Atomwaffenfrei? Nicht jetzt, aber bald!

Ostermarsch Büchel 2013, © Herbert Sauerwein

Drei Jahre lang hatte sich die Kampagne „atomwaffenfrei.jetzt“ intensiv für weitere atomare Abrüstung eingesetzt. Im Juni zogen wir bei einem sehr gut besuchten Treffen im Alten Feuerwehrhaus Köln Bilanz.

Was haben wir bewegt und was nicht?
Es ist uns gelungen, die Thematik Atomwaffen über drei Jahre hinweg beständig am Kochen zu halten, obwohl sich die Rahmenbedingungen seit Beginn der Kampagne im Mai 2012 merklich negativ verändert haben. Zwar wurde unsere Arbeit von einer Reihe problematischer Einflüsse sehr erschwert – die Ukrainekrise, eine Anti-Westerwelle-Stimmung in der neuen Bundesregierung, die Haltung der Großen Koalition, u.a.  -; trotz alldem wurden wir als Bewegung wahrgenommen. Unsere Kritik an der Modernisierung der Massenvernichtungswaffen und an der fehlenden Bereitschaft zu weiteren konkreten Abrüstungsschritten wurde regelmäßig abgefragt.

Durch unsere ständige Präsenz und den internationalen Austausch haben wir mit dazu beigetragen, dass die Initiative des Austrian Pledge (jetzt Humanitarian Pledge) zustande gekommen ist – nach drei Konferenzen zu humanitären Folgen in Norwegen, Mexiko und Österreich. Ein großer Erfolg, begleitet durch die Klage der Marshall-Inseln gegen alle Atomwaffenstaaten.

Zwar war es wichtig viel Kraft auf das Thema der Modernisierung von Atomwaffen zu verwenden und einem Verbotsvertrag durch die humanitäre Initiative etwas näher zu kommen, jedoch ist ein Abzug der letzten in Deutschland stationierten Atomwaffen immer noch nicht absehbar. Trotz entsprechender Beschlüsse und Vereinbarungen in der Koalitionsvereinbarung 2009 und im Bundestag 2010 scheint der Abzug noch weiter in die Ferne gerückt zu sein als vor drei Jahren.

Daher war es uns besonders wichtig, zum Schluss der Kampagne den Schwerpunkt auf Aktionen am und um das Atomwaffenlager Büchel zu legen, parallel zur Staatenkonferenz zum Atomwaffensperrvertrag in New York. Die Aktion „büchel 65“ in diesem Frühjahr war mehr als nur die konsequente Fortsetzung der 24-stündigen Musikblockade im Jahr 2013. Büchel wurde als Symbolort des Widerstands gestärkt, der Kreis der Anti-Atombewegung erweitert und die Kultur des zivilen Ungehorsams wieder neu belebt.

Das Netzwerk in der Eifel-Region und generell die regionale Verankerung in Rheinland-Pfalz wächst, obwohl direkt aus Büchel auch bei büchel65 nur wenige Leute teilnahmen. Bundesweit sind 31 Gruppen, die auch in ihren Heimatorten aktiv sind, von März bis Mai 2015 nach Büchel gereist und nahmen an der Blockade teil. Dabei ist der Protest über den kompletten Zeitraum strikt gewaltfrei geblieben und auch die Polizei hat sich respektvoll gegenüber den DemonstrantInnen verhalten. Allerdings war die Polizei generell bemüht, Prozessen aus dem Weg zu gehen. Die Kombination aus Vorgaben, Hinweisen und dem nötigen Freiraum für Aktionen kam gut bei den Gruppen an. Die zur gleichen Zeit stattfindende Ausstellung in Mainz hat auch großen Anklang gefunden.

Leider ist die bundesweite Presseresonanz auch zum Ende der Kampagne nicht wie erhofft ausgefallen. Regional war die Aktion jedoch des öfteren in den Medien zu finden. Vielfach hatten wir auch bei den Medien das Gefühl, dass die Atomwaffenfrage aus der Öffentlichkeit herausgehalten werde und der Zusammenhang der verschiedenen Aktionen (Büchel, Mainz und New York) ausgeblendet oder gar nicht verstanden wurde.

