Global Zero Now (Mannheim – Biblis – Darmstadt)

Gruppenfoto vor dem AKW-Biblis, "Fukushima mahnt!"

22. Mai 2012

Das gute Wetter bleibt uns weiterhin treu. Auch gestern hatten wir wieder strahlenden Sonnenschein, perfektes Wetter zum Radeln. Einzig allein die Beschlüsse des NATO-Gipfels in Chicago, dass die Atomwaffen aus Europa nicht abgezogen werden, trübt ein wenig die Stimmung. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen und radeln weiter für eine atomwaffenfreie Welt!

Gestern führte uns unser Weg von Mannheim über Biblis nach Darmstadt. In Mannheim wurden wir von der Grünen Stadträtin Gabriele Rhirion-Brenneisen empfangen. Auch sie unterschrieb im Namen des Bürgermeisters von Mannheim den Brief an Generalsekretär Rassmussen. Ebenso versprach sie, dass sich Mannheim in Zukunft noch stärker für eine Welt ohne Atomwaffen einsetzen wird.

Nach dem herzlichen Empfang im Mannheimer Rathaus setzten wir uns in Bewegung in Richtung AKW-Biblis. Die Fahrt dorthin war sehr schön, nur eine kleinere Fahrradpanne war zu bemängeln, die aber von einem erfahrenen und gerade zu uns gestoßenen Fahrradbastler fachmännisch behoben wurde. Neben der leicht erhöhten Strahlung waren am AKW-Biblis auch viel Personal der Werkssicherheit anzutreffen, die uns, im Gegensatz zu den Mannheimern, recht argwöhnisch empfingen. Als am Begleitfahrzeug, das vor dem RWE Informationszentrum am AKW auf die Radler wartete, die erste Fahne zu sehen war, sah sich das Wachpersonal gezwungen umgehend die Polizei zu alarmieren. Die zwei herbeigeeilten Polizeibeamten verhielten sich jedoch äußerst nett und nahmen „nur“ die Personalien des Begleitfahrers auf. Aber diese Schikanen nahmen wir gerne in kauf für ein sehr schönes Gruppenfoto mit dem Banner „Fukushima mahnt“.

Am späten Nachmittag erreichten wir dann Darmstadt und waren froh über eine abkühlende Dusche. Der anschließende Empfang im Rathaus und ein Vortragsabend zu den Ergebnissen des NATO-Gipfels in Chicago wurde vom Darmstädter Friedensforum organisiert. Darüber berichten wir im morgigen Eintrag!

Bei Flickr gibt es wieder tolle Fotos vom Tag!
Morgen geht es dann Richtung Mainz und Wiesbaden!

Euer Philipp

Demo gegen NATO-Gipfel in Chicago

Bei 30 Grad Hitze protestierten bis zu 15.000* Menschen am Sonntag vielfältig gegen die NATO in Chicago

Aus Deutschland waren die Abgeordneten von DIE LINKE: Inge Höger und Tobias Pflüger (letzterer auch von der Informationsstelle Militarismus), sowie Elsa Rassbach (American Voices  Abroad Military Project & DFG-VK) und Marion Küpker (GAAA/DFG-VK) mit unserem Kampagnen-Transparent “für den Abzug und gegen die Modernisierung der US-Atomwaffen in Deutschland und Europa” dabei. Die bekannte Journalistin Amy Goodman interviewte Reiner Braun und Jesse Jackson neben Lucas Wirl (INES).

Unser Transparent ” Nuclear Weapons Illegal”, was die Waage der Gerechtigkeit aufzeigt, in der die Atomwaffen schwerer wiegen als das Völkerrecht (der Internationale Gerichtshof in Den Haag erklärte bereits am 8. Juli 1996 in seinem Gutachten den Einsatz und die Drohung mit Atomwaffen für illegal), erfuhr durch einen Passanten so große Zustimmung, das dieser das Transparent bis zum Ende der Demo mit trug.

Es stellte sich heraus, das dieser Passant ein Rechtsprofessor an einer Chicagoer Universität ist. Bei 30 Grad Hitze zeigten viele Umwelt- und Friedensgruppen (z.B. Code Pink), sowie Menschen aus den Ländern, die von der NATO besetzt werden, wie ihre Themen mit der NATO zusammen hängen.

