Der Mann, der die Welt rettete

wargames

Millionen sind tot. Die gesellschaftliche Ordnung bricht zusammen, die Menschen leiden unter Verbrennungen, Verletzungen und akuter Strahlenkrankheit. Medizinische Versorgung fehlt. Es gibt Hunger und Gewalt. Es kommt zu Plünderungen und blutigen Auseinandersetzungen unter der Zivilbevölkerung. Ein fiktives Szenario, aber eines das während des Kalten Krieges 1983 hätte Wirklichkeit werden können.

Am 26. September 1983 wurde in der Kommandozentrale der sowjetischen Satellitenüberwachung ein Angriff der USA mit nuklearen Interkontinentalraketen gemeldet. Oberstleutnant Stanislaw Petrow geht als Mann in die Geschichte ein, der den roten Knopf hätte drücken können, es aber nie tat und dadurch den Dritten Weltkrieg verhinderte. Er war diensthabender Offizier im Serpuchow-15- Bunker und sollte im Falle eines nuklearen Angriffes auf die UdSSR einen sofortigen nuklearen Gegenschlag anordnen.

Die USA und die UdSSR befanden sich im Kalten Krieg. Der Konflikt zwischen den Atommächten des Westens unter der Führung der USA und dem Ostblock unter der Führung der Sowjetunion gipfelte in einem permanenten Wettrüsten, die Situation war angespannt, jedoch kam es nie zu einer direkten militärischen Konfrontation.

Bereits um 1980 herum hatten sowohl die USA als auch die UdSSR ein Vielfaches der zur Vernichtung der Gegner erforderlichen nuklearen Zerstörungskraft angehäuft. Im Falle eines gegnerischen Erstschlags war auf beiden Seiten eine absolute Vergeltung, also eine totale Vernichtung des Angreifers, angestrebt. Mit automatischen Frühwarnsystemen sollten aufkommende Gefahren möglichst schnell erkannt werden und bei einer rechtzeitigen und umfassenden Reaktion helfen.

Gegen Mitternacht am 26. September meldete der Computer, dessen Verlässlichkeit bereits mehrfach in Frage gestellt wurde, einen Angriff der USA. Petrow stufte jedoch diesen als unwahrscheinlich ein, da es sich zunächst nur um eine einzelne abgefeuerte Rakete handelte. Deswegen meldete Petrow der Militärführung einen Fehlalarm. Kurz darauf meldete das Computersystem vier weitere abgefeuerte Raketen, Stanislaw Petrow glaubte trotz fehlender Beweise weiterhin an einen Fehlalarm, da eine tatsächlicher Angriff seiner Meinung nach mit deutlich mehr Raketen ausgeführt worden wäre. Mit der Einstufung der Satellitenwarnung als Falschmeldung riskierte er eine massive Einschränkung der eigenen Handlungsoption.

Am Morgen stellte sich heraus, dass das Frühwarnsystem Sonnenreflexionen auf Wolken in der Nähe einer Interkontinentalraketen-Station in Montana als Raketenstart fehlinterpretiert hatte.

Mit Selbstbewusstsein, Ruhe und Vernunft hat Petrow eine Kettenreaktion unterbrochen und somit einen drohenden Nuklearkrieg verhindert, dessen Folgen katastrophal gewesen wären. Des Weiteren muss dieses Ereignis als Signal dafür gesehen werden ,dass die vollständige Abschaffung von Atomwaffen dringlich und unabdingbar ist.

Blogbild HannaHanna Punken ist Praktikantin bei IPPNW

Besucht Büchel, solange es dort politische Aktionen gibt

Ein politischer Familienurlaub in der Eifel.
Eine etwas zur Ruhe gekommene AktivistInnenfamilie mischt wieder mit.

Foto: Ali Nehring

Manche Dinge erscheinen dem sogenannten Menschenverstand immer wieder unerträglich. Zurzeit sind es die NPD-Plakate, die blond und deutsch von den Straßenlaternen zu uns herab starren. Es ist das weltweite Morden unserer westlichen Herrschaftskaste, das Jean Ziegler, der frühere Sonderberichterstatter für Nahrung der UN in seinem neuen Buch „Wir lassen sie verhungern“ skandalisiert. Und nicht zuletzt sind es die 20 Atomwaffen, die völkerrechtswidrig in Büchel lagern, damit sie durch deutsche Piloten zu ihren Zielen gebracht werden können. Wir wollen aufstehen gegen Rüstungswahnsinn, gegen Atombomben in Deutschland, die von unseren Steuern durch die Luft geflogen werden. Atombomben, von der jede einzelne mehr Sprengkraft hat, als die Bombe von Hiroshima.

