Occupy Nukes

Xanthe Hall, IPPNW

Xanthe Hall, IPPNW

Vor mehr als einem Jahrzehnt wurde der Slogan „Denkt global, handelt lokal“ geprägt. Nach dem 15. Oktober 2011, als Hunderttausende Menschen bei unter dem Motto „15O/Occupy Wall Street“  weltweit auf die Straßen gegangen sind und eine neue soziale Bewegung entstand, wurde zum Slogan hinzu gefügt: „ … und handelt global“. In dieser vernetzten Welt, wo wir alle mit der Internet verbunden sind, hat das Handeln auf lokaler Ebene sofort globale Auswirkungen. Erst wenn es unter einem Dach als gemeinsame Aktion begriffen wird, verwandelt sich dieses Handeln in eine Weltmacht, wie sie schon einmal am 15. Februar 2003 – unmittelbar vor dem Irakkrieg – von den Medien beschrieben wurde.

In Deutschland haben wir in den letzten Monaten unsere Kraft gespürt, als es um das Thema Ausstieg aus der Atomenergie ging. Da war sie wieder – die Bewegung. Aber wenn es um das „alte“ Thema Atomwaffen geht, bewegt sich wenig, obwohl es nahezu einen gesellschaftlichen Konsens für die Abschaffung aller Atomwaffen gibt. Das  wollen wir ändern.

96% der Staaten weltweit sind atomwaffenfrei, ca. 4% besitzen Atomwaffen. Davon haben fünf Länder einen ständigen Sitz und Vetorecht im UN-Sicherheitsrat. Diese Staaten – die USA, Frankreich, Großbritannien, Russland und China – nehmen seit 43 Jahren für sich das Recht in Anspruch, die Welt mit kompletter Vernichtung zu bedrohen. Die Weltordnung wird durch Atomwaffen zementiert. Hier  geht es um die absolute Macht.

Das Thema Atomwaffen ist zentral für die Frage globaler Gleichberechtigung. Es geht ja nicht nur um die Mehrheit der Staaten, und wie sie bei Verhandlungen wahrgenommen werden – als Großmächte, Mittelmächte oder unbedeutende Staaten. Es geht auch um die Freiheit aller Menschen dieser Welt ohne ständige Bedrohung zu leben. An sich ein grundsätzliches Menschenrecht.

Das Denken modernisieren, nicht die Atomwaffen

Alle Atomwaffenstaaten modernisieren zurzeit ihre atomaren Arsenale und die Infrastruktur für die Herstellung von Atomwaffen. Trotz über 65 Jahren Weiterentwicklung, mit den Daten von mehr als 2000 oberirdischen, unterirdischen und „subkritischen“ Atomtests, die auf riesigen Superrechnern bearbeitet wurden, behaupten die Sprecher der Atomlabors, dass die Atomwaffen veraltet sind. Alleine die USA geben über 80 Milliarden für diese Generalüberholung aus. Trotz der aktuellen Finanzkrise.

Dennoch stellt sich grundsätzlich die Frage, ob die nukleare Abschreckung im 21. Jahrhundert überhaupt die Grundlage für unsere Sicherheit bilden kann? Geboren aus der Not, war die Abschreckung eine schnelle Antwort auf die Entwicklung von Atomwaffen in immer mehr Staaten zwischen den 1940er und 60er Jahren. Vielen schien ein Gleichgewicht des Schreckens zwischen den beiden Supermächten als sinnvoll, trotz ständiger Bedrohung eines Atomkrieges. Jetzt, 20 Jahre nach Ende des Kalten Krieges, in einer weitgehend vernetzten Welt, ist die Existenz von Atomwaffen einfach absurd. Als Überbleibsel einer alten Zeit, haben wir nur noch das Problem, wie wir sie am schnellsten  abschaffen können. Es sind nicht die Atomwaffen, die veraltet sind, sondern das Konzept der Abschreckung. Wir brauchen neues Denken, um eine zeitgemäße und zukunftsfähige Grundlage für die Sicherheit zu entwickeln.

atomwaffenfrei.jetzt

Die „Occupy“-Bewegung sucht neue Wege und Prozesse, Selbstbestimmung und echte Demokratie zu praktizieren, live auf der Straße. Sie wollen nicht organisiert werden, sie wollen die Mehrheit spüren und erleben. Auch die Internationale Kampagne für die Abschaffung aller Atomwaffen (ICAN = International Campaign for the Abolition of Nuclear weapons) will anders sein, als vorherige Kampagnen. Sie soll nicht von oben dirigiert werden, sondern überall organisch entstehen, dort wo Menschen Lust dazu haben. In Australien, Norwegen, der Schweiz, Frankreich, Großbritannien, Israel, Südafrika, Philippinen, Italien und vielen weiteren Ländern sind nationalen Kampagnen entstanden. Auch in Deutschland ist die Kampagne atomwaffenfrei.jetzt Partner von ICAN.

Uns allen verbindet ein Ziel: das  Verbot und die Abschaffung aller Atomwaffen – weltweit. In jedem Land gibt es jedoch spezifische Ziele, die wir verfolgen. In Deutschland wollen wir, dass die US-Atomwaffen, die in Büchel stationiert sind, abgezogen und damit nicht modernisiert werden. In Australien kommt das Ziel hinzu, Uranabbau zu stoppen; in Großbritannien, die Entscheidung für eine Modernisierung des Trident-Systems rückgängig zu machen. In Deutschland heißt die Kampagne atomwaffenfrei.jetzt, in Italien, senza atomica, in Norwegen Forby Atomvåpen.

Außer dem gemeinsamen Ziel, Atomwaffen zu verbieten, verbindet uns auch das Internet. Über verschiedene Plattformen werden wir als globale Kampagne sichtbar – die internationalen Webseiten icanw.org, bombsnomore.com, millionpleas.com; über Ning, Twitter, Facebook. Damit können wir Informationen und Ideen, Bilder und Videos austauschen. Somit machen wir „virales“  Campaigning, wo Elemente der Kampagne eines Landes, die Kampagne eines anderen anstecken. Beispielsweise entsteht eine erste Idee in Holland, diese wird in Deutschland weiter entwickelt und im Genfer Büro als Poster produziert, das über Facebook gepostet und allgemein  mitgeteilt wird. Oder ein Video wird aus vielen kurzen Beiträgen, mit einem verbindenden Element aus allen Teilen der Welt, zusammen geschnitten und am Ende entsteht eine Kampagnenaussage, die von allen geteilt wird.

Aber wir wollen nicht nur im Internet sichtbar sein, sondern auch von den Mainstreammedien wahrgenommen werden. Daher werden wir auch ganz normal mit Veranstaltungen, Materialien und Aktionen die Öffentlichkeit über unsere Kampagne vor Ort aufklären, Fakten über Atomwaffen, Hintergründe und Forderungen verbreiten.

Der Start der deutschen Kampagne atomwaffenfrei.jetzt wird am 26. März 2012, der 2. Jahrestag des deutschen Bundestagsbeschlusses für den Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland, sein. Vorher gibt es viel zu planen und vorzubereiten. Wenn Ihr mitmachen wollt, schaut mal diese Seite an. Dort gibt es erste Ideen für Leute, die ein wenig, mehr oder sogar viel mehr beitragen wollen. Wir suchen weitere Ideen und Kreativität– über unsere Facebook Page könnt Ihr am besten mit uns und einander kommunizieren.

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