Global Zero Now (Nettetal – Uden)

30. Mai 2012

Wie versprochen melden wir uns zurück, um über das gestrige Abendprogramm zu berichten. Um 20 Uhr wurden wir vom Pfarrerehepaar Engelke mit zwei Autos abgeholt und zum Pfarrzentrum nach Nettetal gefahren. Dort gab Andreas Zumach ein kurzes Statement zur aktuellen Situation nach dem NATO-Gipfel in Chicago und den Modernisierungsplänen der NATO, die euphemistisch mit den Worten „keep the devices up to date“ umschrieben werden. Wolfgang Schlupp-Hauck stellte die Ziele der Kampagne „Global Zero Now“ vor,  zu der unsere Radtour den Auftakt bildet. Nachdem Johanna Pfeffer die neuen TeilnehmerInnen der Tour – darunter das finnisch-deutsche Ehepaar Anneli und Dieter – begrüßt hatte, tauschten wir uns bei einem leckeren und reichhaltigen Abendessen mit unseren Gastgebern aus, die uns auch wieder zurück zur Jugendherberge chauffierten.

Jetzt aber zur heutigen Etappe:

Nach wenigen Kilometern passieren wir die holländische Grenze und halten kurz am Mahnmal für den Fliegerhorst Venlo, das an die Ereignisse während der beiden Weltkriege erinnert. Wichtig ist für uns die Information, dass zur Erweiterung des Flugplatzes viele KZ-Häftlinge aus den Niederlanden eingesetzt wurden.

Und jetzt sind wir in den Niederlanden, also wird ab jetzt „gefietst“!

Nach der Mittagspause in einem Park nahe dem Bahnhof vonVenray können wir unseren neuen Mitradler Ronaldo begrüßen. Nach weiteren 50 Kilometern auf gut ausgebauten Radwegen erreichen wir Uden, wo uns AktivistInnen von der „Stichting Atoomvrijstaat“ und vom „Vredesburo Eindhoven“empfangen und vorzüglich bewirten.

Dank der guten Pressearbeit gab es einige Presseberichte im Vorfeld:

http://uden.kliknieuws.nl/nieuws/141737/vredesfietstocht-passeert-volkel

http://www.brabantsdagblad.nl/regios/udenveghel/11081448/Fietsen-tegen-kernwapens-in-Uden-en-Volkel.ece

Wir sind gespannt auf die Aktion an der „Vliegbasis Volkel“ am nächsten Tag und freuen uns, zwei (!) Nächte im selben Quartier zu verbringen.  Mehr Fotos vom Tage gibt es hier.

Tot ziens Judith en Ernst

Global Zero Now (Erftstadt – Mönchengladbach – Nettetal)

29. Mai 2012

… der Reisesegen ist gespendet, es erklingt noch ein Lied und auf geht’s auf die 95 km lange Reise.  Hanna Jaskolski begleitet uns noch ein paar Kilometer bis zum Schloss Gymnich. Gegensätzlicher kann eine Fahrtroute kaum ausfallen: am Horizont – wir sind noch viele Kilometer entfernt – taucht das Braunkohlekraftwerk Frimmersdorf auf, ein technisches Monstrum im fruchtbaren Bördenland. Riesige Förderbrücken spannen sich über Radweg und Erft.  Der Fluss ist braun gefärbt, wir vermuten von den Resten der Abraumhalden. Andererseits ist die Erft in diesem Bereich auch ein durchaus idyllischer Fluss mit Fischen und geruhsam schwimmenden Schwänen.

Am Stadtrand von Mönchengladbach empfangen uns begeisterte Mitglieder der örtlichen Friedensbewegung. Sie geleiten uns zum kirchlichen Veranstaltungszentrum „TAK“, wo wir von Presse und Lokal-TV erwartet werden.  Nach kulinarischer Stärkung geht es weiter nach Nettetal. Nachdem wir auch den letzten Anstieg schiebend überwunden haben, stehen wir vor der Zirkus-Jugendherberge Hinsbeck. Hier kam es zu einem überraschenden Outing: Joachim, unser „letzter Mann“, hat vor vierzig Jahren bereits als Schüler die Betten getestet.

Abendprogramm gabs natürlich auch, morgen mehr…

Schluss für heute

Judith & Ernst

P.S. Es gibt auch ein sehr schönes Video des Auftakts der Radtour in Stuttgart. Vielen Dank an Quer-TV und im Besonderen an Willfried!