Kleinfamilie
Ganz klassisch: Eine Kleinfamilie fährt in die Ferien. Sigrid und Hops (48 Jahre), Ronja (17) und Jaro (12). Wir sind alle selbst etwas überrascht, dass wir als ganze Familie zusammen nach Büchel fahren. Aber das Ziel ist klar: Eine totbringende und unvertretbare  Umgebung zu einer menschenfreundlichen und lebenswerten Welt zu machen. Alle Augen für die Fehler zu öffnen und kleine Schritte in die richtige Richtung zu gehen. In Richtung einer Zukunft, in der alle Menschen leben können. Ein guter Plan für einen Urlaub.

Ankunft im Friedenscamp
Bunte Zelte. Pacefahnen. Lagerfeuer. Überall Musik. Ronja hat in Windeseile ihre eigene Bezugsgruppe gefunden. Engagiert entscheiden sie sich dort zu blockieren, wo noch Unterstützung gebraucht wird. Jetzt brauchen wir aber eine Rechtsberatung. Was passiert, wenn Minderjährige ohne ihre Erziehungsberechtigten bei einer Blockade von der Polizei aufgegriffen werden? Kommen sie unter die Obhut des Jugendamts? Was passiert mit Eltern, die ihre Kinder nicht unter Kontrolle haben und ihre Kinder an illegalen politischen Friedensaktionen teilnehmen lassen? Kriegen die das Sorgerecht entzogen? Ronja hält das alles für Unsinn. Es ist wichtig hier zu sein! Egal was da die Konsequenzen sind. Wir entscheiden uns. Ronja zieht mit ihrer Bezugsgruppe und die Eltern werden mit Ronja im SMS-Kontakt  bleiben. Wir, Sigrid, Jaro und Hops wollen am Haupttor bleiben.

Luxusblockade?
Foto: Marvin MendykaDas Haupttor, na ja, fast könnte es peinlich sein, gerade am Haupttor zu blockieren. Wir, etwa 25 BlockiererInnen, dazu viele UnterstützerInnen haben hier einfach alles, was mensch braucht. Hier gibt es Musik und Beiträge nonstop und fast ohne Ende. Rampenplan, um die Ecke, versorgt uns mit veganem Bioessen, Kaffee und Tee inklusive. Nachmittags kommen niederländische AktivistInnen als Meisjes verkleidet in Tracht mit Häubchen und servieren uns echten Gouda. Es fällt der Begriff „Luxusblockade“ … Und dann das Kulturprogramm: Die Musik von Bandbreite und Blue Flower kann unterschiedlicher nicht sein. Klaus der Geiger spielt für uns, Rob Longstaff bringt uns den Blues, aber den kriegen Guaia Guaia und Wareika wieder weg. Viele Dank an euch alle: Franziska, Parallel Daneben mit Matthäus (wir hoffen, ihr habt es nicht bereut), Kokuryo-Daiko mit ihrem Power und Die üblichen Verdächtigen. Nicht zu vergessen die Lebenslaute …
Am Haupttor blockieren auch Niederländerinnen. Frauen, die wissen was sie wollen: „Atomwaffen auf wiederschnitzel“ steht auf ihren T-Shirts. Eine Botschaft, die uns Deutsche den Atomwaffenabzug schmackhaft machen soll. Dann noch Johanna, Eva, Dagmar und Kornelia aus unserer Bezugsgruppe, die einfach nicht aufgeben und für eine bessere Welt eintreten. Im laufe des Tage wächst unsere Bezugsgruppe immer mehr an. Männer und Frauen aus Nord und Süd, Ost und West, bunt wie eine Pacefahne.

Verzaubert
Foto: IKV pax christiAls es Nacht wird, alle die blockieren wollen, mit Strohsäcken und Plastikplanen ausgestattet sind, passiert noch etwas ganz wunderbares: Unter den Klängen einer afrikanischen Harfe, die den unter den Sternen liegenden Platz vor dem Haupttor unter eine märchenhafte Sphäre setzt, erscheint aus der Dunkelheit ein riesiges Geschöpf. Kopf, Arme, Beine  und Rumpf, wie ein Mensch. Weiß, strahlend, sich zu den bezaubernden Klängen der Harfe bewegend. Die riesige Dundu-Puppe wird von fünf Menschen bewegt. Sie vereint eine Zartheit, mit der sie Kindern begegnet, sie freundlich streichelt, ein Polizeiauto umarmt, mit einer Kraft, mit der sie das Atomwaffenlager betritt, dass mensch meint, sie könne einfach mal die 20 Atombomben aus ihren Bunkern holen. Es ist ein rührendes Schauspiel, ein Stück authentischer Kunst, das dankbar werden lässt einmal zur richtigen Zeit am rechten Platz zu sein. Vielen Dank Dundu-Team und Stefan Charisius.
Die Nacht ist kalt und feucht, das Vorbereitungsteam hat Planen bereitgestellt, unter den sich die blockierenden Menschen vor dem Tau schützen können. Wer wach bleibt, wird mit einem himmlischen Sternschnuppenspektakel belohnt. Am Zaun hinter uns bewegen sich Transparente und niederländische Fahnen raschelnd im Wind. Gerd schnarcht leise im Schlaf. Auf dem Atomwaffengelände fährt ab und zu ein Fahrzeug vorbei.  Es ist friedlich hier. Fast vergessen die totbringenden Atombomben hinter dem Zaun …

