Show-Veranstaltung Nichtverbreitungsvertrag: Keep cool und gönn‘ dir ein Bier

its a trap

Eine Stimmung wie auf der Titanic: Während ein paar Staaten dabei sind, das Abschussdokument (sorry, vertippt –  meinte: Abschlussdokument) des Nichtverbreitungsvertrags zu zerfleddern, reagiert die Zivilgesellschaft mit Sarkasmus. Und wartet. 

Immerhin haben wir etwas zum Lachen, während wir auf das zusammengestöpselte Ergebnis aus den Main Committees eins bis drei warten. Der Entwurf aus dem MC I machte heute früh schon die Runde. Die Nichtregierungsorganisation Reaching Critical Will, die uns zivilgesellschaftliche Vertreter seit geschlagenen vier Wochen unermüdlich und zuverlässig jeden Morgen mit allen relevanten Infos versorgt, nimmt den Text auf Twitter Paragraph für Paragraph auseinander – step by step quasi, haha.

Richard Lennane alias Wildfire, unsere Lieblings-Ein-Mann-NGO kommentiert den abrüstungsbefreiten Entwurf so:

Wildfire well balanced

Recht hat er. Das meiste, was ein bisschen nach humanitärer Initiative klingt, oder danach, dass nukleare Detonationen irgendwie schon, sagen wir, vernichtend sind – has disappeared. 

Weiß der Himmel, was die Delegationen die ganze Nacht in der algerischen Botschaft gemacht haben, in die sie die Vorsitzende der Konferenz, Taous Feroukhi, in all ihrer Verzweiflung eingeladen hat, weil sie in der Plenarversammlung so gar nichts Positives zu berichten hatte. Für eine Happy-Hour-Session, weil in der UN abends die Verhandlungstische hochgeklappt werden. Am Ende musste der Vorsitzende des MC I seinen Entwurf selber schreiben, weil die Staaten sich nicht einigen konnten. Ray Acheson von Reaching Critical Will kommentierte nüchtern: „It is unacceptable – unless you love nuclear weapons“.

Auf der anderen Seite tut sich dafür etwas an der Front der Humanitarian Pledge (ehemals Austrian Pledge). Kurz bevor die Debatte um 17 Uhr weitergehen soll, steht der Zähler bei 99 Staaten, die Atomwaffen verbieten wollen. Die Nuklearmächte ignorieren weiterhin, dass 159 Staaten Mensch-Sein und Mensch-Erhalten überhaupt wichtiger finden als sich permanent gegenseitig abzuschrecken.

Abolition Now will die 100 voll machen und fordert auf Twitter Regierungen auf, zu unterzeichnen: „Who will be the lucky number 100 – @auswaertigesamt?“.

Ist aber nicht sehr wahrscheinlich, dass das Auswärtige Amt gerade dabei ist, sich österreichisch selbstzuverpflichten. Kürzlich noch etwas zerknittert im Vienna Café in der UN gesichtet, leisten die Delegierten vielleicht gerade dem Chair eines der Main Committees Gesellschaft, der sich in der Delegiertenlounge mittags erst mal ein Bier genehmigte, nachdem die Verhandlungen über das finale Dokument um fünf Stunden verschoben worden war.

Derweil übt sich die Zivilgesellschaft weiterhin in Geduld und macht sich so ihre eigenen Gedanken…

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Julia Berghofer ist freie Journalistin, studiert Politikwissenschaften in Hamburg und ist Mitglied bei ICAN

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1 Kommentar

  1. Gut getroffen. Es lebe der Galgenhumor!


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