Die Sieben Zwerge

Bericht von der Blockade am Tor 7 des Atomwaffenstandortes Büchel

Foto: Jens Volle

Am Sonntagnachmittag, 12.8, wurde am Lutzerather Tor so um 17 Uhr bekanntgegeben, daß ein neues Tor entdeckt worden sei, durch das möglicherweise Bundeswehrangehörige oder Zivilangestellte des Fliegerhorsts auf das Gelände kämen. Die Anfrage an uns als relativ große Gruppe war, ob wir uns in der Lage sähen, daß etwa 10 – 12 AktivistInnen dieses Tor kurzfristig blockieren könnten.

Eine Diskussion derer, die sich das grundsätzlich vorstellen konnten ergab bald, daß wir uns das zutrauen würden und in unserer Zusammensetzung auch einigermaßen musizierfähig wären. Diejenigen, die am Lutzerather Tor als MusikerInnen unabkömmlich waren, beschlossen daraufhin, vor Ort zu bleiben, die anderen verabredeten sich rasch, in Kürze aufzubrechen.

Nach kurzer Fahrt durch Alflen und an der Kirche vorbei gelangten wir, etwa 10 Lebenslaute-AktivistInnen aus verschiedenen Bezugsgruppen, über einen Feldweg zum völlig verwaist liegenden Tor 7, deutlich gekennzeichnet und ziemlich groß. Wir konnten allesamt nicht verstehen, wieso dieses Tor in der Planung vergessen worden sein soll – – aber egal, jetzt war das ja „unser“ Tor, und da es das Tor 7 war, nannten wir uns fortan als neue Bezugsgruppe die Sieben Zwerge.

Die Polizei war uns dicht auf den Fersen und schon die Staubfahnen, die unsere zwei PKWs auf dem Feldweg gen Himmel sandten müssen den Bundeswehrfeldjägern klargemacht haben, daß da etwas im Anmarsch war. jedenfalls standen sie schon auf der anderen Seite des Tors bereit, als wir ankamen, rasch das Nötigste aus den Autos holten und uns auf quer vor das Tor gelegten Isomatten unter Singen von „Es tönen die Lieder, da sind wir schon wieder …“ vor das Tor setzten.

Foto: Herbert SauerweinDie Polizei unternahm nicht weiter viel, sondern fragte bloß, ob wir nicht bitteschön die PKWs aus dem Weg fahren könnten und was wir denn jetzt vorhätten. Wir erläuterten, dies sei eine Blockade, und damit hatte es sich.

Es war ein sehr schöner Abend, die Sonne ging langsam unter, eine Gruppe Kühe trottete neugierig auf uns zu, als wir weitersangen, dann aber kehrten sie wieder um und legten sich beruhigt schlafen.

Langsam wurde es dunkel, wir waren dank der eingetroffenen AU-Gruppe mit Strohsäcken und allen anderen notwendigen Materialien bestens versorgt und gaben die Nachricht weiter, daß hier erstmal keiner durchkäme.

Kurze Zeit darauf, es war inzwischen fast dunkel, ein prachtvoller Sternenhimmel samt pfannekuchenfettem zunehmendem Halbmond schauten zu, kam ene Gruppe von BW-Soldaten auf der anderen Seite an und rollten auf ihrer Seite in voller Breite des Tores NATO-Draht aus, zwei Rollen übereinander. Das war eine recht sinnlose Aktion, weil das Tor auf seiner Oberseite sowieso stacheldrahtbestückt war, aber anscheinend war die Sorge groß, wir acht oder zehn Personen könnten an
dieser Stelle auf das Gelände vordringen (und Atombomben klauen?). Unsere humorigen Kontaktaufnahmeversuche („ja und hier? da kommt kein Stacheldraht hin oder wie?“) wurden mit eisigem Schweigen quittiert. Die Sache war ernst!

Foto: Jens VolleWir machten es uns trotzdem gemütlich und breiteten die Isomatten und Schlafsäcke vor dem gesamten Tor aus, saßen im Kreis, sangen Kanons und aßen. Die AU-Gruppe brachte noch einige Planen zum Schutz gegen die nächtliche Feuchtigkeit. Irgendwann gegen 22:30 gingen dann alle schlafen, in die Schlafsäcke oder in einen danebenstehenden PKW.

Der Rest der Nacht verlief ereignislos. Am Morgen weckte uns erneut die AU-Gruppe mit frischem Kaffe und dem Presspiegel – vielen Dank an dieser Stelle nochmal! So ist blockieren leicht…

Auch die Polizei war die ganze Zeit anwesend, im PKW verbarrikadiert, und wurde am Morgen abgelöst durch einen Einheimischen, der uns dialektreich erklärte, er sei jetzt für uns zuständig, uns aber ansonsten in Ruhe ließ.

Jetzt wurden langsam alle wach und krabbelten aus den Schlafsäcken, der Kaffee war sehr willkommen. Bundeswehr, Kühe und Polizei waren uns treu geblieben, Mond und Sterne verschwunden und die Sonne ging auf. Der NATO-Draht war auch noch an Ort und Stelle und hatte uns die ganze Nacht die beruhigende Sicherheit gegeben, daß Soldaten und Feldjäger
auf ihrer Seite bleiben würden.

Die Stimmung war bestens und alle lüfteten die Schlafsäcke, putzten die Zähne und wir freuten uns, daß in dieser Nacht und an diesem Morgen hier jedenfalls keiner rein und rausgekommen ist.