Morgengrauen, 4.45 Uhr
Foto: Ali NehringDie SprecherInnen der Bezugsgruppen am Haupttor treffen sich zum SprecherInnenrat. Wer hat das alles erfunden? Vor Sonnenaufgang schon Konsensfinden? Wach werden soll ich. „Hey, ihr, wollt ihr mit mir das Schüttelspiel spielen?…“  zwischen verpappten Augenlidern hindurch erkenne ich, dass es ein Mensch sein muss, der uns SprecherInnen so etwas fragt. Tatsächlich fangen auch ein paar an ,sich zu „unten links, schüttel, schüttel“  den Schlaf zu vertreiben. Dann gibt es einen Lagebericht, was alles an den anderen Toren in der Nacht passiert ist. Uff! Das ist schon eher Aktivurlaub.
Friedrich erscheint gegen 5.00 Uhr mit einem Dixi-Klo auf der Sackkarre. Für die BlockiererInnen. Später kommt er mit noch warmen Brötchen und der frischen Tageszeitung.  Was für Menschen um uns herum! Es ist irgendwann nach sechs Uhr. Es sickert durch, dass Busladungen von Bundeswehrsoldaten zu Fuß durch ein Tor ins Gelände geschleust wurden. Fahrzeuge konnten aber nicht hinein.  Wir lassen uns nicht entmutigen. SMS von Ronja. Sie hat die Nacht an Tor 1 überstanden. Später erzählt sie von ihren Erfahrungen:

Wir wollten da sein wo wir gebraucht wurden. In Büchel. Und dann an Tor eins. Die Gemeinschaft und das gemeinsame Ziel, das allen Kraft gegeben hat, hat mich sehr beeindruckt. So verschiedene Menschen! Alle Richtungen an DemonstrantInnen sind da. AntifaschistInnen. Ökos. Religiös motivierte.  SystmkritikerInnen. FemministInnen. Castorblockierende. Sie alle sind vereint als Friedensleute! Das war hier sehr besonders. Ein breites Bündnis  mit einem gemeinsamen Ziel. Unsere Gruppe war sich von vornherein einig. Wir würden uns innerhalb der nächsten 24 Stunden nicht mehr bewegen (lassen). Mit riesiger Unterstützung war das eine leichte Aufgabe. Wir wurden mit allem umsorgt! MusikerInnen kamen zu uns und spielten. Wir bekamen Essen und Tee sogar mitten in der Nacht. Viel wunderbare Stimmung. Auch Frustration, als am nächsten Morgen die Übungsflüge wieder losgingen breitete sich der Protest in Wellen am Zaun aus. Für jeden Start fliegt so viel Geld in die Luft. Geld, das heilen könnte. Geld, das glücklich machen könnte. Das Hunger stillen könnte. Es fliegt in die Luft ,um später besser viele Menschen, die natürlich alle „böse Menschen“ sind, effizienter töten zu können. Da steigen mir Tränen in die Augen! Diese Gewalt, die ich spürte als die Flieger abhoben, macht mir Angst. Sollte allen Menschen Angst machen!

Was gut tut
Die Bomben hinter uns sind nur ein kleiner Teil des Arsenals auf unserer Erde, außer Landes gibt es so viele, dass man damit unseren ganzen Planeten zerstören kann. Und doch können wir diese Bedrohung nur bekämpfen, wenn wir vor der eigenen Haustür anfangen! Zu der Hoffnungslosigkeit die uns begegnet, tut es gut anderen AktivistInnen zu begegnen, MusikerInnen der Lebenslaute und anderen zuzuhören, tut es gut Menschen zu treffen, die ihre Energie für das Leben und die Hoffnung einsetzen. Es tut gut, sich an Menschen zu erinnern, die sich vor uns eingesetzt haben, für die Wahrheit, die Erinnerung, und das Leben aller Lebenden!

