Veranstaltungen zur Seite zu stehen und mit ihnen „Flagge zu zeigen“ gegen Atomwaffen und für eine atomwaffenfreie Welt.

Folgende Städte und Gemeinde machen bereits mit (Stand: 15. Juni 2012): Bretten, Engen, Freiburg, Hannover, Kiel, Lohfelden, Mögglingen, Münster, Neustadt, Radeberg, Stuttgart und Wernau.

Samantha Staudte, Redakteurin von IPPNW-ForumSamantha Staudte (IPPNW) ist die Koordinatorin der Social Media für die Kampagne „atomwaffenfrei.jetzt“

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