Genau zu diesem Zeitpunkt erfuhren wir dann aber, daß an Tor 6 Polizei und Soldaten in einer raschen Aktion eine „Katzenklappe“ gesucht und gefunden hatten und nach kurzer Diskussion beschlosssen zwei von uns, dorthin zur Verstärkung aufzubrechen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Bericht verfasst von LEBENSLAUTE

Fotos vom Tor 7 auf flickr

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Sternschnuppen über Büchel

Erlebnisbericht vom Tor 1 – Frauenwiderstand

Foto: Jens Volle

Frauen hüten die Nagasaki-Flamme
Als Mitverantwortliche des Kampagnenrats für das Tor 1 erhielt ich von der japanischen Frauenorganisation New Japan Women’s Association, die mit Tausenden von Teilnehmerinnen am 8. August in Nagasaki ihr „No Nuke! Women’s Forum“ abhielt, eine einminütige Video-Grußbotschaft für „unsere Schwestern und alle Blockierenden in Büchel“. Darin übergaben sie uns symbolisch die Flamme von Nagasaki für unsere Aktion. Bei der Gedenkandacht zum Atombombenabwurf am 9. August am Haupttor und dem offiziellem Fasten-Ende wurde das Video gezeigt und unsere Flamme angezündet. Ab jetzt galt es für uns Frauen, die Flamme bis zum offiziellen Blockadeende am Brennen zu halten. Eine zusätzliche Solidaritätsmitteilung der aus 200.000 Mitgliederinnen bestehenden japanischen Frauenorganisation verlas ich bei der Eröffnungskundgebung am 11. August, wo auch Alyn Ware seine Flammenfackel aus Hiroshima vorstellte, die bereits die Welt umrundete und bei der UN bei den Abrüstungsverhandlungen dabei war.

Frauen-Bezugsgruppenfindung
Auf dem Camp ging es rund: Orga-Treffen hier, Veranstaltungen dort, immer wieder trudelten neue zu begrüßende Teilnehmende ein, sodass mir kaum Zeit für Aktionstrainings und ausgiebige Diskussionen in unserer Bezugsgruppe Bertha, die aus neun Frauen bestand, blieb. Zum Glück hatten wir schon einen vorläufigen Ablaufplan und konnten im SprecherInnenrat die Planung gut verfolgen. Wir einigten uns schnell darauf, dass wir über Nacht am Frauentor nur neue Bezugsgruppen aufnehmen wollten, die mindestens zur Hälfte aus Frauen bestanden und vorab ein Training gemacht hatten. Eine Frau von unserem Tor sollte während der Blockade per Handy regelmäßig über Telefonkonferenzen mit allen anderenToren vernetzt sein, um sich gegenseitig über die Gesamtlage zu informieren und uns gegebenenfalls unterstützen zu können.

Es war eine beeindruckende Mischung aus vielen erfahrenen jungen AktivistInnen, vielen auch sehr alten Menschen, Menschen mit Rollstühlen, Kindern, Musizierende, KabarettistInnen, DichterInnen…, die dann an der Aktion teilnahm. Sogar ein Polizist, der zum Dienst musste, verabschiedete sich am Haupttor von seiner Frau und seinem Sohn.

Tor 1: Frauenwiderstand – Sonntag
frauentorBei Sonnenschein fanden wir uns vor Tor 1 vor einigen Polizisten ein, die eine offene Kette vor dem Tor bildeten. Einzelne ältere Frauen wurden mit einer Fahrradrikscha herangefahren, die regelmäßig zwischen Haupttor und Tor 3 shuttelte. Mit acht Trommeln von Chris-Kaya waren wir gleich drin in den schönsten Rhythms, gefolgt vom Hunsrücker Frauenchor, Blue Flower, KabarettistInnen… Zwischen den KünstlerInnen-Einlagen ließen wir einen Redestab herumgehen, sodass jede Frau etwas erzählen oder ein ihr wichtiges Lied anstimmen konnte.

Am Spätnachmittag erfuhren wir über die Telefonkonferenz, das ein Militärangehöriger, der zu Fuß erfolglos ein Durchkommen bei Lebenslaute am Lutzerather Tor versuchte, etwas später hinterm Tor gesehen wurde: Er grinste die Blockierenden aus einem Auto breit an. Uns wurde damit klar, dass es irgendwo eine undichte Stelle geben musste. Unsere Nachforschungen führten tatsächlich zu einem uns bis dahin unbekannten Tor 7, was vom Ort Alflen über nur einen Feldweg direkt zur Basis führte. Schnell machte sich eine Bezugsgruppe von Lebenslaute auf, dann auch dieses Tor dicht zu machen. Wir freuten uns enorm darüber, da die Bundeswehr offensichtlich geplant hatte, ihren restlichen Nachschub darüber abzuwickeln, da ihnen sicher bekannt war, dass wir dieses Tor im Vorfeld nicht erfasst hatten.

9494317110_78e4df6bd7_oErst am Abend, als viele, die am Montag arbeiten mussten oder denen es zu unbequem war, die Nacht im Freien – auf Stroh und Isomatte – zu verbringen, uns verlassen mussten, hatten wir endlich Zeit mehr miteinander zu reden. Die wenigen anwesenden Polizisten waren jetzt bereits abgezogen. 13 Frauen blieben über Nacht und besprachen, wie wir uns im Falle einer Räumung verhalten wollten, zumal uns klar war, dass die Bundeswehr jetzt einen neuen Notzugang brauchte. Falls früh morgens Polizei aufgezogen wäre, hätten wir genug Zeit gehabt, noch ein Schloss am Tor anzubringen und uns dann wegtragen lassen. Vor dem Schlafengehen gab es wieder Essen von der mobilen Bio-Widerstandsküche Rampenplan, diesmal eine warme vegane Suppe. Mit einem Akku-Beamer schauten wir uns aus dem Schlafsack heraus – das Video des britischen Frauenwiderstandes über Greenham Common an und verbrachten bei 9 Grad Celsius unter schönstem Sternenhimmel, wo das Perseiden-Feuerwerk mehr als 100 Sternschnuppen pro Stunde versprach – eine unvergessliche Nacht!