Uns hat Büchel Kraft gegeben. Wir sind wehrhaft. Und wir leben auf die Zeit hin, wo niemand mehr seinen Kopf in den Sand steckt, um Mörder zu legalisieren und in Schutz zu nehmen. Und wo alle in einer guten und glücklichen Welt leben können.
Nie wieder Hiroshima! Kein Geld für Modernisierung von Atomsprengkörpern! Erinnert euch! Löst Konflikte miteinander! Teilt was ihr habt! Setzt euch ein!

Danke an das Vorbereitungsteam! Danke an die Aktionsunterstützung! Es war großartig! Falls die Bomben nicht abgezogen werden, kommen wir wieder!

Jaro, Ronja, Sigrid und Hops

Mehr Fotos von der Aktion am Haupttor

Tor 4: Zitate und Texte janz weit draußen

Foto: Jens Volle

Tor 4 ist die am weitesten – rund 6 km – vom Haupttor entfernte Zufahrt in den Fliegerhorst. Nur ein Feldweg führt von außen darauf zu, aber als wir BlockiererInnen am Sonntagmittag an unserem Aktionsort ankamen, wollte gerade ein Bundeswehr-Fahrzeug einfahren. Allerdings war das Tor mit einem Vorhängeschloss versehen – und der Schlüssel fehlte. Offenbar war ein Feldjäger losgeschickt worden, den Schlüssel zu holen. Als wir herankamen, fuhr der Fahrer so dicht vor das Tor, dass zwischen diesem und dem Fahrzeug kein Platz mehr für eine Sitzblockade war. Das entbehrte nicht einer gewissen Komik, denn die Flügel des Tores waren nur nach außen zu öffnen, also blockierte ein nicht zu blockierendes Fahrzeug ein eh schon verschlossenes Tor. Die Polizei, die schon vor uns am Ort des Geschehens eingetroffen war, fragte nun den Fahrer, ob er allen Ernstes hier einfahren wolle: „Das muss doch net sein, oder!?!“ Der Fahrer telefonierte kurz, setzte dann sein Gefährt zurück und entschwand. Innen verlegten daraufhin die Feldjäger ein paar Rollen Natodraht direkt hinter dem Tor – und der blieb dann dort liegen bis zum Aktionsende 22 Stunden später. Die ganze Zeit über beobachteten wir, ob sich an dem Zustand etwas ändern würde, aber es gab keinen weiteren Anlass zum Blockieren mehr.

Bis zum Abend waren wir 14 Leute in unserer Bezugsgruppe „Tölz“, in der Nacht und am Montag noch 9 Erwachsene und 2 Kinder. Das Motto unserer Mahnwache war „Zitate und Texte“, und so vertrieben wir uns die Zeit mit Vorlesen und Vortragen von Liedern, Gedichten und höchst bedenkenswerten Texten und Aussprüchen gegen Rüstung, gegen Militär und für Gewaltfreien Widerstand. Ein (beiläufiger) Höhepunkt für uns „weit da draußen“ war der Sternschnuppenhimmel, mehrere kleine Höhepunkte gab es, als Suppe und heißer Tee den Weg zu uns fanden, auch mitten in der Nacht – und den Tiefpunkt am Montag vormittag bekamen wir wohl am heftigsten zu spüren: als vier Tornado-Kampfbomber starteten und direkt über „unser“ Tor donnerten. Es gibt noch viel zu tun …

Martin Otto, Gewaltfreie Aktion Atomwaffen abschaffen (GAAA)

Fotos vom Tor 4

Meine Wahl: atomwaffenfrei.jetzt

meinewahlBei ARD und ZDF sitzen Sie in der ersten Reihe. Für die Themen Euro, Mindestlohn, Steuererhöhungen traf der gemeinsame Werbeslogan der beiden Fernsehanstalten  in den Wahlkampfduellen zwischen den KanzlerkandidatInnen einerseits und zwischen den Spitzenkandidaten der kleineren Parteien andererseits, voll zu.  Aber noch nicht einmal in der letzten Reihe saß ich als Zuschauer vorm Bildschirm, wenn es um die Themen Abrüstung, Waffenhandel und Atomwaffen ging. Egal ob Stefan Raab  oder Anne Will – weder die beiden noch all die anderen ModeratorInnen stellten diese Fragen. Ob Abrüstung, Waffenhandel und Atomwaffen überhaupt im möglichen Fragekanon auftauchten? Eher unwahrscheinlich.