Global Zero Now (Schleiden – Nörvenich – Erftstadt)

28. Mai 2012

Als Testlauf für den Termin im NATO-Hauptquartier startete eine Vorhut um 7 Uhr 30 vom Campingplatz ins Zentrum von Schleiden. Dort ließen wir uns zu einem ausgiebigen Frühstück auf dem Marktplatz nieder. Nach einem kurzen Anstieg brauchten wir uns nur noch von der Eifel ins Flachland rollen zu lassen. Gegen 12 Uhr bekamen wir einen Anruf von vier UnterstützerInnen von attac Brühl, die zu uns stoßen wollten. So wuchs unsere Gruppe auf den letzten Kilometern bis Nörvenich auf 14 Leute an.

Im dortigen Park trafen wir FreundInnen der örtlichen Friedensgruppen und unser Begleitfahrzeug. Bald machten wir uns auf zum Fliegerhorst Nörvenich. Dort gab Georg Fritzen von der Pax Christi-Gruppe in Düren einen Überblick über den Widerstand gegen den Militärflugplatz seit den 1950er Jahren bis heute. Die letzten dort gelagerten Atomwaffen seien erst 2005 abgezogen worden.

Bevor wir die Briefe der Mayors for Peace und ein Schreiben der Pax Christi-Gruppe an den Wachsoldaten zur Weiterleitung übergaben, legten wir nochmals die Installation NUCLEAR GRASS aus.

Anschliessend wurden wir von Hanna Jaskolski und der örtlichen Pax Christi-Gruppe am Marktplatz von Lechenich mit Musik empfangen.

Im Mittelpunkt der Abendveranstaltung im Pfarrzentrum stand ein Vortrag von Andreas Zumach, nachdem der Bürgermeister alle Teilnehmer mit freundlichen Worten begrüßt hatte. „Blue Flower“ heisst die Sängerin, die mit sorgsam ausgewählten Liedern – alle bezogen sich auf das Thema der Radtour GLOBAL ZERO NOW – den Abend zur Freude der Gäste umrahmte.

Am nächsten Morgen wurden die Gäste an der Kirche von Lechenich vom Pfarrer mit einem Reisesegen verabschiedet und eine Etappe von 95 km begann…

Eure BloggerInnen

Ernst & Judith

Global Zero Now Pfingstsamstag (Cochem – Büchel – Dreis-Brück)

26. Mai 2012

Der Tag bringt zunächst eine stramme Bergprüfung für die RadfahrerInnen: von Cochem aus müssen zuerst die Höhen der Vor-Eifel erklommen werden. Dort liegt das erste Tagesziel, der Fliegerhorst Büchel, wo immer noch Atombomben der USA lagern, die im Kriegsfall von deutschen Piloten ins Ziel geflogen würden. Aktive PazifistInnen aus der Region empfangen uns vor der Luftwaffenbasis mit Transparenten und Fahnen. Die Begleitfahrer des Münchner Fahrzeugs bauen eine Kunstraseninstallation auf. Die Installation NUCLEAR GRASS stammt von Annamalt und Edward Naujok aus Föhren bei Trier. Diese Installation soll an allen drei Atombombenlagern gezeigt werden, die wir erreichen wollen. Mit einfachen Mitteln zeigt das Kunstwerk, was im Falle des Atomkriegs die Überreste wären: Asche und Brandreste von Mensch und Tier. Elke Koller von der Friedensgruppe Daun eröffnet die anschließende Kundgebung mit ihrem Vortrag. Sie berichtet über ihre juristische Auseinandersetzung mit den Verwaltungsgerichten bezüglich ihrer Klage betreffend die Stationierung von Atomwaffen. Anschließend schlägt Andreas Zumach einen Bogen von den ersten Protesten gegen den NATO-Doppelbeschluss 1979 zur derzeitigen Situation. Die Bedrohung durch einen tatsächlichen Atomwaffeneinsatz wächst seiner Meinung nach auch heute wieder an und zwar durch die Modernisierung des atomaren Arsenals und die gleichzeitige Installierung des westlichen Raketenabwehrschirms. Zum Abschluss der Veranstaltung übergibt Wolfgang Schlupp-Hauck ein an den Kommandanten der Fliegerbasis gerichtetes Schreiben mit Kopien der Briefe der Mayors of Peace an den NATO Generalsekretär , welche auch an den anderen Atomwaffenstandorten in den Niederlanden und Belgien übergeben werden sollen.

Mehr Fotos vom Tage gibt es hier.

Schöne Grüße von Judith und Ernst

Global Zero Now (Darmstadt – Mainz – Koblenz – Cochem)

In Mannheim wurde die Radgruppe "Global Zero Now" von der Stadträtin Gabriele Rhirion-Brenneisen am 22.5. empfangen

23.- 25. Mai

Nach zwei Tagen Pause melden wir uns wieder mit unserem Blog zurück.