Montag – die Bomber dröhnen
Montag früh kam Rampenplan mit dem Frühstück und Zeitungen. Stefan Charisius spielte mit seiner Kora traditionelle Melodien aus Afrika, während unsere Zeitzeuginnen von vor 30 Jahren aus dem Hunsrücker Frauenwiderstandscamp, aus Mutlangen und Greenham Common berichteten. Den Frauen damals war eins gemein: Sie alle hatten in ihrer Familie und/oder Beziehungen (sexuelle) Gewalt und männliche Vorherrschaft erfahren und brauchten diese Camps, um sich selbst zu finden und gemeinsam handeln zu können. Nach dem Abzug der Cruise Missiles Ende der 1980er Jahre zogen viele Frauen in den Hunsrück, gründeten Biohöfe, wurden Heilpraktikerinnen oder erstellten Kunsthandwerk. Das Frauenmusikfestival ist heute mit seinen 1000 Teilnehmerinnen ein Treffpunkt vieler auch lesbischer Frauen, die hier einen geschützten Raum finden, gegenüber einem Alltag in einer eher homophoben Gesellschaft: alles mit Bio, Kunst und Gefühl!

Plötzlich dröhnte hinterm Zaun der Fluglärm, der uns die Bomber und das Leid der Menschen, auf die auch an diesem Tag Bomben abgeworfen wurden (wenn auch keine Atombomben), vergegenwärtigte. Militarismus und Sexismus war immer wieder Thema – zwei Seiten einer Medaille, was uns in dem Moment Gefühle von Wut und Traurigkeit bescherte.

Die morgendliche Telefonkonferenz informierte darüber, dass an Tor 6, bei dem es sich eigentlich um eine zugewachsene und eingezäunte kleine Tür handelte, die wir „Katzenklappe“ nannten, am frühen Morgen um 6:40 Uhr vier Busse eingetroffen waren. Ein Bus mit einem Großaufgebot eines Sondereinsatzkommandos, welches ein Spalier für die Militärangestellten bildete, damit diese zur Katzenklappe kommen und sich durch die 40 cm große Öffnung quetschen konnten. Sich so in die Basis hineinzuschleichen war dann doch kein Heldenakt und wurde von der Torverantwortlichen, die zufällig auch im Besitz eines Presseausweises war, ausgiebig fotografiert.

Foto: Herbert SauerweinMit einer Zeremonie und dem Grußwort der japanischen Frauenorganisation sowie Reihentänzen beendeten wir die Blockadeaktion um 6 vor 12 Uhr und gingen zurück zum Haupttor des Fliegerhorstes. Am Haupttor, wo nochmal ein/e RepräsentantIn jedes Tores angehört wurde, sprach Silvia Bopp von der Pressehütte Mutlangen für unser Tor Frauenwiderstand über das Hüten des Feuers und endete emotional: Wir wären lieber Heilerinnen als Kriegerinnen! Zum Abschluss sangen wir alle das Lied Imagine Peace von John Lennon, angestimmt von Lebenslaute, womit die Blockade, ohne dass ein Auto den Stützpunkt Büchel befahren oder verlassen konnte und ohne das irgendjemand verletzt wurde, offiziell beendet wurde. In diesem Moment habe ich die Nagasaki-Flamme ausgeblasen!

Unser großer Dank gilt allen, egal in welcher Form sie teilgenommen haben: z.B. den MusikerInnen/KünstlerInnen, die ohne Gage aufgetreten sind, dem ZUGABE Netzwerk, das uns mit seinen Arbeitsgruppen-Trainings und Moderation, Rechtshilfe, Aktionsunterstützung unterstützt hat, den AktivistInnen…

Marion Küpker ist Koordinatorin der GAAA, Internationale Koordinatorin der DFG-VK gegen Atom- und Uranwaffen und im Kampagnenrat „atomwaffenfrei.jetzt!“

Hier sind weitere Fotos vom Tor 1

Lebenslaute statt Bombengetöse

Foto: Herbert Sauerwein

Nach dem Ende unseres Konzertes und der Eröffnungsveranstaltung sind wir  – ca. 60 Lebenslaute- MusikerInnen – wie in den Bezugsgruppen abgesprochen – in unsere Autos gestiegen und kamen kurz von 14.30 Uhr dort an. Die Mahnwache war mit ihrem Zelt schon aufgebaut, Polizisten im Streifenwagen grüßten uns freundlich – wir begannen sofort die Blockade. Gerade als die ersten von uns vor dem Tor saßen, kam ein Bundeswehrfahrzeug – aber das Tor war schon blockiert. Immer mehr Leute setzten sich; das Fahrzeug musste umdrehen. Wir begannen mit Kanonsingen und Kammermusik.

Foto: Jens VolleZwei Männer in Zivil – vermutlich Wachleute – versuchten etwas später, zu Fuß durch das Tor zu kommen, konnten jedoch nicht über die dicht Sitzenden hinwegsteigen. Sie sprachen mit den wachhabenden Soldaten innen und gingen dann wieder weg.

So konnten wir in Ruhe musizieren – und diskutieren: Das Transparent „Lebenslaute statt Bombengetöse“ war von (und auf der Seite) der Mahnwache direkt am Bundeswehr-Zaun befestigt, was auf Widerspruch der Uniformierten stieß. Drei Polizisten informierten uns über den Ärger, den das Transparent verursachte und baten inständig darum, es abzunehmen. Der SprecherInnenrat stellte fest, dass dieses Problem mit allen besprochen werden müsste, dass jedoch die persönlich angemeldete Mahnwache zunächst zu entlasten sei. Deshalb wurde es vom Zaun abgenommen,  kurzfristig direkt am Tor festgeklebt, aber dann wurde es endgültig gut sichtbar an Zeltstangen auf der Wiese befestigt.

Wir bekamen Besuch: Von den Bikern, von Presseleuten, von ZuhörerInnen, und von Leuten, die Workshops anboten: Zunächst zwei vom Bund für Soziale Verteidigung (BSV): Ali Kareem, ein Student aus dem Irak, erfreute uns mit einer Ein- Mann- Parodie zu den Abrüstungserklärungen der US-Regierung, und lud danach ein, sein Theaterspiel kennenzulernen und auszuprobieren. Christine Schweitzer erzählte direkt vor dem Tor über „Alternativen zu Rüstung und Militär“.