Gut das wir selbst mit wenig Aufwand und ohne großes Casting Moderatoren und  Moderatorinnen sein können. Nicht im Fernsehen – aber bei abgeordnetenwatch.de.

Das Schlüsselwort – oder besser die Schlüsselzahl ist die eigene Postleitzahl. Nach dem Tippen meiner fünf Ziffern  tauchen die Direktkandidatinnen und Direktkandidaten meines Wahlkreises auf, die sich um meine Erststimme bei der Bundestagswahl bewerben. Dann ein Klick auf einen der Kandidatenprofile –  runterscrollen – und dann gibt es ein Eingabefeld für meine friedenspolitischen Fragen. Mal sehen, wie schnell die Antworten kommen.

Zum Thema Atomwaffen könnt ihr alle oder einige der folgenden Fragen mit eigenen Formulierungen stellen. (entweder Link oder die Fragen aufführen).

  • Werden Sie sich für den Abzug der Atomwaffen aus Büchel einsetzen?
  • Werden Sie sich dafür einsetzen, dass keine deutschen en Steuermittel für die Modernisierung von Atomwaffen ausgegeben werden?
  • Was möchten Sie tun, um den Beginn von Verhandlungen zu einem Vertrag zur Ächtung von Atomwaffen zu fördern?
  • Sind Sie bereit, Flagge zu zeigen und Abrüstungsbotschafter zu werden – durch ein Foto mit dem Transparent der Kampagne „atomwaffenfrei.jetzt“ und/oder ein Zitat auf deren Homepage?
  • Sind Sie bereit, dem Parlamentarischen Netzwerk für nukleare Abrüstung und Nichtverbreitung beizutreten?

Paul Russmann ist Sprecher der ökumenischen Aktion Ohne Rüstung Leben und lebt in Stuttgart.

Friedensbotschaften für alle Ohren und Sinne

Foto: Angelika Wilmen / IPPNW

Am „Interreligiösen Tor“ sind Buddhisten und Christen vertreten. Zum Auftakt spielt die japanische Trommelgruppe“ Kokuryo Daiko“.  Abwechselnde Gebete beider Religionen finden während der 24-Stunden-Musikblockade in regelmäßigen Abständen statt. Beate und Matthias Engelke von der evangelischen Kirche verteilen schon seit 5.8. täglich Briefe an Soldaten, um sie von der Möglichkeit in Kenntnis zu setzen, sich dem Befehl mit dem Umgang atomarer Waffen zu verweigern – so auch hier an unserem Tor.  Heidi Kassai stellt die buddhistische Gemeinschaft Soka Gakkai International (werteschaffende Gesellschaft, weltweit in 192 Ländern vertreten) vor und erzählt von dessen ehemaligem 2. Präsidenten Josei Toda, der mit seinem Appell im Nachkriegs-Japan zur sofortigen Abschaffung aller Atomwaffen aufrief. Seither arbeitet die Gemeinschaft auf internationaler Ebene für dieses  Ziel. In einem Zelt haben die Besucher die Gelegenheit die Ausstellung:   „Everything You Treasure – For a World Free From Nuclear Weapons“ (von SGI in Zusammenarbeit mit ICAN) zu besichtigen, ein Film mit Zeitzeugen-Berichten der Überlebenden der Hiroshima-Bombe zu sehen und in Büchern und Infomaterial zum Thema zu blättern.

Chor Parallel Daneben Foto: Ali NehringDie Musik und das Spirituelle spielen die Hauptrolle und machen dem Motto „Rhythm beats Bombs“ alle Ehre! Ein buntes Programm aus allen Musikrichtungen (Chor : „Parallel daneben“, Stefan Charisius, Blue Flower, Rob Longstaff,  „Die Üblichen Verdächtigen“, Matthaeus Huth), Performances (Ali Kareem spielt maskiert mit einer Gasmaske die Rede von Barack Obama 2009 pantomimisch nach), Filme (Zeitzeugenberichte), Workshops (Dr. Christine Schweitzer) sorgen für belebende und unmissverständliche Friedensbotschaften. Alle Ohren nehmen diese Botschaften auf :  die der Polizei, der Soldaten und der Friedensaktivisten gleichermaßen! Zwischendurch befestigen Soldaten Stacheldraht am Tor. Es ist eine atemberaubende Situation, hier vor Stacheldrahtzäunen und Soldaten an der Start- und Landebahn der Düsen-Jets ein musikalisches und ein religiöses Gegenzeichen zu setzen. Musik ist so ein kraftvolles Instrument für den Frieden : Menschen, ganz gleich, ob sie Soldaten oder Zivilisten sind, verstehen diese Sprache.  Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich ganz besonders bei den Musikern und Kunstschaffenden bedanken, die ohne jeden Zuschuss angereist sind, um hier zu spielen !

