Friedensbotschaften für alle Ohren und Sinne

Foto: Angelika Wilmen / IPPNW

Am „Interreligiösen Tor“ sind Buddhisten und Christen vertreten. Zum Auftakt spielt die japanische Trommelgruppe“ Kokuryo Daiko“.  Abwechselnde Gebete beider Religionen finden während der 24-Stunden-Musikblockade in regelmäßigen Abständen statt. Beate und Matthias Engelke von der evangelischen Kirche verteilen schon seit 5.8. täglich Briefe an Soldaten, um sie von der Möglichkeit in Kenntnis zu setzen, sich dem Befehl mit dem Umgang atomarer Waffen zu verweigern – so auch hier an unserem Tor.  Heidi Kassai stellt die buddhistische Gemeinschaft Soka Gakkai International (werteschaffende Gesellschaft, weltweit in 192 Ländern vertreten) vor und erzählt von dessen ehemaligem 2. Präsidenten Josei Toda, der mit seinem Appell im Nachkriegs-Japan zur sofortigen Abschaffung aller Atomwaffen aufrief. Seither arbeitet die Gemeinschaft auf internationaler Ebene für dieses  Ziel. In einem Zelt haben die Besucher die Gelegenheit die Ausstellung:   „Everything You Treasure – For a World Free From Nuclear Weapons“ (von SGI in Zusammenarbeit mit ICAN) zu besichtigen, ein Film mit Zeitzeugen-Berichten der Überlebenden der Hiroshima-Bombe zu sehen und in Büchern und Infomaterial zum Thema zu blättern.

Chor Parallel Daneben Foto: Ali NehringDie Musik und das Spirituelle spielen die Hauptrolle und machen dem Motto „Rhythm beats Bombs“ alle Ehre! Ein buntes Programm aus allen Musikrichtungen (Chor : „Parallel daneben“, Stefan Charisius, Blue Flower, Rob Longstaff,  „Die Üblichen Verdächtigen“, Matthaeus Huth), Performances (Ali Kareem spielt maskiert mit einer Gasmaske die Rede von Barack Obama 2009 pantomimisch nach), Filme (Zeitzeugenberichte), Workshops (Dr. Christine Schweitzer) sorgen für belebende und unmissverständliche Friedensbotschaften. Alle Ohren nehmen diese Botschaften auf :  die der Polizei, der Soldaten und der Friedensaktivisten gleichermaßen! Zwischendurch befestigen Soldaten Stacheldraht am Tor. Es ist eine atemberaubende Situation, hier vor Stacheldrahtzäunen und Soldaten an der Start- und Landebahn der Düsen-Jets ein musikalisches und ein religiöses Gegenzeichen zu setzen. Musik ist so ein kraftvolles Instrument für den Frieden : Menschen, ganz gleich, ob sie Soldaten oder Zivilisten sind, verstehen diese Sprache.  Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich ganz besonders bei den Musikern und Kunstschaffenden bedanken, die ohne jeden Zuschuss angereist sind, um hier zu spielen !

Um zu verdeutlichen, was Musik und Kunst zu bewegen vermag, möchte ich eine kleine Geschichte erzählen : Stefan Charisius spielt bezaubernde Klänge auf seiner Kora während seine 5 AssistentInnen eine flexible Puppe bewegen. Diese Puppe tanzt zur Musik, setzt sich zu den Zuhörern und teilt das von Rampenplan angelieferte Abendessen. Plötzlich steigt sie über den Stacheldraht-Zaun, um Kontakt zu den Soldaten aufzunehmen. Die Soldaten können ja keine Puppe bestrafen. Also machen sie irgendwie mit. Dann springt die Puppe auf das Polizeiauto in der Nähe und beginnt auf dem Autodach zu tanzen. Der Polizist, der im Auto sitzt nimmt die Lichtsirene in Betrieb, um die tanzende Puppe zu begleiten! Die Musik und die Puppe erreichen die Herzen der Polizei, der Soldaten und der Demonstranten. Es hat eine unglaubliche Wirkung. Alle lachen.

9491525263_1c773f03dd_oDie Nacht über blockieren 9 Menschen auf Strohsäcken und in Schlafsäcken und Decken gehüllt das Tor 2 und bewundern einen Sternenhimmel, wie es ihn so schnell nicht noch einmal gibt: Über und über mit Sternschnuuppen übersät. Viele Gespräche lassen die Zeit wie im Flug vergehen. Kurz nach Mitternacht werden die Blockierenden von der Aktionsküche Rampenplan köstlich versorgt: So schön und abwechslungsreich kann blockieren sein. Erst recht mit der Musik am Morgen wurde greifbar: Die Fülle des Lebens ist hier – und nicht bei den Atombomben.

Am Montag  wird unser wunderschönes Musikprogramm, bei der wir teilweise zum mitsingen eingeladen sind, jäh durch vier Bombenjets gestört, die mit ohrenbetäubendem Lärm nicht weit von unserem Tor starten. Als sei es eine Machtbotschaft, Bombenflieger seien stärker als Instrumente, greifen sie akustisch ein. Davon lassen wir uns aber nicht beirren – einen Geist des Friedens kann man sowieso nicht brechen.

Für das Tor 2 : Beate und Mathias Engelke, Heidi Kassai

Weitere Fotos von der Blockade und Mahnwache am Tor 2

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