Gegen 20 Uhr kam Klaus der Geiger – er animierte uns zu wilder und humorvoller Improvisation mit Stimme und Instrumenten. Außerdem studierte er mit Eva und einer Kammermusikgruppe das Dopperkonzert von Bach ein.

Nachdem wir die Nachricht, dass es auch ein bisher unbekanntes und somit unbewachtes Tor gab, erhielten, entschieden wir in Bezugsgruppen, dass und wer von uns dieses Tor noch besetzen sollte. 15 Leute packten ihre Sachen.

Foto: Jens VolleDanach erklang bis 00.30 Uhr Kammermusik – zwei Pavillons wurden vor dem Tor aufgebaut, und wir verkrochen uns in die Schlafsäcke (bis auf wenige, die im nahen Tagungshaus Gillenbeuren übernachteten). Nachtwache und Frierende versammelten sich um die angezündete Feuertonne. Morgens um 5.30 Uhr erklang die erste Morgenmusik. Weder Soldaten noch Zivilisten versuchten, durch „unser“ Tor auf das Militärgelände zu gelangen. Wir sahen aber vier auffällige weiße Reisebusse in Richtung Büchel vorbeifahren.

Kurz vor 10 Uhr haben wir Bänke aufgestellt, denn es kam Publikum für das Doppelkonzert von Bach, das virtuos aufgeführt wurde. Um 11.54 beendeten wir die Blockade und fuhren zum Haupttor zurück.

Berthold Keunecke für LEBENSLAUTE

Mehr Fotos von der Blockade am Lutzerather Tor

Mehr Infos zur Aktion auf der Homepage von LEBENSLAUTE

The Day After … Büchel

"Rhythm Beats Bombs – Abrüstungsinstrumente" am Haupttor des Fliegerhorst Büchel

„The Day After“ ist einer der Filme durch den sich mir das Grauen eines Atomkrieges für immer einbrannte. Das war in einer Zeit, in der die Angst vor einem atomaren Schlag noch allgegenwärtig war und ich Kind. Viele Jahre später – in einer Zeit, lange nach dem Ende des Kalten Krieges, in der die meisten Menschen diese Ängste nicht mehr kennen – stehe ich zum ersten Mal am Fliegerhorst Büchel in der Eifel.

Blick über die RegionWie schön und friedlich es hier ist, denke ich, während von der Straße am Fliegerhorst über die Hügel im Morgenlicht schaue. Dann läuft mir ein Schauer über den Rücken, denn mir fällt wieder ein, dass ein paar Meter hinter mir – abgetrennt durch Zaun und NATO-Draht – Waffen lagern, die alles Schöne dieser Welt in Sekunden zu Asche verwandeln könnten: die letzten 20 US-Atomwaffen auf deutschem Boden.

Nur ein paar Meter neben dem Haupttor des Fliegerhorsts ist das „Friedenscamp“ aufgeschlagen – gewissermaßen das Basislager für die geplante Musikblockade der Zufahrtstore des Atomwaffenlagers. Die Vorbereitungen laufen hier auf Hochtouren und alle Beteiligten der Kampagne „atomwaffenfrei.jetzt“ und der Aktionsunterstützung schwirren schwer beschäftigt umher. Die Stimmung ist angespannt, zu vieles gibt es gleichzeitig zu tun.

Der Zug zu den TorenUm fünf vor zwölf geben die „Lebenslaute“ vor dem Haupttor mit ihrem Konzert den Auftakt für die Blockade. Circa 750 Menschen lauschen ihnen, bevor sie sich gegen 14 Uhr in einem großen Zug entlang des Lagerzaunes auf den Weg zu den anderen Zufahrtstoren machen, wo sie sich für die Blockade verteilen. Am Vortag haben sich im Friedenscamp die Bezugsgruppen für die einzelnen Tore gefunden, absolvierten gemeinsam ein Training in gewaltfreier Aktion und besprachen alles Notwendige. Es ist spannend zu sehen, wie bunt gemischt der Zug ist: vom Renter bis zum Kleinkind, vom Hippie bis zum Biker.

Ich bleibe erst mal an Tor 3, wo „Muita Merda“, „Klaus der Geiger“ und „Guaia Guaia“ – die später auch noch an anderen Toren auftreten – mit ihren Auftritten begeistern. Die Blockierenden singen mit und es wird viel und laut gelacht.

Als ich später im Friedenscamp zurück bin, erreicht uns die Nachricht, dass ein weiteres Tor entdeckt wurde. Neben den eingeplanten Toren gibt es ein ganz Verstecktes am Ende eines langen Feldweges. Eine Gruppe von den Lebenslauten macht sich auf den Weg, um auch dieses Tor mit der Nummer 7 „dicht“ zu machen.

Am Tor 7, dem uns unbekannten ...Als wir auf einer abendlichen Runde zu allen Toren sind, berichtet die Gruppe an betreffendem Tor uns, dass sofort nach ihrer Ankunft NATO-Draht hinter dem Tor verlegt wurde. Scheinbar war die Angst groß, dass wir nicht nur blockieren wollen, sondern in das Lager eindringen. Als wir am Lutzerather Tor ankommen, dass von den „Lebenslauten“ blockiert wird, wird dort immer noch musiziert und gesungen, hinter dem Zaun stehen drei Soldaten und beobachten die Szene.

Am Tor 4 „Texte und Zitate“ sitzt eine gut gelaunte Truppe dick eingemummelt in ihre Schlafsäcke und liest Gedichte und Texte. An den nächsten, dicht nebeneinander liegenden Toren, 5 & 6, „Bikes beat Bombs“, hat es sich eine kleine Gruppe der „Motorradfahrer/innen ohne Grenzen“ schön gemacht, es gibt Musik, leuchtende Luftballons, es wird gegrillt. Als wir ankommen, kommt eine aufgeregte Polizistin zu uns, und will wissen, was wir hier wollten und ob wir vorhätten zu bleiben. Später erklärt sich ihr komisches Verhalten noch.

