Büchel 2014 – Erfolgreiches Widerstandscamp

8. August 2014, von 5:30 bis 8:45 Uhr blockierten Friedensaktivist_innen die beiden Hauptzufahrts-Tore des Atomwaffenstützpunktes Büchel. Hier am Lutzerather Tor mit Tripod. Foto: GAAA

Anknüpfend an die 24-Stunden-Musik-Blockade im letzten Jahr fand auch dieses Jahr neben dem Haupttor des einzigen deutschen Atomwaffenstützpunktes in Büchel (Eifel) ein zehntägiges Camp statt. Es  sollte die notwendige Infrastruktur bieten, damit verschiedene Gruppen vom 2.–11.8.2014 ihre eigenen Aktionen rund um die Gedenktage von Hiroshima und Nagasaki durchführen können.

Anlass für die diesjährigen Widerstandsaktionen gegen die Atomwaffen auf deutschem Boden ist die beschlossene Modernisierung der 180 US-Atomwaffen in Europa. Mit einer geringeren Sprengkraft, aber mit größerer Zielgenauigkeit, werden diese Atomwaffen militärisch einfacher einsetzbar sein. Im Grunde soll hier eine neue Generation von Atomwaffen stationiert werden. Deutschland muss dafür mit mehreren Millionen Euros seine Tornados, die diese Waffen im Ernstfall mithilfe deutsche Soldaten abwerfen sollen, umbauen lassen. Der auf breiter Basis im Deutschen Bundestag 2010 beschlossene bedingungslose Abzug wird somit von der Bundesregierung umgangen. Mit der derzeitigen Krise in der Ukraine und der zunehmenden Konfrontation mit Russland wird noch einmal die Brisanz dieser Entwicklung offensichtlich.

Die ersten Tage des Camps wurden genutzt, in der Umgebung und unmittelbar am Atomwaffenstützpunkt die Menschen über den Anlass der kommenden Aktionen aufzuklären. Die Friedensreiterinnen schwärmten mit ihren Pferden und Flyern aus, um die Menschen in der Umgebung nach den Gottesdiensten zu informieren. Sie trafen zum Teil auf  verhaltene Neugierde, zum Teil auf Abwehr. Der Atomwaffenstützpunkt ist der größte Arbeitgeber in dieser strukturschwachen Region.

Nach Vorbereitungen und Trainings begannen am 5.8. morgens um 5.30 Uhr an drei wichtigen Haupteinfahrtstoren die Blockaden. Etwa 30 Aktive beteiligten sich daran, u.a. auch Personen, die sich auf dreibeinigen Hochständen „gemütlich“ machten. Damit konnte das Einfahren von Fahrzeugen verhindert werden, es kam zu ersten längeren Staus. Die Beschäftigten mussten zu Fuß zu ihrem Arbeitsplatz laufen. Die Polizei ließ uns zunächst gewähren. Diese erste Blockade in diesem Jahr wurde dann nach einhelligen Beschluss aller Beteiligten auf insgesamt 30 Stunden verlängert und war die bisher am längsten dauernde Behinderungsaktion an diesem Ort. Sie endete am 6.8. um 12.30 Uhr. Am zweiten Morgen wurde sie an einem Tor für kurze Zeit geräumt, drei Personen wurden vorübergehend festgenommen. Am gleichen Tag wurde die in Konstanz begonnene Fastenaktion des Internationalen Versöhnungsbundes vor dem Haupttor fortgesetzt.

Am 6. und 7. 8. fanden im nahen Cochem, wo sich viele Touristen aufhielten, eine  öffentlichkeitswirksame Brückenaktionen statt. Mit einem weit sichtbaren Transparent über der Mosel, „Ferienland Cochem – Atomwaffenfrei“ wurde auf die von den meisten Feriengästen unbemerkte Gefahr hingewiesen.

Am 8.8. bekamen wir  Verstärkung von Mitgliedern der Gruppe „Sortier du Nucleaire“ aus Frankreich, die die Atomwaffengefahr als grenzüberschreitendes Problem noch einmal unterstrichen. Allerdings wurde diese Blockade für den einfahrenden Morgenverkehr recht bald von der Polizei geräumt, so dass diese Aktion nach 2 ½ Stunden aufgegeben wurde.

Am 9.8. fand dann zum Zeitpunkt des Atomwaffenabwurfs über Nagasaki das offizielle Ende der diesjährigen Fastenaktion statt. Es wurde mit einem gemeinsamen köstlichen Mal begangen. Dazu spielte eine Gruppe der Lebenslaute. Zwei Politiker besuchten zu diesem Anlass das Camp. Die diesjährigen Aktionen endeten mit einem fulminanten Konzert vor dem Haupttor, das die Lebenslaute und einige andere Musiker vor etwa 50 Zuhörern, auch aus der Region, gaben. Eine Frau, die in der Nähe des Atomwaffenstützpunktes Büchel wohnt, war so beeindruckt, dass sie sich vornahm, intensiv Menschen aus der Region für die nächsten Aktionen zu mobilisieren.

