Neue Transparenz oder Nebelwerferei?

Regina Hagen

Regina Hagen

Lars Pohlmeier berichtet im vorigen Eintrag bereits, dass US-Außenministerin Hillary Clinton im US-Beitrag zur Generaldebatte der NVV-Überprüfungskonferenz angekündigt hat, dass noch heute (US-Zeit) Zahlen zum US-Atomwaffenarsenal vorgelegt würden.

Und das ist in der Tat geschehen: Vom US-Verteidigungsministerium (DoD) wurde das Fact Sheet Increasing Transparency in the U.S. Nuclear Weapons Stockpile bereit gestellt und als Ergänzung dazu die Mitschrift einer Pressekonferenz, an der auch ein ungenannter Mitarbeiter des Energieministeriums (DoE) teilgenommen hatte – Atomwaffen fallen in den USA in den Verantwortungs- und Budgetbereich des Energieministeriums.

Erhöhte Transparenz also, nach der im Kontext des NVV immer wieder gerufen wird. Hier die Informationen aus dem Fact Sheet:

  • Arsenal: Am 30. September 2009 befanden sich 5.113 nukleare Sprengköpfe im Arsenal der USA. Das sind 84% weniger als 1967, als die USA 31.255 Atomwaffen vorhielten, und 75% weniger als 1989, als die Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland fiel und die USA immer noch 22.217 Atomwaffen besaßen. Eine Grafik macht dann die Entwicklung die US-Arsenals von 1945 bis 2008 deutlich. (Ähnliche Grafiken gab es schon viele – ich finde ja immer, sie sehen aus, wie die Schlange, die einen Elefanten verschluckt hat, aus dem Kleinen Prinzen von Saint Exupery).
  • Zerlegung von Sprengköpfen: Von 1994 bis 2009 zerlegten die USA 8.749 Atomsprengköpfe. Zusätzlich wurden etliche tausend Atomwaffen außer Dienst gestellt (retired), die noch zerlegt werden sollen.
  • Nicht-strategische Atomwaffen [das sind die, die auch in Deutschland stationiert sind]: Die Zahl der nicht-strategischen Atomwaffen der USA sank von 1991 bis 2009 um etwa 90%.

Aha, die Zahl sank um 90%. Von wieviel auf wieviel? Wo stationiert? Mit welchen Trägersystemen? Mit welcher Mission? Was ist der Status der etlichen tausend Atomwaffen „außer Dienst“ – wurden die einfach ins Lager verfrachtet und könnten jederzeit wieder herausgeholt werden? Welche und wie viele Trägersysteme werden für strategische Atomwaffen vorgehalten? Fehlanzeige – keine Aussage.

Sind die Zahlen wenigstens neu? Nun ja… in der Frühjahrsausgabe des Bulletin of the Atomic Scientists schrieben Robert S. Norris und Hans M. Kristensen im Nuclear Notebook: U.S. Nuclear Forces 2009: „Im Januar 2009 enthielt das US-Arsenal etwa 5.200 Sprengköpfe.“ Die beiden Autoren konnten für Ihre Analysen ausschließlich auf öffentlich zugängliche Daten zugreifen, kommen aber praktisch zum selben Ergebnis wie das Transparenz fördernde Fact Sheet von heute – und eine Vielzahl sonstiger Zahlen, die wir dort vergeblich suchen müssen.

Transparenz? Der Weg zur Transparenz wird von den USA weiterhin mit recht viel Nebel verschleiert – dabei wollen die USA durch ihre Transparenzinitiative doch Iran als gutes Vorbild dienen…

Regina Hagen ist aktiv in der Kampagne „unsere zukunft – atomwaffenfrei“ und Redaktionsmitglied der Zeitschrift „Wissenschaft & Frieden„.

Aussenminister Clinton redet vor der NPT-Konferenz

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1 Kommentar

  1. […] die Vertreter der USA, Frankreich, Großbritannien und den Niederlande. Auch die Offenlegung der genauen Zahl ihrer Atomwaffen durch die USA (es sind rund 5000 zu viel) wurde medial […]


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