Höhepunkt war die Rückgabe der Kriegsmedaillen von 40 US-SoldatInnen: darunter vier Frauen (eine afroamerikanische, eine lateinamerikanische Frau, sowie zwei weiße Soldatinnen) und sieben afroamerikanische Soldaten, drei lateinamerikanische, einer aus Puerto Rico…

Ray Parrish (Military Counseling Service) erklärte, welche zusätzlichen Probleme heute beim US-Militär durch den dortigen Sexismus und Rassimus entstehen. Während junge SoldatInnen in der Schule lernen, dass diese “ismen” der Vergangenheit angehören, machen sie beim Militärdienst genau gegensätzliche Erfahrungen. So werden z.B. 50 % des weiblichen Militärpersonals im Dienst von ihren “Kameraden” vergewaltigt und unter den Männern liegt die Quote bei 10 %…

Und über die wirklichen Hintergründe ihres Kriegseinsatzes werden sie von Anfang an belogen…

Erst nach Abschluss der Demo kam es zu den in den Medien gezeigten Bildern über gewalttätige Zusammenstöße zwischen Polizei und Protestanten. Diese Bilder waren anscheinend gewollt, da auf der Demo viele Menschen (auch mit ihren Kindern) waren, welches ein ganz anderes Bild auf die Seriösität dieser  Proteste wirft. Stattdessen lief die Aufstandspolizei erst am Ende groß auf, um die verbliebenen Menschen schnellst möglich und rabiat auflösen zu wollen, was einige nicht einfach hinnehmen wollten.

*laut Demo-Organisatoren.

Hier sind alle Bilder von der Demo in Chicago

Marion Kuepker, atomwaffenfrei.jetzt

Marion Küpker  ist von der GAAA – “Gewaltfreie Aktion Atomwaffen abschaffen” und Mitglied des Kampagnenrats von “atomwaffenfrei.jetzt”

Global Zero Now (Bretten – Mannheim)

Gruppenbild in Heidelberg

21. Mai 2012

Gegen 08:00 trudeln wir aus den verschiedenen Privatquartieren auf dem Kirchplatz in Bretten ein und starten bei angenehm kühlen Wetter zuerst durch Wiesen, dann entlang der Bundesstraße Richtung Wiesloch, wo wir überpünktlich zum Empfang mit OB Schaidhammer eintreffen und von Stephan Brües (Bund Soziale Verteidigung) und Günter Schroth begrüßt werden. Nach dem gemeinsamen Mittagessen unterzeichnet der OB in Anwesenheit von lokalen Pressevertretern den vorbereiteten Brief an Nato-Generalsekretär Rasmussen. Der Journalist  lässt sich von Johanna Pfeffer (DFG-VK München) und Wolfgang Schlupp-Hauck (Pressehütte Mutlangen) über die Entstehung der Kampagne und die geplanten Aktionen berichten.

Frisch gestärkt geht es in gemächlichem Tempo weiter nach Heidelberg, wo schon der nächste Empfang auf dem Programm steht. Auf einige einstimmende Lieder der Liedermacherin und Kabarettistin Jane  Zahn folgt eine kurze Begrüßung durch den zweiten Bürgermeister, der ebenfalls unter dem Applaus der Anwesenden den Brief der Mayors for Peace unterzeichnet. Nach einem kurzen Redebeitrag vom Heidelberger Friedensratschlag werden wir vor der Weiterfahrt nach Mannheim in der Rathaus-Kantine bewirtet.

In Heidelberg wirkte mit Sergej Tschachotin übrigens ein bedeutender Vorreiter der Friedensbewegung. Er war Anfang 1930er Jahre am dortigen Kaiser-Wilhelm-Institut  tätig und initiierte Propagandakampagnen gegen die Nazis. Nach dem Krieg setzt er sich mit großem Engagement im Kampf gegen die Atombombe ein.

Es grüßt Euch Judith

PS: Bilder vom Tag gibt es hier!

Global Zero Now (Stuttgart – Bretten)

Gruppenfoto in Vaihingen an der Enz. foto: atomwaffenfrei.jetzt

20. Mai 2012

Unsere heutige Etappe führte uns von Stuttgart über Vaihingen an der Enz nach Bretten.

Nach der eher kurzen Etappe von gestern heißt es heute also wieder etwas kräftiger in die Pedalen zu treten, denn es stehen immerhin knapp 60 km auf dem Programm. Momentan befinden wir uns bereits auf dem idyllischen Marktplatz in Vaihingen an der Enz. Der “Eine-Welt Laden Vaihingen” hat uns hier einen äußerst herzlichen Empfang beschert und uns mit selbstgemachten vegetarischen Maultaschen verwöhnt. Während dem Verzehr der köstlichen regionalen Spezialität bietet sich die Gelegenheit zu interessanten Gesprächen untereinander, aber es sind auch immer wieder unwissende Passanten die sich für unsere Aktion interessieren und die wir dann auch mit ordentlich Infomaterialien versorgen. Das Gefühl mit unserem Thema anzukommen verstärkt unsern Spaß am Radeln. Nach einem kurzen Gruppenfoto vor dem uhrigen Rathaus geht es gleich wieder los in Richtung Bretten.