Mit dem diesjährigen Aktionscamp sind wir einen Schritt weiter gekommen, Büchel zum sichtbaren Symbolort für die Atomwaffengefahr in Deutschland zu machen. Ganz unterschiedliche Gruppen mit sehr unterschiedlichen Aktivitäten konnten über eine Woche lang in gegenseitig ergänzender Weise auf die Brisanz des Themas aufmerksam machen, ohne sich gegenseitig zu behindern. Es war ein gelungener Probelauf für die geplante Dauerpräsenz Büchel 65 im nächsten Jahr. Vom 26. März, dem Tag des denkwürdigen Bundestagsbeschlusses 2010 bis Ende Mai (Abschluss der nächsten NPT-Runde in New York) wollen wir über 65 Tage lang vor Ort unsere widerständige Dauerpräsenz zeigen und laden jetzt schon Gruppen ein, mit der Anwesenheit von ein, zwei drei oder mehr Tagen diesen Widerstand zu verbreitern und den Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen, endlich den Bundestagsbeschluss auch umzusetzen. Sollten sich Regionalgruppen, IPPNW-Mitglieder mit ihren kommunalen Friedensgruppen oder einzelne Mitglieder Interesse haben daran teilzunehmen, können sie sich gerne an mich wenden. Für die IPPNW würde ich die Aktivitäten koordinieren. Weitere Informationen kann man über die Homepage buechel-atomwaffenfrei.de bekommen.

Iskenius-Ernst-ludwig_300dpi-swErnst-Ludwig Iskenius ist Arzt und Mitglied der IPPNW Deutschland

Bild oben: 8. August 2014, von 5:30 bis 8:45 Uhr blockierten Friedensaktivist_innen die beiden Hauptzufahrts-Tore des Atomwaffenstützpunktes Büchel. Hier am Lutzerather Tor mit Tripod. Foto: GAAA

Vielfältige Veranstaltungen und Aktionen zum Hiroshimatag 2014

Foto: Xanthe Hall / IPPNW

Am Mittwoch, den 6. August, fand, 69 Jahre nach den verheerenden Atombombenangriffen auf Hiroshima und Nagasaki, der Hiroshimatag 2014 mit bundesweit mehr als 60 Veranstaltungen statt. Dabei gab es Veranstaltungen unterschiedlichster Art; so wurde den Opfern von Hiroshima und Nagasaki in Neustadt mit der andächtigen „Nacht der 100.000 Kerzen“ gedacht. Am Fliegerhorst Büchel (Eifel) fand hingegen ein mehrtägiges Protestcamp zur Blockade des dortigen Atomwaffenlagers, wo immer noch 20 US-Atomwaffen stationiert sind, statt.

Auch in Bonn fand, wie jedes Jahr seit 1984, eine Gedenkveranstaltung am Beueler Rheinufer statt, an der mehr als 70 BonnerInnen teilnahmen. Robert Nicoll von der Friedensinitiative Beuel hob hervor, dass im Krieg immer die Zivilbevölkerung leidet. So waren die Opfer von Hiroshima und Nagasaki größtenteils Zivilisten. Mit Reinhard Limbach (CDU) nahm auch der erste Bürgermeister der Stadt Bonn teil. Er wies darauf hin, dass Bonn seit 2005 Mitglied des Bündnisses „Mayors for Peace“ ist. Die 1982 vom damaligen Bürgermeister von Hiroshima, Takeshi Araki, gegründete Initiative setzt sich für die Abschaffung aller Nuklearwaffen bis zum Jahr 2020 ein.

Doch dieses Ziel scheint zur Zeit in weiter Ferne. Weltweit existieren immer noch mehr als 20.000 atomare Sprengköpfe. Trotz gegenteiliger Absichtsbekundungen der Bundesregierung sollen die in Büchel stationierten Atomwaffen weiterhin dort verbleiben und 2017 sogar modernisiert werden. Umso wichtiger sind Veranstaltungen wie der Hiroshimatag, die die Aufmerksamkeit auf die Zerstörungsgewalt von Nuklearwaffen lenken. „Atomwaffen sind kein alter Hut. Sie sind eine Bedrohung für die Menschheit wie eh und je. Der Konflikt in der Ukraine, bei dem sich Russland und NATO scheinbar wie zu Zeiten des Kalten Krieges gegenüberstehen, gibt Anlass zu großer Sorge. Gleichzeitig werden Modernisierungspläne für Atomwaffen und Trägersysteme, sowie der Raketenabwehrschirm weiter vorangetrieben. All dies erhöht das Risiko eines Einsatzes oder eines Unfalls“, so Philipp Ingenleuf vom Netzwerk Friedenskooperative und der Kampagne atomwaffenfrei.jetzt.

Der Friedensbeauftragte der EKD, Renke Brahms, fordert ebenfalls die Ächtung der Atomwaffen. „Die Opfer der beiden Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki müssen uns immer eine Mahnung sein, damit solch schreckliche Waffen geächtet werden“, so Brahms. Die noch heute spürbaren Folgen der Angriffe zeigen, wie wichtig ein Eintreten für die Ziele von atomwaffenfrei.jetzt ist. Es darf keine Modernisierung der existierenden Atomwaffen geben, die in Büchel stationierten Atomsprengköpfe müssen abgezogen werden und schlussendlich müssen alle Atomwaffen weltweit verboten und zerstört werden.

Eine Übersicht über alle Veranstaltungen zum Hiroshimatag findet sich hier

 

 

Fotos vom Hiroshimatag in Bonn:

Created with flickr slideshow.

Nils Biermann ist derzeit Praktikant beim Netzwerk Friedenskooperative in Bonn und hat u.a. die Termindatenbank des Netzwerks zum Hiroshimatag betreut und gepflegt. Er studiert English Studies sowie Politik und Gesellschaft an der Universität Bonn.

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