Ein veritables Schloss war der Schauplatz des Vortragsabends am 22. Mai. In die Räume der Technischen Universität Darmstadt waren wir eingeladen vom Darmstädter Friedensforum und der interdisziplinären Arbeitsgruppe Naturwissenschaft, Technik und Sicherheit (IANUS) zum Thema „Atomwaffen abrüsten statt modernisieren“. Unter der Leitung von Moritz Kütt (IANUS) diskutierten Regina Hagen vom Darmstädter Friedensforum und der Initiator unserer Radtour Wolfgang Schlupp-Hauck. Kritisiert wurde insbesondere, dass die im Nichtverbreitungsvertrag von 1970 angekündigten Verhandlungen über die vollständige nukleare Abrüstung noch immer nicht begonnen haben. Auch der jüngste NATO-Gipfel habe in dieser Angelegenheit leider wieder die falschen Impulse geliefert, so die Meinung der ReferentInnen.

Am 23. Mai empfingen uns in Mainz die Ortsvorsteherin der Mainzer Altstadt und ihr Stellvertreter. Auch hier konnten wir einen Brief an den NATO-Generalsekretär mitnehmen und wurden in der Kantine bewirtet. So gestärkt ging es weiter nach Wiesbaden, wo uns die Piraten-Linke Fraktion schon auf dem Schlossplatz erwartete. Nachdem sie ihre Solidaritätsadresse öffentlich verlesen hatten, trafen wir uns in den Räumen der Fraktion zu einem kurzen Austausch und Erfrischungen.

Am Campingplatz in Rüdesheim in den Rheinauen treffen wir den taz-Journalisten Andreas Zumach. Außerdem erwartet uns eine angenehme Überraschung: die Zelte sind schon aufgestellt! Nach einem spartanischen Essen nach den letzten üppigen und einer kleinen Gesprächsrunde kriechen wir in unsere Zelte.<

Die nächsten beiden Tage haben wir keine offiziellen Termine außer einem kurzen Treffen mit Nils Wiechmann (MdL Grüne) vor der Koblenzer City-Kirche, der sich mit unseren Anliegen solidarisiert. Die idyllische Landschaft und die Weltkulturerbe-Schilder lassen es unwirklich erscheinen, dass nur gute 50 Kilometer von Koblenz immer noch Atomwaffen lagern.

25.05.2012 Koblenz bis Cochem

9 Uhr 15: Start mit leichter Verspätung im Haus Wasserburg in Vallendar bei Koblenz.

<Die Moselbrücke, die wir in Koblenz nehmen wollen ist gesperrt. Spontan führt uns eine kontaktfreudige Radlerin, die unser Problem erkennt, auf eine alternative Route.

Schon gegen 15:00 Uhr erreichen wir nach zwei kurzen Pausen an der unteren Mosel unser Etappenziel Cochem.

Während unsere Fahrer noch eine Kunstinstallation für die morgige Aktion in Büchel bei Annamalt in Trier abholen, haben wir die Wahl zwischen einem chilligen Nachmittag und einem Referat über die Kampagne “Hallo Finanzamt – Steuern gegen Gewalt“ vom Netzwerk Friedenssteuer. Die Mehrheit lässt sich für letzteres motivieren.

Am Abend begrüßen wir drei neue TeilnehmerInnen, darunter Leonid, den ersten Mitradler aus den Niederlanden. Außerdem kommt heute unser neuer Begleitfahrer dazu: Ernst von der DFG-VK Mittelbaden.

A bientôt

Judith et Ernest

Mehr Bilder der letzten Tage gibt es hier:

23. Mai

24. Mai

25. Mai

Global Zero Now (Mannheim – Biblis – Darmstadt)

Gruppenfoto vor dem AKW-Biblis, "Fukushima mahnt!"

22. Mai 2012

Das gute Wetter bleibt uns weiterhin treu. Auch gestern hatten wir wieder strahlenden Sonnenschein, perfektes Wetter zum Radeln. Einzig allein die Beschlüsse des NATO-Gipfels in Chicago, dass die Atomwaffen aus Europa nicht abgezogen werden, trübt ein wenig die Stimmung. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen und radeln weiter für eine atomwaffenfreie Welt!

Gestern führte uns unser Weg von Mannheim über Biblis nach Darmstadt. In Mannheim wurden wir von der Grünen Stadträtin Gabriele Rhirion-Brenneisen empfangen. Auch sie unterschrieb im Namen des Bürgermeisters von Mannheim den Brief an Generalsekretär Rassmussen. Ebenso versprach sie, dass sich Mannheim in Zukunft noch stärker für eine Welt ohne Atomwaffen einsetzen wird.