Einmal angekommen werden wir vom Bürgermeister Brettens, Martin Wolff, empfangen, sowie der lokalen Friedensgruppe. Der Bürgermeister von Bretten unterschreibt sogar den Brief an den NATO Generalsekretär Rassmussen! Danach werden wir von der evangelische Pfarrgemeinde eingeladen die uns sehr (sehr!) lecker verköstigen. Später können wir uns noch auf einen Vortrag von unserem Mitfahrer Wolfgang Schlupp-Hauck freuen, welcher uns als langjähriger Fachman über die aktuelle politische Situation zum Thema Atomwaffen informieren wird.

Die Stimmung im bunten Radlerudel ist jedenfalls prima und wir werden euch bald Weiteres von der Tour berichten!

Euer Till und Philipp

PS: Hier gibt es Fotos vom Tag!

Bürgermeister von Bretten unterschreibt Brief an Rassmussen

Bildung, Ernährung und Gesunheitsversorgung statt Rüstung und Krieg

"Gegengipfel für Frieden & ökonomische Gerechtigkeit" in dem Workshop "US/NATO Atomwaffen in Europa: Abzug längst überfällig"

Einen Tag vor der großen Anti-NATO Demo (am 19. Mai) diskutierten
Anti-AtomwaffenaktivistInnen aus den USA, Frankreich, Deutschland,
Mexiko, Großbritannien auf dem “Gegengipfel für Frieden & ökonomische
Gerechtigkeit” in dem Workshop “US/NATO Atomwaffen in Europa: Abzug
längst überfällig”, welche nächsten Schritte wichtig sind.

Die Frage, ob für Europa eine atomwaffenfreie Zone diskutiert wird, wie
es sie in anderen Regionen der Welt bereits gibt, wurde beantwortet mit
der aktuellen Atomkriegsgefahr gegen den Iran und Syrien und den
Beschluss der NPT Konferenz (die 2010 in der UN in New York stattfand),
dass es eine Konferenz für eine atomwaffenfreie Zone im Nahen- und
mittleren Osten geben muss. Finnland hat sich bereit erklärt, diese zu
organisieren und laut Reiner Braun von IALANA (den Anwälten gegen
Atomwaffen) müssen wir darauf drängen, das dieses nicht irgendeine,
sondern eine UN-Konferenz sein muss, damit unsere Regierungen auch
verpflichtet sind, daran teilzunehmen. Gerade unsere deutsche Regierung
wird sich hier schwer tun, da sie z.B. vor wenigen Wochen an Israel ein
weiteres Atom-U-Boot geliefert hat, welches Israel mit seinen Atomwaffen
zum nuklearen Erstschlag befähigt. Und sie ist natürlich an den Profiten
“unserer” Waffenindustrie, von der sie geschmiert wird, schwer interessiert.
Anhand der Diskussion über den Sinn und Zweck der nuklearen Abschreckung
wurde sehr schnell klar, dass Atomwaffen total unnütz sind, da ihr
Einsatz uns alle gefährdet: Neben den verehrenden Auswirkungen auf die
Zivilbevölkerung auch z.B. über die Grenzen des Irans hinweg, sind die
Auswirkungen auf das Klima katastrophal und dieser Konflikt kann sich zu
einem nuklearen Weltkrieg mit Russland ausweiten.
Die führenden Waffen produzierenden NATO Länder profitieren hauptsächlich
durch die Existenz der Atomwaffen, da Länder sich weltweit bedroht
fühlen und sich deshalb meist mit konventionellen Waffen hochrüsten und
verschulden. Deutschland steht weltweit beim Waffenexport an dritter
Stelle und das Beispiel Griechenlands, das seine
Verschuldung zu einem großen Teil durch den Einkauf von Waffen (z.B. von
EADS) verursacht/e, zeigt diesen Zusammenhang auf. Mit den jetzt
fließenden Geldern müssen auch die kommenden Waffenlieferungen gezahlt
werden, da diese Aufträge bereits getätigt wurden. Unsere Vernetzung zur
Blockupy-Bewegung und den aktuellen Protesten in Frankfurt sehr sehr
wichtig!

1/4 der weltweiten Militärausgaben von 1,7 Billionen
US-Dollar reichen aus, um alle unsere weltweiten Probleme, wie z. B.
Gesundheitsversorgung, Bildung, Wohnung, fairen Handel, sauberes
Trinkwasser … zu lösen. Wir müssen unsere politischen VertreterInnen
dahin drängen, das Geld für die 99 % zur Verfügung zu stellen, anstatt
den (Waffen) -Konzernen in den Rachen zu schmeissen. Wenn wir sie dazu
bringen, wird auch eine andere Welt möglich.

Marion Kuepker, atomwaffenfrei.jetzt

Marion Küpker  ist von der GAAA – “Gewaltfreie Aktion Atomwaffen abschaffen” und Mitglied des Kampagnenrats von “atomwaffenfrei.jetzt”

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