Trump, eine Fernsehsendung, Empörung und viele Ermutigungen

Aktivist*innen fordern die Abschaffung von Atomwaffen bei der Aktionskonferenz in Köln

Was waren das für Tage am vergangenen Wochenende. Voller hoher Erwartungen blickten wir am Donnerstag auf die bevorstehende Sendung im ARD-Magazin Panorama. Der Hauptbeitrag wurde ja auch mit Tamtam angekündigt: „US-Atombomben in Deutschland und Donald Trump“. Es klang vielversprechend, zumal Elke Koller vom Initiativkreis gegen Atomwaffen, die in der Nähe des Fliegerhorstes und Atomwaffenlagers Büchel wohnt, etliche Stunden beim Dreh dabei war. Und es begann auch nicht schlecht. Zum ersten Mal waren in einer Fernsehsendung Stimmen aus Büchel zu hören, die ihre Angst wegen den Atomwaffen zum Ausdruck gebracht hatten.

Was dann folgte, wurde immer unheimlicher immer unglaublicher. Und am Ende des Beitrags kam das große Erwachen, die in dem Satz der Moderatorin Anja Reschke gipfelte: „Hat Panorama eben eine deutsche Atombombe zur Debatte gestellt?“ Doch wir waren bestens vorbereitet. Im Chatroom tauchten sich Xanthe (IPPNW), Marvin (Netzwerk Friedenskooperative) und ich wie schon tagsüber blitzschnell aus. Genauso schnell war mein Kommentar auf der Facebook-Seite von Panorama „Was für ein wüster Beitrag. Die Bejahung der Abschreckung, die Verteufelung Russlands und der Wunsch nach einer europäischen gar deutschen Atombombe. Das hat mit objektivem Journalismus nichts zu tun. Kein Hinweis auf die Verhandlungen für ein Atomwaffenverbot ab März. Kein Aktivist, kein Friedensforscher war zu hören, der diesen Namen auch verdient. Schlimm. Wir werden alles dafür tun dass alle Atomwaffen vernichtet werden. Egal wo. Macht mit: www.atomwaffenfrei.de. Ich erwarte eine Klarstellung in der nächsten Sendung.“ Ja genau. Elke Koller war trotz stundenlanger Begleitung nicht zu hören oder zu sehen gewesen.

Viele schlossen sich den Kommentierungen an, hatten ähnliche Emotionen. Der Ärger hatte ein Ventil gefunden. Verbunden mit dem Hinweis auf unsere gerade laufende Unterschriftenliste „Taten statt leerer Worte“, für die wir am Nachmittag hoffnungsfroh einen bezahlten Facebook-Post vorbereitet hatten. Bis zum nächsten Morgen ging die Diskussion munter weiter. Und beim offenen Kampagnentreffen am Freitag, 3.2., in Köln konnten wir uns zu mehr als einem Dutzend Aktivisten darüber austauschen. In der Zwischenzeit hatte Xanthe von der IPPNW eine Pressemitteilung veröffentlicht, die zu einem heftigen Meinungsaustausch zunächst mit dem hauptverantwortlichen Redakteur und bis in die Nacht auf Samstag mit Ulrich Kühn vom Carnegie-Institut geführt hat.

Xanthe nahm diese lange Debatte zum Anlass ihres wunderbaren inhaltlichen Einstiegs zur – mit fast 50 Personen gut besuchten – Aktionskonferenz „Verbot statt Aufrüstung von Atomwaffen“ an der Karl-Rahner-Akademie in Köln. Einer katholischen Einrichtung. Da durfte natürlich das Papst-Zitat nicht fehlen, das auf einem schönen Banner (von Rainer in Auftrag gegeben. Das Motiv fand zuvor in Facebook eine gute Verbreitung) schräg hinter den RednerInnen angebracht war. Während Xanthe von der Erfolgsgeschichte berichtete, die zu den Verhandlungen für ein Verbot von Atomwaffen ab März führte, bekam der Text „atomare Abschreckung“ bereits einen Knick. Als sie kurz darauf skandalisierte, dass Deutschland auf Geheiß von Außenminister Steinmeier den Verhandlungen fernbleiben würde, sank das Papst-Banner zu Boden.

Im Laufe des weiteren Tages blieb das Banner komplett hängen – während die verschiedenen Aktivitäten zunächst von Philipp (Netzwerk Friedenskooperative), Wolfgang (Pressehütte Mutlangen) und Marion (DFG-VK/GAAA) vorgestellt und diskutiert wurden, zwei Arbeitsgruppen im Raum tagten und zum Schluss sich alle Arbeitsgruppen vorstellten.

So war nach gut sechs Stunden eine schwungvolle Aktionskonferenz mit vielen tollen kreativen Ideen und Impulsen zu Ende gegangen. Und es wurde vernetzt was das Zeug hält. Von Köln bis nach Brandenburg, von Hamburg bis Bayern wird jetzt informiert und mobilisiert. Und dabei ganz besonders für den Start der Aktionspräsenz am 26. März in Büchel, einer größeren Aktion dort am Tag danach sowie der bundesweiten dezentralen Aktionswoche von 27.-31. März in möglichst vielen Mayors for Peace Städten – zeitgleich zum ersten Teil der Verhandlungen in New York.

Zeitgleich beschäftigte sich die Autorin Sibylle Berg in ihrer wöchentlichen Kolumne für den „Spiegel“ mit dem Thema. Marvin schrieb dazu: „Die Bedrohung, die von Atomwaffen ausgeht, scheint allmählich wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.“ Er zitiert Sibylle Berg: „Im Westen haben gerade viele Leute Angst vor dem Islam, dabei gibt es viele größere Gefahren für unser aller Leben: Hat Donald Trump das Köfferchen mit den Codes für seine Atomraketen eigentlich immer dabei?“

Wie ermutigend, dass Hermann Theisen just am Montag danach in seinem Verfahren für seine Aufrufe zum Whistleblowing vom Amtsgericht Cochem freigesprochen wurde. Wie ermutigend, dass wir durch die ganzen öffentlichen Diskussionen mehrere Zehntausend Menschen erreichten und mehrere Hundert Menschen online bei unserer Unterschriftenaktion mitmachten. Und schließlich war es für mich persönlich ermutigend, dass mein Facebook-Kommentar in Panorama zum mit Abstand beliebtesten avancierte.

Wir sehen uns in Büchel.

Roland Blach koordiniert die Kampagne „Büchel ist überall a- atomwaffenfrei.jetzt“ und ist Geschäftsführer der DFG-VK Baden-Württemberg

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