Um zu verdeutlichen, was Musik und Kunst zu bewegen vermag, möchte ich eine kleine Geschichte erzählen : Stefan Charisius spielt bezaubernde Klänge auf seiner Kora während seine 5 AssistentInnen eine flexible Puppe bewegen. Diese Puppe tanzt zur Musik, setzt sich zu den Zuhörern und teilt das von Rampenplan angelieferte Abendessen. Plötzlich steigt sie über den Stacheldraht-Zaun, um Kontakt zu den Soldaten aufzunehmen. Die Soldaten können ja keine Puppe bestrafen. Also machen sie irgendwie mit. Dann springt die Puppe auf das Polizeiauto in der Nähe und beginnt auf dem Autodach zu tanzen. Der Polizist, der im Auto sitzt nimmt die Lichtsirene in Betrieb, um die tanzende Puppe zu begleiten! Die Musik und die Puppe erreichen die Herzen der Polizei, der Soldaten und der Demonstranten. Es hat eine unglaubliche Wirkung. Alle lachen.

9491525263_1c773f03dd_oDie Nacht über blockieren 9 Menschen auf Strohsäcken und in Schlafsäcken und Decken gehüllt das Tor 2 und bewundern einen Sternenhimmel, wie es ihn so schnell nicht noch einmal gibt: Über und über mit Sternschnuuppen übersät. Viele Gespräche lassen die Zeit wie im Flug vergehen. Kurz nach Mitternacht werden die Blockierenden von der Aktionsküche Rampenplan köstlich versorgt: So schön und abwechslungsreich kann blockieren sein. Erst recht mit der Musik am Morgen wurde greifbar: Die Fülle des Lebens ist hier – und nicht bei den Atombomben.

Am Montag  wird unser wunderschönes Musikprogramm, bei der wir teilweise zum mitsingen eingeladen sind, jäh durch vier Bombenjets gestört, die mit ohrenbetäubendem Lärm nicht weit von unserem Tor starten. Als sei es eine Machtbotschaft, Bombenflieger seien stärker als Instrumente, greifen sie akustisch ein. Davon lassen wir uns aber nicht beirren – einen Geist des Friedens kann man sowieso nicht brechen.

Für das Tor 2 : Beate und Mathias Engelke, Heidi Kassai

Weitere Fotos von der Blockade und Mahnwache am Tor 2

Bikes beat Bombs

Foto: Jens Volle

Was an den „Bikertoren“ 5 und 6 so geschah

Stell dir vor, da gibt es einen Bundeswehr-Fliegerhorst in der Eifel, es ist Montag 7.00 Uhr und Schichtbeginn – und keine/r kommt! Weil nämlich an allen Toren zum Fliegerhorst so lästige Weltverbesserer rumsitzen-liegen-stehen, die singen-trommeln-beten-musizieren-feiern-diskutieren-lesen-tanzen-und werweißwasnochalles und niemanden durchlassen, weil ihnen das nicht gefällt,  was auf dem Luftwaffengelände so passiert: dass es ca. 20 US-Atomraketen beherbergt, zum Beispiel.

Und weil man so eine Blockade ja nicht einfach zulassen und gleichzeitig auch mal ein bisschen Einsatz vor Ort üben darf (wer weiß, wofür man`s mal braucht!) spielten die zuständigen politisch-militärischen Institutionen am Tor 6 rechtzeitig zum Montagmorgenschichtbeginn ihre „Ereigniskarte“ aus: Punkt 6.45 Uhr fielen hier bei uns rund 250 uniformierte Wasserträger des Rüstungskapitals ein wie ein Heuschreckenschwarm: SEK, Bereitschaftspolizei und Feldjäger – gepanzert und waffentechnisch ausgestattet wie für eine Geiselbefreiung -, die den rund 150 mitangereisten Soldat/innen und zivilen Bediensteten des Fliegerhorstes den Eintritt in das Reich der deutsch-us-amerikanischen Kriegsfreundschaftsgesellschaft ermöglichen sollten – eine Gesellschaft, versteht sich,  ohne jegliche Haftung…