Nach dem herzlichen Empfang im Mannheimer Rathaus setzten wir uns in Bewegung in Richtung AKW-Biblis. Die Fahrt dorthin war sehr schön, nur eine kleinere Fahrradpanne war zu bemängeln, die aber von einem erfahrenen und gerade zu uns gestoßenen Fahrradbastler fachmännisch behoben wurde. Neben der leicht erhöhten Strahlung waren am AKW-Biblis auch viel Personal der Werkssicherheit anzutreffen, die uns, im Gegensatz zu den Mannheimern, recht argwöhnisch empfingen. Als am Begleitfahrzeug, das vor dem RWE Informationszentrum am AKW auf die Radler wartete, die erste Fahne zu sehen war, sah sich das Wachpersonal gezwungen umgehend die Polizei zu alarmieren. Die zwei herbeigeeilten Polizeibeamten verhielten sich jedoch äußerst nett und nahmen „nur“ die Personalien des Begleitfahrers auf. Aber diese Schikanen nahmen wir gerne in kauf für ein sehr schönes Gruppenfoto mit dem Banner „Fukushima mahnt“.

Am späten Nachmittag erreichten wir dann Darmstadt und waren froh über eine abkühlende Dusche. Der anschließende Empfang im Rathaus und ein Vortragsabend zu den Ergebnissen des NATO-Gipfels in Chicago wurde vom Darmstädter Friedensforum organisiert. Darüber berichten wir im morgigen Eintrag!

Bei Flickr gibt es wieder tolle Fotos vom Tag!
Morgen geht es dann Richtung Mainz und Wiesbaden!

Euer Philipp

Demo gegen NATO-Gipfel in Chicago

Bei 30 Grad Hitze protestierten bis zu 15.000* Menschen am Sonntag vielfältig gegen die NATO in Chicago

Aus Deutschland waren die Abgeordneten von DIE LINKE: Inge Höger und Tobias Pflüger (letzterer auch von der Informationsstelle Militarismus), sowie Elsa Rassbach (American Voices  Abroad Military Project & DFG-VK) und Marion Küpker (GAAA/DFG-VK) mit unserem Kampagnen-Transparent „für den Abzug und gegen die Modernisierung der US-Atomwaffen in Deutschland und Europa“ dabei. Die bekannte Journalistin Amy Goodman interviewte Reiner Braun und Jesse Jackson neben Lucas Wirl (INES).

Unser Transparent “ Nuclear Weapons Illegal“, was die Waage der Gerechtigkeit aufzeigt, in der die Atomwaffen schwerer wiegen als das Völkerrecht (der Internationale Gerichtshof in Den Haag erklärte bereits am 8. Juli 1996 in seinem Gutachten den Einsatz und die Drohung mit Atomwaffen für illegal), erfuhr durch einen Passanten so große Zustimmung, das dieser das Transparent bis zum Ende der Demo mit trug.

Es stellte sich heraus, das dieser Passant ein Rechtsprofessor an einer Chicagoer Universität ist. Bei 30 Grad Hitze zeigten viele Umwelt- und Friedensgruppen (z.B. Code Pink), sowie Menschen aus den Ländern, die von der NATO besetzt werden, wie ihre Themen mit der NATO zusammen hängen.

Höhepunkt war die Rückgabe der Kriegsmedaillen von 40 US-SoldatInnen: darunter vier Frauen (eine afroamerikanische, eine lateinamerikanische Frau, sowie zwei weiße Soldatinnen) und sieben afroamerikanische Soldaten, drei lateinamerikanische, einer aus Puerto Rico…

Ray Parrish (Military Counseling Service) erklärte, welche zusätzlichen Probleme heute beim US-Militär durch den dortigen Sexismus und Rassimus entstehen. Während junge SoldatInnen in der Schule lernen, dass diese „ismen“ der Vergangenheit angehören, machen sie beim Militärdienst genau gegensätzliche Erfahrungen. So werden z.B. 50 % des weiblichen Militärpersonals im Dienst von ihren „Kameraden“ vergewaltigt und unter den Männern liegt die Quote bei 10 %…

Und über die wirklichen Hintergründe ihres Kriegseinsatzes werden sie von Anfang an belogen…

Erst nach Abschluss der Demo kam es zu den in den Medien gezeigten Bildern über gewalttätige Zusammenstöße zwischen Polizei und Protestanten. Diese Bilder waren anscheinend gewollt, da auf der Demo viele Menschen (auch mit ihren Kindern) waren, welches ein ganz anderes Bild auf die Seriösität dieser  Proteste wirft. Stattdessen lief die Aufstandspolizei erst am Ende groß auf, um die verbliebenen Menschen schnellst möglich und rabiat auflösen zu wollen, was einige nicht einfach hinnehmen wollten.

*laut Demo-Organisatoren.

Hier sind alle Bilder von der Demo in Chicago

Marion Kuepker, atomwaffenfrei.jetzt

Marion Küpker  ist von der GAAA – “Gewaltfreie Aktion Atomwaffen abschaffen” und Mitglied des Kampagnenrats von “atomwaffenfrei.jetzt”