Am Tor 3 „Bombenrisiko Atomkraft“ haben sich die Meisten schon hingelegt, die paar wachgebliebenen berichten uns, dass alle fünfzehn Minuten entlang der Lagerstaße hinter dem Zaun eine Patrouille vorbeiführe und sie mit Scheinwerfern blende. Die Polizei hingegen wäre sehr kooperativ und freundlich.

Als wir Tor 1 „Frauenwiderstand“ und zuletzt Tor 2 „Interreligiöser Dialog“ erreichen, ist es schon sehr spät geworden – und ziemlich kalt. Die heiße Suppe, die das niederländische Kochkollektiv Rampenplan, das auch das Camp versorgt, zu den Toren bringt, wird sehnsüchtig erwartet. Als wir am Haupttor zurück sind, ist das Musikprogramm dort leider schon vorbei – aber es wird begeistert von den verschiedenen Auftritten berichtet. Ich bewundere die Blockierer, die trotz der Kälte auf Isomatten und Strohsäcken auf dem Boden vor dem Tor ausharren. Ich schlafe unruhig, bei jedem vorbeifahrenden Auto habe ich Angst, dass jetzt vielleicht doch eine Räumung der Blockade losgeht.

Früh morgens erreicht uns die Nachricht, dass sich etwas an Tor 5&6, bei den Bikern, ereignet hat. Eine Weile später haben wir Klarheit: In den frühen Morgenstunden rückten dort plötzlich Reisebusse an, die Blockierenden wurden von der Polizei umstellt und aus den Bussen wurden circa 150 Soldaten zum und durch das Tor geschleust. „Das ging schneller, als wir realisieren konnten, was da passiert“, berichtet eine der Blockiererinnen auf der Abschlussveranstaltung. Aus Solidarität mit den überrumpelten Bikern machte sich eine Gruppe vom Tor der Lebenslaute auf, um sie während der restlichen Blockadestunden zu unterstützen.

Abschluss am Haupttor

Um sechs Minuten vor zwölf endete die Blockade am 12. August 2013. Nachdem sich die AktivistInnen von den Toren wieder am Haupttor gesammelt hatten, gab es eine bewegende Abschluss- veranstaltung, bei der noch einmal von jedem Tor berichtet wurde. Zu guter Letzt wurde gemeinsam „Imagine“ von John Lennon gesungen. Ja, das klingt vielleicht ein bisschen klischeehaft – aber nach dieser Blockade mit so vielen bunt zusammengewürfelten Menschen unterschiedlichsten Alters und Hintergrunds, die so solidarisch, respektvoll und friedlich miteinander umgingen, passte es einfach.

Heute habe ich schon ein paar kritische Stimmen gehörte – was habt ihr schon erreicht?! Ich finde viel! Rund 750 Menschen sind in eine entlegene Ecke der Eifel gekommen, die Hälfte davon war bereit, trotz des Risikos einer Räumung und der nächtlichen Kälte auf dem Plateau 24 Stunden lang die Tore einer Militäranlage zu blockieren. Natürlich konnten wir weder den sofortigen Abzug der Atomwaffen aus Deutschland bewirken, noch hat es den Atomwaffen geschadet, dass 24 Stunden lang kein Auto rein oder raus kam. Aber wir haben es geschafft Aufmerksamkeit auf ein verdrängtes Thema zu lenken und wir haben unsere Bewegung gestärkt. Büchel 2013 war ein wichtiger Meilenstein für unseren Weg zur atomwaffenfreien Welt. Und ein besonderes Erlebnis, aus dem wir noch lange Kraft für unser weiteres Engagement ziehen werden!

Samantha StaudteSamantha Staudte ist Social Media-Koordinatorin der Kampagne atomwaffenfrei.jetzt, der IPPNW und Redakteurin des IPPNW Mitgliedermagazin “Forum”.

Liveticker aus dem „atomwaffenfrei.jetzt“-Camp in Büchel

Um ein Bild von der Lage zu bieten, zeigt euch „atomwaffenfrei.jetzt“ einen „Liveticker“ mit Eindrücken aus dem „Camp“ vor dem Haupttor des Fliegerhorsts Büchel. Auf dem Fliegerhorst vor den Toren des beschaulichen Städtchens in der Südeifel werden noch immer 20 Atomsprengköpfe gelagert.  Um ein Zeichen zu setzen findet von Sonntag auf Montag eine 24-stündige Musikblockade mit zahlreichen Künstlern statt. Aber auch in den vorigen Tagen gibt es schon viele interessante Aktionen, die auf die Gefahr durch Atombomben aufmerksam machen.

update: 14.08, 11.30 Uhr

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Dienstag, 11.20 Uhr: Besten Dank an alle Teilnehmer der Veranstaltung. Insgesamt waren rund 750 Demonstranten vor Ort, von denen sich auch ein Großteil an der Blockade beteiligt haben. Alle Bilder findet ihr hier.

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Montag, 12.45 Uhr: Alle Aktivisten und Aktivistinnen der verschiedenen Tore haben sich am Haupttor eingefunden und berichten von ihren Erlebnissen. An manchen Toren sorgten Tornado Flieger mit lautem Getöse für eine aufgewühlte Stimung . Doch die Aktivisten , ließen sich nicht aus dem Konzept bringen. Am Tor 6 fuhren 4 Reisebusse mit Soldaten vor, um durch die „Katzenklappe“ am Tor 6 die anderen Blockaden zu umgehen. Einige von ihnen kamen durch, sie mussten sich aber erstmal an den Motorradfahrer/-innen ohne Grenzen und am zugewachsenen Tor vorbei zwängen, das wahrscheinlich seit Jahren nicht mehr verwendet wurde.

Nachdem man gemeinsam über manches gelacht und über manche Berichte gestaunt hat, gab es einen tosenden Beifall für alle Helfer/-innen. Das Lied „Imagine“ von John Lennon, das am Haupttor alle gemeinsam sangen, sorgte für einen runden Abschluss.