Was konnten wir ausbauen?
Die enge Zusammenarbeit mit den Mayors for Peace konnten wir vertiefen. Die Internetpräsenz in sozialen Netzwerken als auch auf eigenen Webseiten konnten wir deutlich ausbauen. Die Aktion „Atomwaffen – ein Bombengeschäft“, der Aufschwung bei ICAN, die Planungskonferenz zum 70. Jahrestag Hiroshima-Nagasaki  und die verbesserte Präsenz bei Veranstaltungen waren wichtige Bausteine, um die Bewegung für atomare Abrüstung in Deutschland auszubauen. Allerdings besteht noch weiter Potential, das wir nutzen müssen, um das oft so vernachlässigte Thema weiter voranzutreiben.

Von großer Bedeutung, auch für die Zukunft, sind die unter anderem seit 8 Jahren beständige Kerngruppe, die vertrauensvolle Zusammenarbeit und Kontinuität, sowie die wöchentlichen Telefonkonferenzen, welche die inner-organisatorische Zusammenarbeit verstärkt haben. Die Zusammenarbeit und das Netzwerk wurden erweitert und gestärkt. Außerdem wurde der beständige Finanzmangel gemeistert.

Was bleibt für die Zukunft?
Es geht mit großem Schwung weiter. Die Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki jähren sich 2015 zum 70. Mal. Diese Jahrestage erinnern uns daran, alles uns Mögliche zu tun, damit solche Tragödien sich nicht wiederholen.

So wichtig in diesem Jahr das Gedenken an die Verbrechen der Atombombenabwürfe 1945 ist, weit wichtiger ist es in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein zu schaffen, wie sehr die Uhr tickt. Symbol dafür sind die Doomsday Clock in New York, die im Januar 2015 um zwei Minuten vorgerückt wurde – von fünf vor auf nur drei Minutuen vor zwölf – sowie die vierwöchigen Verhandlungen zum Atomwaffensperrvertrag im Mai 2015 in New York.

Eine Vielzahl von Aktionsmöglichkeiten haben wir in diesem Zusammenhang entwickelt:

Wer mehr darüber informieren will, kann die Aktionsseite anschauen: www.hiroshima-nagasaki.info

Auch einen Blick über den Sommer hinaus haben wir schon gewagt. So erwägen wir derzeit eine Konzeption für eine neue Kampagne. Denn: Nachlassen zählt nicht! Im Oktober werden wir dazu einladen, da wir Eure Ideen und Kraft brauchen, um weiter machen zu können. Je mehr wir sind, desto mehr wird die teilweise extrem hohe Arbeitsbelastung der Aktiven reduziert. Eins haben wir gelernt: Eine Kampagne braucht viele Menschen, um Großes zu bewegen. In der Koordination brauchen wir Verstärkung, vor allem von Ehrenamtlichen. Ihr seid gefragt!

Roland Blach & Xanthe Hall

Interesse an Mitarbeit im Trägerkreis? Ruft uns an:
Kontakt: 0711-51885601

Die Bombe an Ihrer Seite

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Am 8. Mai sammeln sich Aktionäre der Commerzbank zur Jahresversammlung 2014 an der Frankfurter Messe. Jede Minute kommt ein Shuttlebus und wirft sein Publikum ab. Dort erwartet es allerdings erstmal 8 Friedens-Aktivisten, die ihm ein Transparent vorhalten mit der Aufschrift :„Commerzbank, die Bombe an Ihrer Seite“. Zuerst merklich verwirrt, denn es ist die Werbung der Commerzbank leicht verändert mit dem zum nachdenken anregendem Wort :„Bombe“ statt „Bank“.

Die Commerzbank ist die zweitgrößte Investorin in Atomwaffengeschäfte. Will ein Aktionär das hier jetzt wissen? Es wird unangenehm vor dem Messe-Eingang. Überraschung und Verärgerung vermischen sich unter den vorbeiziehenden Menschenmengen mit Neugier und dem Versuch einer neuen Sichtweise auf die Bank an ihrer Seite. Mit Flyern lassen sich noch mehr Inhalte vermitteln – es lohnt doch ein heimlicher Blick hinter die Geschäfte mit der Bombe. Gespräche kommen auf und Blicke weichen aus – ein interessantes Gemisch von Kontrasten füllt die Pausen bis der nächste Shuttlebus anströmt. Nun laufen eine Handvoll Jogger vorbei – mit einer Bombe an ihrer Seite – so wie im Werbespot er DFB (Deutsche Fußball-Bundesliga).

Ein Morgen voller Überraschungen und ein Schmunzeln kann sich so mancher doch nicht verkneifen…Kurz, knapp, klar und freudig! In der Versammlung wird Martin Hinrichs von ICAN in seiner Rede das Dunkel lichten.

Heidi Kassai ist Mitglied des Kampagnenrats „atomwaffenfrei.jetzt“