Katzenklappe-01Leider hatte unsere Schnarchblockade in der Zufahrt zu Tor 6 nicht die voll abschreckende Wirkung, die wir uns von ihr versprochen hatten:  Die Schnarcher wurden jäh von uns anderen aus dem wohlverdienten Schlaf gerissen, als der „große militärische Bahnhof“ begann: „Da kriegst du mühsam die Augen auf – und um dich rum ist alles schwarz:  schwarze Schuhe, schwarze Beine,  dein Blick wandert weiter nach oben: schwarze Jacken, Ärmel, Handschuhe, Helme  – von welchem Stern sind die denn???“ beschrieb später einer unserer Schnarcher die Lage. „Schwarz Sehen“ im Reinkultur, sozusagen …

Immerhin war die von uns ausgehende Bedrohung für Volk und Vaterland (und US-Atombomben) ja auch nicht ganz von der Hand zu weisen: Zwei Leute nahe Tor 6 im Tiefschlaf; zwei, die an Tor 5 (ca. 100 Meter von Tor 6 entfernt) bei Feuerschale und Kaffee Wache schoben und eine/r, der/die zwischen den Toren hin und her patrouillierte. Da scheut man doch weder Kosten noch Mühe um der inneren und äußeren Sicherheit willen! Und dann quetscht man 150 Personen mit und ohne BW-Uniform einzeln durch ein winziges, in der Botanik gelegenes Fußgängertörchen, das gerade mal 40 cm weit aufgedrückt werden kann. Wie peinlich ist das denn???

Effektvollerweise konnte ich die ganze Aktion fotografisch dokumentieren – was mich auf der Beliebtheitsskala der anwesenden Staatsgewalt nicht unbedingt ganz nach oben brachte, wollte man doch mit Sicherheit dieses blamable Schauspiel klamm und heimlich inszenieren und anschließend als heroischen Einsatz in die Welt posaunen: „Bikerblockade am Fliegerhorst durch massiven Polizeieinsatz durchbrochen!“ „Gefährliche Rockergang ausgehebelt!“ „Schichtwechsel reibungslos durchgeführt!“ Oh jeh…  Was haben die denn gedacht, wer und was wir sind??? (Wobei das Ding mit der Schnarchblockade ja durchaus ausbaufähig ist: Wenn da mehr Leute für den Frieden „sägen“ in der Qualität wie unsere beiden, hat das mit Sicherheit eine Riesenwirkung – aber das fällt dann bestimmt schon unter das Waffengesetz, womit wir schon wieder bei der „gefährlichen Rockergang“ wären …)

Nach einer guten halben Stunde war der Spuk vorbei, Polizei und Militär abgerückt, aber dann rollte für uns die Soliwelle an: viele Musiker/innen der „Lebenslaute“ kamen mit ihren Instrumenten und dazu noch etliche andere. Und schon gab es an Tor 6 eine neue Blockade (diesmal mit echter Musik statt Schnarchkonzert) und eine neue „Party- bzw. Frühstücks“blockade vor Tor 5. Das zum Thema „Erfolgsmeldungen“ …

Katzenklappe-02Was war sonst noch?  Ab Freitag ein tolles Bikercamp im Friedenscamp am Haupttor – 1000 Dank an alle! – mit illustren Gästen aus dem In- und Ausland nebst Lagerfeuer und Grillparty mit und ohne Gemüsespieße, viel Musik, gutem Wetter, Freunden, Spaß und fröhlich-friedlicher Stimmung. Samstag eine herrliche lange Mosel-Eifel-Friedensausfahrt ; mehrere Motorradumrundungen des Fliegerhorstes und Besuche an den anderen Toren am Sonntag; Mahnwache, Blockade und Partystimmung an Tor 5 ab Sonntagnachmittag; Meditations-, Besinnungs und Entspannungblockade an Tor 6, ebenfalls ab Sonntagnachmittag (dort ab 2.00 Uhr dann „Schnarchen für den Frieden“…),. Alles sehr locker, friedlich und vergnüglich. Zum Ärger unserer zusehens schlechter gelaunten fleckgetarnten Bewacher hinter dem Zaun, die die ganze Nacht nicht nur unsere Musik, unsere mal mehr, mal weniger inhaltsreichen Gespräche und unser albernes Gegacker ertragen mussten, sondern zu allem von uns ausgehenden Übel auch noch die halbe Nacht leckere Grill- und frische Kaffeedüfte…
Die sich (die hinter dem Zaun) dann damit rächten,  dass sie eine Mobile Kontrollstelle (z.B. zur „Tatortbeleuchtung“ einzusetzen – ernsthaft!) recht präsent zur Verfügung hielten, falls es uns vielleicht einfallen sollte, durch fünf mal 10 Meter Natodraht zu krabbeln oder mit unseren Motorrädern den Zaun umzunieten… Dass sie gegen 4.00 Uhr morgens eine Autopanne nahe Tor 6 fingierten, um vermutlich dies und jenes vorzubereiten für den späteren Aufmarsch. Leider (für sie!) haben wir das mitbekommen und konnten neben einem fröhlichen „Guten Morgen!“ auch noch gute Beleuchtung aus unserem 200-Meter-Punktstrahler zu dem Manöver beisteuern… Oder dass sie schon gegen Mitternacht die ersten Handykontakte von uns zur Aktionszentrale am Haupttor abschalteten und mit ihren Störmanövern später fast alle unserer Handys lahmlegten … Und noch andere Späße mehr. Was alles letztlich in dem Großeinsatz an Tor 6 Montagmorgen gipfelte, aber den hatten sie ja mit Sicherheit schon vorher geplant, sonst wäre der ganze oben genannte Quatsch ja nicht nötig gewesen.