Die Hoffnung bleibt, dass solch eine Aktion in Zukunft nicht mehr nötig ist und die Atomwaffen abgezogen werden. Aber falls doch, bleiben die Worte von Starhawk, die Silvia Bopp vom Frauentor vorgetragen wurden:

“ (Wir sind Scharen) verrückter, friedlicher Kriegerinnen und Krieger

ohne Waffen, doch bereit, weiterzugehen

immer und immer wieder.“

Wir sehen uns in Büchel !

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Montag, 11.40 Uhr: Regen zwang die Leute unter Bäumen Schutz zu suchen, aber wie Stefan Charisius in diesem Fall zutreffend sang: „Auf Ärger folgt Wonne, auf Regen folgt Sonne“. Der Wille ist ungebrochen und die Blockade steht noch immer.

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Montag, 11.25 Uhr: Die letzte halbe Stunde der Blockade hat begonnen. Zum Glück fängt es erst jetzt leicht an zu regnen. Ansonsten war das das Wetter auf der Seite der Atomwaffengegner.

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Montag , 10.15 Uhr: Musiker wie John La Forge, Rob Longstaff und die Bandbreite sorgen für Unterhaltung und eine angenehme Atmosphäre. Die Situation ist weiterhin Entspannt.

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Montag, 8.45 Uhr: Die Bundeswehr musste heute mal den Hintereingang nehmen.

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Montag, 6.00 Uhr: Beißende Kälte, aber die Blockade hält.

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Sonntag, 21.10 Uhr: Mehr Bilder findet ihr hier: http://www.flickr.com/photos/atomwaffenfrei-jetzt/

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Sonntag, 20.30 Uhr: Gerade haben wir am Haupttor Bilder von den anderen besetzten Toren erhalten. Hier ein paar Impressionen:

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Sonntag, 19.15 Uhr: Im Moment steht die umstrittene Gruppe „Bandbreite“ mit HipHop-Beats auf der Bühne und macht Musik für die Zuhörer auf der Insel des Kreisverkehrs und an der Blockade. Dort ist die Stimmung sehr friedlich und entspannt. Auch an den anderen Toren ist die Lage friedlich.

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Sonntag, 17.30 Uhr: Die Geigenklänge auf der Bühne wurden nun durch Gitarrenklänge ersetzt: „Die Üblichen Verdächtigen“ spielen auf der Bühne am Haupttor.

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Sonntag, 17.02 Uhr: Dieser Liveticker kann ausschließlich vom Haupttor berichten. Unter nachfolgendem Link ist aber ein Liveticker für alle Tore zu finden, so könnt ihr zu allen Toren up to date bleiben:
http://www.lebenslaute.net/?page_id=1498

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Sonntag, 16.00 Uhr: Jetz auf der Bühne am Haupttor: Klaus der Geiger.

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Sonntag, 15.32 Uhr: Am Haupttor kommt gerade die Nachricht an, dass alle Tore besetzt sind.

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Sonntag, 14.15 Uhr: Nach einer Auktion für den Frieden und der traurigen Botschaft, dass Nina Hagen leider nicht nach Büchel kommen kann, brechen die Demonstranten vom Haupttor zu den anderen  Toren auf. Dort sollen die Zufahrten zum Fliegerhorst bis Morgen um 11.56 Uhr blockiert werden.

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Sonntag, 13.35 Uhr: Die Warteschlange für das Mittagessen ist merklich länger geworden, es kommen weiterhin neue Leute hinzu. Das Essen scheint aber für alle zu reichen, zum Glück!

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Sonntag, 11.55 Uhr: Begrüßungsworte der Veranstaltungsleitung. „Es ist fünf vor zwölf auf der Doomsday-clock!“ Höchste Zeit, um mit der atomaren Abrüstung zu beginnen… und zwar hier in Deutschland!

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Sonntag, 11.50: Zum Auftakt git es Trommelmusik von den Musikern von Kokuryo-Daiko, eine japanische Trommlergruppe aus München.

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Sonntag, 11.15 Uhr: Gerade spielen die Lebenslaute ein kleines Konzert zur Begrüßung. Einige Busse mit Demonstranten sind auch schon angekommen. Langsam wird es hier voller.

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Samstag, 22.34 Uhr: Mit vollem Magen sitzen alle in den Zelten und in größeren und kleineren Gruppen zusammen: Letzte „Strategie“-Planungen im Plenum, Informationen und Tips zur Blockade werden Angeboten, z.B.: für solche die zum ersten mal an einer Blockade teilnehmen. Manche sitzen auch zusammen und üben nochmal ihre Liedtexte oder tauschen Erfahrungen aus.
Allen ist klar: Ab morgen wird’s ernst !

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Samstag, 19.05 Uhr: Die Bühne steht, dann kann die party morgen ja losgehen !

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Samstag, 14.55: Die Aufbauarbeiten der Hauptbühne haben gerade angefangen. Dort treten morgen Nina Hagen, Guaia Guaia, Wareika und viele andere tolle Künstler und Gruppen auf. Auf dem dahinter liegenden Kreisverkehr beginnt morgen um 11.55 Uhr die Protestaktionen mit Grußworten von „atomwaffenfrei.jetzt“.

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Samstag, 13.00 Uhr: das Mittagessen steht bereit und bei den leckeren Gerüchen sind die Zeltaufbau-Strapazen und die Sommerhitze schnell vergessen.

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Samstag, 11.40 Uhr: es wurde ein Tisch aufgestellt auf dem Bücher zum verschenken ausgelegt sind. Nebst Büchern von Hermann Hesse  und SAID, finden sich auch Naturheilkunde Bücher.
Die Abendlektüre steht fest: Ich konnte das Buch „… denn der Wind kann nicht lesen abstauben.

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Samstag, 11.19 Uhr: Die Techniker verzweifeln. Eigentlich sollte es hier super schnelles Internet geben. Mal schauen, wie lange es noch dauert, bis es funktionert.

