ICAN – Ich schaffe es, mit ein bisschen Hilfe von meinen FreundInnen

Xanthe Hall, IPPNW

Xanthe Hall, IPPNW

FreundInnen sind im 21. Jahrhundert etwas anderes, als wir früher meinten. Früher waren sie Leute, die mit mir in die Kneipe oder ins Kino gingen; heute habe ich über 400 FreundInnen, die mit mir interessante oder witzige Links und Videos teilen und zwar über Facebook. Auf der Konferenz der Internationalen Kampagne für die Abschaffung aller Atomwaffen (ICAN) in Genf am 17. und 18. September wurde diese Wende sowohl bedauert als auch gefeiert. Aber die TeilnehmerInnen jüngerer Semester waren einig: wenn man eine Kampagne machen will, braucht man Facebook-FreundInnen und Twitter-Followers. Wichtig ist, gemocht zu werden und die Kurznachrichten, die man postet, werden breit geteilt.

Die ursprüngliche Idee von ICAN kam von einem Arzt namens Ron McCoy, der in Malaysia schon lange in wohlverdienter Pension lebt. Selbst hat er keinen Facebook-Account. Er hat nur die IPPNW vor etwa sieben Jahre ermutigt, die Arbeit, die sie bereits lange macht, als Kampagne zu verstehen. Vorbild für eine solche Kampagne war die Internationale Kampagne für ein Verbot von Landminen (ICBL), die 1997 mit dem  Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Die Frau an der Spitze der Kampagne war Jody Williams, die sich jetzt auch für ICAN stark macht.

2007 wurde die Kampagne gestartet. Aber sie blieb weitgehend unbekannt, weil sie auf internationalem diplomatischen Parkett ihren Fokus hatte. Außer in Australien, wo ICAN richtig zur Welt kam. Dort hat die Kampagne fast 60 Partnerorganisationen, eine beeindruckende Liste von prominenten Unterstützer und wird oft in der Presse erwähnt. So war die Hoffnung, dass die Kampagne in anderen Ländern Feuer fängt und überall nationale ICAN-Netzwerke entstehen würden.

In Genf haben wir mit Freude feststellen können, dass dieses Konzept – nach langer, mühsamer Arbeit – aufgegangen ist. Ich habe das Forum mit Magnus Løvold aus Norwegen moderiert, wo Berichte aus vielen Ländern vorgetragen wurden. Die Zahl der Berichte und die Menge der Aktivität waren überwältigend. Und vor allem das durchschnittliche Alter der AktivistInnen zeigt, woher die Energie für diese neue Kampagne stammt: sie waren jung und dynamisch und so wirken auch die Aktionen, die sie machen.

Also, zurück zur Frage der Kommunikation. Junge Menschen sind nicht nur viel mehr im Internet, sie nutzen Social Media Platformen, um zu kommunizieren. Bilder und Filme spielen eine wichtige Rolle. Viele haben iPhones oder Smartphones und sind mobil online, praktisch den ganzen Tag, außer wenn sie schlafen. Wenn sie persönlich mit Menschen in anderen Ländern reden wollen, dann vorzugsweise mit Skype. Auf der Konferenz hatte jede dritte TeilnehmerIn statt Notizbuch ein Netbook oder Handy in der Hand und tippte oder twitterte mit. Als Eltern hört sich das vielleicht schrecklich an, wo wir die Bildschirmzeit unserer Kinder begrenzen wollen. Aber es  ist die Realität und bietet auch eine Chance, mit ihnen über die Kampagne sowohl zu kommunizieren als auch einzubinden.

Ich habe an dem Workshop über Kommunikation teilgenommen. Ich bin im Umgang mit Social Media schon gut versiert, dennoch bin ich über 50 Jahre alt und komme nicht immer ganz mit. Drei Experten standen uns zur Verfügung: Ward Wilson, Fraser Grant und Isaac Griberg. Griberg macht die Betreuung der Social Media für das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (ICRC). Wilson hat Anregungen zu „Messaging“ gegeben. Grant wollte uns über die Entstehung neuer Ideen aufklären. Obwohl der Workshop recht chaotisch ablief und von technischen Problemen belastet war, konnte ich persönlich aus dem Austausch Ideen gewinnen. Meine Schlussfolgerung: nicht die Atomwaffen sollen im Vordergrund der Kampagne stehen, sondern die Menschen und unsere Fähigkeit, uns von der atomaren Kette zu entfesseln. I CAN transportiert die Aussage, dass ich ermächtigt (empowered) bin, persönlich Verantwortung zu tragen. Die Kampagne soll daher unsere Stärke als vernetzte Individuen zeigen.

Eine schöne Aktion als Beispiel – wieder aus Australien zu uns gekommen – ist die Kunstaktion „Bombs no more“ (keine Bomben mehr). Hier kann jede/r mit einem Stift eine Bombe in irgendetwas Friedliches verwandeln.

Am Mittwoch, den 12. Oktober geht es mit der Planung der deutschen Kampagne atomwaffenfrei.jetzt weiter. Die Impulse aus der ICAN-Konferenz werden sicherlich hierzulande Früchte tragen.

Foto: Ogebe Onazi, ICAN Africa

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