Lebenslaute statt Bombengetöse

Foto: Herbert Sauerwein

Nach dem Ende unseres Konzertes und der Eröffnungsveranstaltung sind wir  – ca. 60 Lebenslaute- MusikerInnen – wie in den Bezugsgruppen abgesprochen – in unsere Autos gestiegen und kamen kurz von 14.30 Uhr dort an. Die Mahnwache war mit ihrem Zelt schon aufgebaut, Polizisten im Streifenwagen grüßten uns freundlich – wir begannen sofort die Blockade. Gerade als die ersten von uns vor dem Tor saßen, kam ein Bundeswehrfahrzeug – aber das Tor war schon blockiert. Immer mehr Leute setzten sich; das Fahrzeug musste umdrehen. Wir begannen mit Kanonsingen und Kammermusik.

Foto: Jens VolleZwei Männer in Zivil – vermutlich Wachleute – versuchten etwas später, zu Fuß durch das Tor zu kommen, konnten jedoch nicht über die dicht Sitzenden hinwegsteigen. Sie sprachen mit den wachhabenden Soldaten innen und gingen dann wieder weg.

So konnten wir in Ruhe musizieren – und diskutieren: Das Transparent „Lebenslaute statt Bombengetöse“ war von (und auf der Seite) der Mahnwache direkt am Bundeswehr-Zaun befestigt, was auf Widerspruch der Uniformierten stieß. Drei Polizisten informierten uns über den Ärger, den das Transparent verursachte und baten inständig darum, es abzunehmen. Der SprecherInnenrat stellte fest, dass dieses Problem mit allen besprochen werden müsste, dass jedoch die persönlich angemeldete Mahnwache zunächst zu entlasten sei. Deshalb wurde es vom Zaun abgenommen,  kurzfristig direkt am Tor festgeklebt, aber dann wurde es endgültig gut sichtbar an Zeltstangen auf der Wiese befestigt.

Wir bekamen Besuch: Von den Bikern, von Presseleuten, von ZuhörerInnen, und von Leuten, die Workshops anboten: Zunächst zwei vom Bund für Soziale Verteidigung (BSV): Ali Kareem, ein Student aus dem Irak, erfreute uns mit einer Ein- Mann- Parodie zu den Abrüstungserklärungen der US-Regierung, und lud danach ein, sein Theaterspiel kennenzulernen und auszuprobieren. Christine Schweitzer erzählte direkt vor dem Tor über „Alternativen zu Rüstung und Militär“.

Gegen 20 Uhr kam Klaus der Geiger – er animierte uns zu wilder und humorvoller Improvisation mit Stimme und Instrumenten. Außerdem studierte er mit Eva und einer Kammermusikgruppe das Dopperkonzert von Bach ein.

Nachdem wir die Nachricht, dass es auch ein bisher unbekanntes und somit unbewachtes Tor gab, erhielten, entschieden wir in Bezugsgruppen, dass und wer von uns dieses Tor noch besetzen sollte. 15 Leute packten ihre Sachen.

Foto: Jens VolleDanach erklang bis 00.30 Uhr Kammermusik – zwei Pavillons wurden vor dem Tor aufgebaut, und wir verkrochen uns in die Schlafsäcke (bis auf wenige, die im nahen Tagungshaus Gillenbeuren übernachteten). Nachtwache und Frierende versammelten sich um die angezündete Feuertonne. Morgens um 5.30 Uhr erklang die erste Morgenmusik. Weder Soldaten noch Zivilisten versuchten, durch „unser“ Tor auf das Militärgelände zu gelangen. Wir sahen aber vier auffällige weiße Reisebusse in Richtung Büchel vorbeifahren.

Kurz vor 10 Uhr haben wir Bänke aufgestellt, denn es kam Publikum für das Doppelkonzert von Bach, das virtuos aufgeführt wurde. Um 11.54 beendeten wir die Blockade und fuhren zum Haupttor zurück.

Berthold Keunecke für LEBENSLAUTE

Mehr Fotos von der Blockade am Lutzerather Tor

Mehr Infos zur Aktion auf der Homepage von LEBENSLAUTE

Advertisements

1 Kommentar

  1. Hat dies auf Forum Politik rebloggt.


Comments RSS TrackBack Identifier URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

  • Hier Ihre eMail-Adresse schreiben, um dieses Blog zu abonnieren und über neue Artikeln per eMail informiert zu werden.

    Schließe dich 767 Followern an

  • Folge mir auf Twitter

  • Gefällt mir