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Freitag, gegen 23.00 Uhr: Immer noch sind alle wach. Viele Besprechungen laufen noch oder man sitzt gesellig bei einander.

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Freitag, 19.30 Uhr: Die Köche haben sich wirklich selbst übertroffen. Ein leckeres, veganes Gericht gegen eine kleine Spende.

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Freitag, 18.00 Uhr: Kurzes Treffen des Koordinationsrates. Schnell wird besprochen, was noch kurzfristig anfällt. Wer kümmert sich um die Presse, wer sitzt wann am Infopoint,…

Anschließend geht es zum gemeinsamen Abendessen.

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Freitag, 16.10 Uhr: Ein Aktivist hat mit dem Fahrrad den Fliegerhorst umrundet. Gelangweilte Soldaten säßen vor den Baracken. Hinter dem Zaun, der ringsum  mit zwei Reihen Stacheldraht verstärkt ist, scheint ansonsten Langeweile zu herrschen.  Atiomwaffen zu bewachen hat sich der Fahradfahrer interesaanter vorgestellt.

Auffällig war auch dieser Kinderspielplatz. Wer auf dem Fliegerhorst besorgt um seine Kinder ist, schickt sie hier her zum spielen. Schusswaffen, nukleare Sprengköpfe, Stacheldraht: mehr Sicherheit geht nicht.

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Freitag, 14.45 Uhr: Die Nagasaki-Flamme in Büchel. Am 9. August 1945, also heute vor 68 Jahren, explodierte die Atombombe und tötete auf einem Schlag 22.000 Menschen. Bis zu 80.000 weitere Menschen starben an den Folgen.

Es werden auch noch Frauen gesucht, die die Flamme für einen gewissen Zeitraum hüten.

„Computern für den Frieden“

Hiroshimatag_Bonn_2012 (1)

Morgens 9.30 Uhr: Ich checke meine Kladde– mein Notizheft.

Da mein Praktikumsleiter mit mir immer am Vortag bespricht, was für den nächsten Tag ansteht, wusste ich schon ungefähr was mich heute erwarten würde: Antikriegstag, Hiroshima- und Nagasakitag und entsprechende Emails . Eine solche Email kam dieses Mal von Kristian selbst, mit der Bitte: „Schreib doch was zum Hiroshima-/Nagasakitag und den Vorbereitungen die dazu laufen.“. – Die Bitte kam nicht von ungefähr, ich bekomme das Ganze ja praktisch live mit.

Es hatte schon seinen Grund, dass ich gleich zu Anfang davor gewarnt habe, dass Texte schreiben nicht gerade meine Stärke ist. Besonders bei dem Thema; wo soll ich anfangen ?
Hätte man mir diese Aufgabe noch vor einem Monat zugeteilt, dann hätte ich eben in den Weiten des Netzes nach Infos gefischt, was denn so alles stattfindet, wo und wann. Ich hätte auf der Webseite des Netzwerks ca. 60-70 Veranstaltungen fein säuberlich, alphabetisch geordnet vorgefunden, die überall verstreut in Deutschland stattfinden. Wahrscheinlich hätte ich 1-2 Sätze dazu geschrieben, wie das Netzwerk die Liste immer up-to-date hält und wie lang die Liste an Veranstaltungen ist und was die größten Städte so machen.
Das Netzwerk…. klingt groß, das trifft aber nur auf die geleistete Arbeit zu. Meistens wird der Job, diese Liste „frisch“ zu halten auf gerade mal 2-3 Leute verteilt; einer schickt die Mails an die Veranstalter des vorigen Jahres (ja an alle), um zu fragen, ob für dieses Jahr wieder etwas geplant wird. Der andere schreibt die Antwort, die wir darauf bekommen um und fügt sie der Liste hinzu.
*Bling* Eine Antwort auf eine Mail von letzter Woche: MfG, XY. Mehr steht da nicht und ein Flyer zur der diesjährigen Veranstaltung wurde beigefügt. Das wird natürlich erst mal umgeschrieben und die Infos die man braucht herausgebrochen. Schade, dass nicht immer alles so dasteht wie wir es brauchen, bzw. das mit den Mails nicht immer so klappt, wie man es gern hätte. Manchmal fehlen Infos die noch nicht feststehen, manchmal kommt keine Antwort und regelmäßig muss man die neuen Emails im Posteingang erstmal suchen.
Hier und da sind Mailadressen, nicht mehr aktuell, die Viten der Redner müssen nach Sherlock-Holmes-Art zusammengekratzt werden. Es fehlen Flyer, Details, Reden oder immer noch Antworten….
Wieder geht eine Email-Welle vom Netzwerk aus und wieder kommt eine Info-Welle zurück die mühsam umgeschrieben, verkürzt, angepasst, übersetzt, eingeordnet und aktualisiert werden muss. Das ganze läuft natürlich gleichzeitig zu den Vorbereitungen für andere Veranstaltungen, wie den Antikriegstag (weitere 150-200 Veranstaltungen). Dafür das ganze nochmal, nur in grün.
Wenn alles da ist, geht die nächst Welle vom Netzwerk aus: Die Frage ob die Infos, die wir soweit haben, noch aktuell sind und die erneute Bitte um Details und Flyer. Wieder eine Welle an Antworten – wieder wird die neue Info hinzugefügt.
Zusammen ungefähr 200-250 Veranstaltungen. Derselbe Ablauf. Dieselben 2-3 Leute… Nicht gerade ein Strandspaziergang, eher ein Sprint.
Ich möchte mich aber nicht beschweren: Tee, Musik, Kekse, ein schöner Ausblick, tolle Mitarbeiter/Praktikanten und die Arbeit selbst machen das Ganze zu einem sehr interessanten Sprint. Einer bei dem schnell klar wird: nicht nur die großen Städte haben interessante Hiroshimatage zu bieten und nicht alle Hiroshimatage sind gleich. Zwischen all den Emails trudeln Organisationen und Gruppen ein von denen ich noch nie gehört habe oder nicht erwartet hätte, dass sie sich mit einer Veranstaltung an diesem Tag beteiligen würden. Eine bunte Mischung aus Gewerkschaften, Kirchengemeinden, politischen Parteien, Schulen, Friedensorganisationen und Vereinen. Durch meinen Blick „hinter die Kulissen“ komme ich bei dem „Sprint“ an Städten wie Todendorf , Wedel und Sievershausen vorbei, die mit (akustischen) Mahnwachen, Konzerten, Diskussionsrunden, Radmarathons, Workshops, Kundgebungen, Ausstellungen und öffentlichen Fastenaktionen locken. Hier und da stolpere ich über schwimmende Lichterketten auf der Fulda, buddhistische Lichterzeremonien, Lotosblüten und schwimmende Teelichter auf dem Mühlenteich und überlege wie gern ich das sehen würde, am liebsten alles gleichzeitig.
*Bling* wieder eine Mail: dieses Mal eine Veranstaltung von den Motorradfahrer/innen ohne Grenzen.
Ich lächle. Wer hätte das gedacht? Was soll ich sagen? Die Mischung ist bunt, umfangreich und ich freue mich, dass ich dabei bin und meinen Teil für die gute Sache beitragen kann.
Bis die nächste Welle losbricht; Manche Reden werden erst hinterher freigegeben. Grüße und Dankesworte werden an alle, die geholfen und etwas organisiert haben, gesendet.
Die letzte Welle wird es nicht sein, denn die nächste Veranstaltung lässt schon auf sich warten.

