Die Sieben Zwerge

Bericht von der Blockade am Tor 7 des Atomwaffenstandortes Büchel

Foto: Jens Volle

Am Sonntagnachmittag, 12.8, wurde am Lutzerather Tor so um 17 Uhr bekanntgegeben, daß ein neues Tor entdeckt worden sei, durch das möglicherweise Bundeswehrangehörige oder Zivilangestellte des Fliegerhorsts auf das Gelände kämen. Die Anfrage an uns als relativ große Gruppe war, ob wir uns in der Lage sähen, daß etwa 10 – 12 AktivistInnen dieses Tor kurzfristig blockieren könnten.

Eine Diskussion derer, die sich das grundsätzlich vorstellen konnten ergab bald, daß wir uns das zutrauen würden und in unserer Zusammensetzung auch einigermaßen musizierfähig wären. Diejenigen, die am Lutzerather Tor als MusikerInnen unabkömmlich waren, beschlossen daraufhin, vor Ort zu bleiben, die anderen verabredeten sich rasch, in Kürze aufzubrechen.

Nach kurzer Fahrt durch Alflen und an der Kirche vorbei gelangten wir, etwa 10 Lebenslaute-AktivistInnen aus verschiedenen Bezugsgruppen, über einen Feldweg zum völlig verwaist liegenden Tor 7, deutlich gekennzeichnet und ziemlich groß. Wir konnten allesamt nicht verstehen, wieso dieses Tor in der Planung vergessen worden sein soll – – aber egal, jetzt war das ja „unser“ Tor, und da es das Tor 7 war, nannten wir uns fortan als neue Bezugsgruppe die Sieben Zwerge.

Die Polizei war uns dicht auf den Fersen und schon die Staubfahnen, die unsere zwei PKWs auf dem Feldweg gen Himmel sandten müssen den Bundeswehrfeldjägern klargemacht haben, daß da etwas im Anmarsch war. jedenfalls standen sie schon auf der anderen Seite des Tors bereit, als wir ankamen, rasch das Nötigste aus den Autos holten und uns auf quer vor das Tor gelegten Isomatten unter Singen von „Es tönen die Lieder, da sind wir schon wieder …“ vor das Tor setzten.

Foto: Herbert SauerweinDie Polizei unternahm nicht weiter viel, sondern fragte bloß, ob wir nicht bitteschön die PKWs aus dem Weg fahren könnten und was wir denn jetzt vorhätten. Wir erläuterten, dies sei eine Blockade, und damit hatte es sich.

Es war ein sehr schöner Abend, die Sonne ging langsam unter, eine Gruppe Kühe trottete neugierig auf uns zu, als wir weitersangen, dann aber kehrten sie wieder um und legten sich beruhigt schlafen.

Langsam wurde es dunkel, wir waren dank der eingetroffenen AU-Gruppe mit Strohsäcken und allen anderen notwendigen Materialien bestens versorgt und gaben die Nachricht weiter, daß hier erstmal keiner durchkäme.

Kurze Zeit darauf, es war inzwischen fast dunkel, ein prachtvoller Sternenhimmel samt pfannekuchenfettem zunehmendem Halbmond schauten zu, kam ene Gruppe von BW-Soldaten auf der anderen Seite an und rollten auf ihrer Seite in voller Breite des Tores NATO-Draht aus, zwei Rollen übereinander. Das war eine recht sinnlose Aktion, weil das Tor auf seiner Oberseite sowieso stacheldrahtbestückt war, aber anscheinend war die Sorge groß, wir acht oder zehn Personen könnten an
dieser Stelle auf das Gelände vordringen (und Atombomben klauen?). Unsere humorigen Kontaktaufnahmeversuche („ja und hier? da kommt kein Stacheldraht hin oder wie?“) wurden mit eisigem Schweigen quittiert. Die Sache war ernst!

Foto: Jens VolleWir machten es uns trotzdem gemütlich und breiteten die Isomatten und Schlafsäcke vor dem gesamten Tor aus, saßen im Kreis, sangen Kanons und aßen. Die AU-Gruppe brachte noch einige Planen zum Schutz gegen die nächtliche Feuchtigkeit. Irgendwann gegen 22:30 gingen dann alle schlafen, in die Schlafsäcke oder in einen danebenstehenden PKW.

Der Rest der Nacht verlief ereignislos. Am Morgen weckte uns erneut die AU-Gruppe mit frischem Kaffe und dem Presspiegel – vielen Dank an dieser Stelle nochmal! So ist blockieren leicht…

Auch die Polizei war die ganze Zeit anwesend, im PKW verbarrikadiert, und wurde am Morgen abgelöst durch einen Einheimischen, der uns dialektreich erklärte, er sei jetzt für uns zuständig, uns aber ansonsten in Ruhe ließ.

Jetzt wurden langsam alle wach und krabbelten aus den Schlafsäcken, der Kaffee war sehr willkommen. Bundeswehr, Kühe und Polizei waren uns treu geblieben, Mond und Sterne verschwunden und die Sonne ging auf. Der NATO-Draht war auch noch an Ort und Stelle und hatte uns die ganze Nacht die beruhigende Sicherheit gegeben, daß Soldaten und Feldjäger
auf ihrer Seite bleiben würden.

Die Stimmung war bestens und alle lüfteten die Schlafsäcke, putzten die Zähne und wir freuten uns, daß in dieser Nacht und an diesem Morgen hier jedenfalls keiner rein und rausgekommen ist.

Genau zu diesem Zeitpunkt erfuhren wir dann aber, daß an Tor 6 Polizei und Soldaten in einer raschen Aktion eine „Katzenklappe“ gesucht und gefunden hatten und nach kurzer Diskussion beschlosssen zwei von uns, dorthin zur Verstärkung aufzubrechen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Bericht verfasst von LEBENSLAUTE

Fotos vom Tor 7 auf flickr

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