Was bleibt? Die Atomraketen, noch, leider. Viele wunderbare Eindrücke von vielen wunderbaren Menschen. Wir alle, weil wir noch mal wiederkommen. Nach Büchel. Zum Fliegerhorst. Oder woanders hin, wo Menschen sich zusammentun für eine bessere Welt. Ohne Kriege. Ohne Atomkraftwaffen. Für Love and Peace (and Bikes!)!
Und der Spottname von Tor 6, den wir ihm schon in der ersten Stunde verpasst haben: „KATZENKLAPPE“!

Foto: Herbert SauerweinGine Willrich, MotorradfahrerInnen ohne Grenzen, Düsseldorf

Mehr Fotos von den Toren 5 und 6

Schunkeln gegen den atomaren Bombendeal

Foto: Samantha Staudte / atomwaffenfrei.jetzt

Die Blockade von Tor 3 stand unter dem Motto „Bombenrisiko Atomkraft“.

Denn die sogenannte „friedliche“ Nutzung der Atomenergie ging aus den militärischen Atomprogrammen hervor. Obwohl sie sich „friedlich“ nennt, hat sie Millionen Strahlenopfer gefordert .Trotzdem wird die Atomenergie besonders von den militärischen Atommächten und von jenen, die sich diese Option offen halten wollen, aufrechterhalten und weiter ausgebaut. Deshalb ist unser Protest gegen Atombomben auch immer ein Einsatz für zukunftsträchtige regenerative Energieformen.

Foto: Samantha Staudte / atomwaffenfrei.jetztNeben der Bühne an der Einfahrt zu Tor 3 hatten die Organisatoren auch ein Versammlungszelt aufgebaut. Dort wurde erstmals die Ausstellung „Hibakusha Worldwide“ der Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) präsentiert, die anhand von Fallbeispielen an die Opfer der atomaren Kette überall auf der Welt erinnert: Vom Uranabbau über Reaktorunglücke bis zum Atomwaffeneinsatz. In einer gemeinsamen Bastelaktion markierten Ärztinnen und Ärzte auf einer großen Weltkarte die Orte der nuklearen Katastrophen. Die Ausstellung wird demnächst von der IPPNW-Geschäftsstelle zum Ausleihen abrufbar.

Auf der Bühne zeigte die IPPNW Kurzfilme der International Campaign to Abolish Nuclear Weapons (ICAN), das Musikduo Guaia Guaia enttarnte den als rationale Politik getarnten atomaren Größenwahn mit Liedern wie „Ich bin eine Atomrakete“ und auch Franziska und Uwe fassten in Musik, was viele von uns dachten. Klaus der  Geiger schenkte uns etwas von seiner unerschöpflichen Energie und gemeinsam mit Blue Flower, Matthäus Huth, John La Forge und Rob Longstaff begleitete er unseren Protest mit wunderschönen Klängen. Herzlich gelacht haben wir über das politische Kabarettprogramm von „Muita Merda“ aus Aachen. Kurt Lennartz und Josie Bockholt nahmen u.a. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle auf die Schippe.  Zu ihrem Anti-Atom-Song „Domschatzwalzer“ schunkelten und sangen wir kräftig mit.

Unterstützt wurden die IPPNW-Mitglieder an Tor 3 von jungen UmweltaktivistInnen, die die Zeiten der Stille, in denen es kein Bühnenprogramm gab, mit ihrem Gitarrenspiel füllten.

Die sternenklare Nacht mit vielen netten Menschen vor dem romantisch bewachsenen Tor tat das übrige, um allen ganz deutlich zu machen, worum es geht: Leben statt tödlicher, atomarer Sicherheitswahn.

Inga Blum und Angelika Wilmen, IPPNW Deutschland

Weitere Fotos von der Blockade und Mahnwache am Tor 3

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