Sarah Adeyemi studiert an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve Internationale Beziehungen (BA) und macht im Juli und August 2013 ein Praktikum beim Netzwerk Friedenskooperative in Bonn.

Unser Mut wird langen, nicht nur in Mutlangen – auch in Büchel

Umbruch

©Manfred Kraft/Umbruch Bildarchiv

Am 1.September 1983 wurde in Mutlangen ein Meilenstein zivilen Ungehorsams gesetzt, indem tausende Menschen gewaltfrei gegen die Stationierung von 36 amerikanischen Pershing II-Raketen demonstrierten.
Die drei Tage andauernde Großblockade wurde von 150 bekannten Persönlichkeiten unterstützt, darunter Petra Kelly, Heinrich Böll und Günter Grass.

Leuschner Böll

©Udo Leuschner

Zunächst wurde ein Friedenscamp ins Leben gerufen, das die Demonstranten auf die Blockadeaktion vorbereiten und sie in gewaltfreier Aktion trainieren sollte.
Anschließen wurden vom 1. bis zum 3. September die Einfahrtstore zum US-Army Airfield blockiert, um öffentlichkeitswirksam auf Massenvernichtungsmittel und Umweltzerstörung aufmerksam zu machen  und ein Zeichen des gewaltfreien Widerstands zu setzen.

Dessen ungeachtet genehmigte der deutsche Bundestag am 22.11.1983 die Stationierung der Pershing II-Raketen und nur drei Tage später trafen die ersten Atomraketen in Mutlangen ein.
Obwohl dieser Rückschlag zu Resignation der breiten Masse führte, gab es immer noch eine Dauerpräsenz von Demonstranten sowie Blockadeaktionen kleiner Gruppen.
1990 wurden die Pershing II-Raketen endgültig abgezogen.

Heute, 30 Jahre später, wird der Fliegerhorst in Büchel, das letzte Atomwaffenlager in Deutschland, von entschlossenen Friedensaktivisten und Friedensaktivistinnen dichtgemacht.
Vom 2. bis zum 4. August 2013 wurde für die eine Welt ohne Atomwaffen gefastet. Das Fasten wird am 9. August beendet und anschließend wird mit der Protestaktion begonnen. Am 11./12. August wird mit Musik, Kunst und vielen weiteren kreativen Ideen unter dem Motto „Abrüstungsinstrumente – Rhythm beats Bombs“ auf die gescheiterte Politik aufmerksam gemacht, die sich über den mehrheitlichen Wunsch der Menschen nach einer atomwaffenfreien Welt hinwegsetzt.
Um fünf vor zwölf starten die Protestaktionen vor dem Haupttor mit dem Auftaktkonzert der LEBENSLAUTE, dem Startschuss der 24-Stunden-Blockade.
Mit dabei sind außerdem unter anderem Nina Hagen, Wareika, Guaia Guaia und Klaus der Geiger. Zudem wird der deutsche IPPNW-Vorstand in Büchel tagen.

vb

©Udo Leuschner

Schon in Mutlangen wurde gezeigt, dass für die nachfolgenden Generationen Verantwortung übernommen werden muss, was jetzt in Büchel seine Fortsetzung finden soll – denn die Aktionen in Büchel sind weitere zentrale Schritte zur weltweiten Abrüstung
Mehr als 300 Organisationen und Einzelpersonen rufen zur Aktion auf. Die Arbeitsgruppe Büchel der Kampagne „atomwaffenfrei.jetzt“ bittet alle, die an diesen Aktionen des gewaltfreien Widerstands teilnehmen,  keine körperliche oder verbale Gewalt gegen Personen anzuwenden  und hofft auf zahlreiche Beteiligung an der Blockade, die ein Zeichen für Abrüstung setzen soll.

Am Sonntag 11. August von 16:00 bis 18:00 Uhr gibt es ein Treffen „Unser Mut wird langen – nicht nur in Mutlangen“ am Haupttor des Atomwaffenstandorts Büchel. Wir freuen uns, viele zu treffen, die einst in Mutlangen blockierten und jetzt in Büchel zivilen Ungehorsam gegen die Atomwaffen leisten.

4099 /Mutlangen, Protest gegen Pershing II-Atomraketen

©Thomas Pflaum/Visum

1074328_10200609561740017_2106815809_o Hanna Punken ist Praktikantin bei IPPNW und studiert Sozialwissenschaften in Göttingen.